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DGB: Für Rente mit 70 fehlen in MV die Jobs

Rostock DGB: Für Rente mit 70 fehlen in MV die Jobs

Rente erst mit 70, fordert Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und hat damit eine neue Debatte über die Altersversorgung losgetreten.

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Die Zahlen zeigen, wie absurd Forderungen sind, die Rente erst ab 70 zu gewähren.“ Ingo Schlüter, DGB-Landeschef

Rostock. Rente erst mit 70, fordert Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und hat damit eine neue Debatte über die Altersversorgung losgetreten. Das geht an der Realität vorbei, kritisiert Ingo Schlüter, Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in MV. Viele Ältere seien arbeitslos und haben keine Chance auf dem Arbeitsmarkt, begründet Schlüter.

Knapp 20 000 Arbeitslose über 55 Jahren weist die Statistik für den Nordosten aus. Seit Jahren verändert sich diese Zahl kaum — während die Arbeitslosigkeit in allen anderen Altersgruppen rapide abgenommen hat. Folge: Die Arbeitslosen werden, statistisch gesehen, immer älter. Inzwischen ist fast jeder vierte Arbeitslose mindestens 55 Jahre alt. 2009 war das nur jeder Siebte. Die Angaben stammen aus einer Anfrage des Landtagsabgeordneten Henning Förster (Linke).

„Die Zahlen machen deutlich, wie absurd die Forderung aus CDU und Wirtschaftskreisen ist, die Rente erst ab 70 zu gewähren“, sagt DGB-Landeschef Schlüter. Die Mittel für Eingliederungsmaßnahmen seien massiv gekürzt worden, die Maßnahmen der Jobcenter gingen teilweise um bis zu 70 Prozent zurück. Bund und Land flüchten sich aus ihrer Verantwortung und „verstecken sich hinter Ausflüchten“, kritisiert auch Förster, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Linken im Schweriner Landtag. Die offizielle Arbeitslosen-Statistik verfälsche die wirkliche Situation. Viele ältere Arbeitslose würden nicht mitgezählt, tatsächlich gebe es in Mecklenburg-Vorpommern mindestens 28000 Erwerbslose über 55 Jahre — gut ein Drittel mehr als die offizielle Zahl.

„Für ältere Arbeitslose ist die Chance, schnell wieder Arbeit zu finden, geringer“, sagt Thorsten Nappe, Geschäftsführer Operativ der Arbeitsagentur Rostock. Allerdings gebe es große Unterschiede:

55- bis 60-Jährige würden oft alles unternehmen, um wieder einen Job zu finden, so Nappe: „Die schlagen barfuß Funken.“ Anders die über 60-Jährigen — bei denen gehe es oft nur darum, die Zeit bis zur Rente zu überbrücken. Entscheidend sei jedoch die Qualifikation. Leute mit Hochschulabschluss und einschlägiger Berufserfahrung hätten auch mit 60 wenig Probleme, einen Job zu bekommen.

Das Schweriner Sozialministerium verweist auf den hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen unter den Älteren ohne Job. Oft gebe es „zahlreiche Vermittlungshemmnisse“, wie Schulden oder Suchtprobleme, meint Sprecher Christian Moeller. Das Land fordert ebenfalls mehr Geld vom Bund für Weiterbildung und Eingliederung.

Unternehmen seien grundsätzlich daran interessiert, auch Mitarbeiter über 50 einzustellen, meint Martin Sauer, Arbeitsmarktexperte der Vereinigung der Unternehmensverbände MV, dem Dachverband der Arbeitgeber. Die Älteren seien oft erfahren, loyal, zuverlässig und diszipliniert. „Allerdings gestaltet sich das Eingliedern Arbeitsloser in Beschäftigung mit zunehmendem Alter schwieriger als bei jüngeren Personen“, sagt Sauer. Oft fehlten aktuell gefragte Qualifikationen. Viele, die jahrelang berufstätig waren, seien oft zu spezialisiert.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bezeichnete gestern Schäubles Vorschlag als „lebensfremd“ und spricht sich für individuelle Lösungen aus. „Jeder sollte selbst bestimmen können, wann er in Rente geht.“

Von Gerald Kleine Wördemann

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