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Das Wunder von Wallmow: 300 Einwohner, 70 Kinder

Wallmow Das Wunder von Wallmow: 300 Einwohner, 70 Kinder

In einer anderen Zeit an einem anderen Ort wäre ein Dorf wie Wallmow ganz normal. Hier stehen renovierte Backstein-Bauernhäuser und Fachwerkkaten in wuchernden Gärten.

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Ortsvorsteherin Heike Rymas (l.) und Kita-Chefin Angelika Wuttig mit Victor, Knut-Otto, Mia, Helena, Joma und Kilian (v. l.).

Quelle: Patrick Pleul/dpa

Wallmow. In einer anderen Zeit an einem anderen Ort wäre ein Dorf wie Wallmow ganz normal. Hier stehen renovierte Backstein-Bauernhäuser und Fachwerkkaten in wuchernden Gärten.

Hinter den Hecken sind blaue Trampoline und rote Bobby-Cars zu erahnen. Kinder, Eltern, Alte radeln die Dorfstraße entlang und grüßen. Aber Wallmow, 300 Einwohner, liegt in der Uckermark, im äußersten Nordosten Deutschlands. Hier grenzt Brandenburg an Vorpommern und beide an Polen. Hier sterben die Dörfer aus, hier werden die Läden verbarrikadiert und immer mehr Schulen geschlossen.

In der Uckermark grenzt der Alltag von Wallmow an ein Wunder. Spektakulär ist vor allem eine Zahl: 70 Kinder leben im Ort, fast jeder Vierte im Dorf ist unter 18 Jahre alt.

Befragt nach dem Geheimnis von Wallmow, nennt Ortsvorsteherin Heike Rymas die Schule und die Kita. „Gäbe es das nicht, wäre Wallmow ein Dorf wie ganz viele in der Uckermark.“

In der Dorfschule lernen 35 Kinder in zwei Klassen. Es ist eine freie Schule, ihr Trägerverein „Zuckermark“ ist zugleich einer der größten Arbeitgeber im Dorf. Hinter dem alten Gutshaus baut der Verein gerade die neue Kita. Die Lehmwand steht schon, ab Herbst können hier 30 Kinder betreut werden. „Der Bedarf ist da“, sagt Kita-Leiterin Angelika Wuttig und ergänzt selbstbewusst: „Wir füllen eine Leere in einem unterentwickelten Gebiet.“

Was aber ist nun das Geheimnis von Wallmow, Frau Wuttig? „Immer wieder kommen Demografie-Forscher auf der Suche nach unserem Patentrezept.“ Und immer sagt sie: Es gibt keins. „Es ist eine Mischung aus ganz vielen Zufällen und ganz viel Engagement.“

Die Zufälle haben Menschen wie Jörg Siegmund nach Wallmow gebracht. Der 49-Jährige war früher Elektriker und ist jetzt einer der beiden Erzieher in der Zuckermark-Kita. Siegmund ist dem Lockruf von Wallmow gefolgt. Der Name geistert seit 20 Jahren durch die Kreise der Stadtflüchtigen. Hier gab es billige Häuser, große Grundstücke und viel Platz für Träume. Und in der Nähe eine Autobahnauffahrt.

Leerstand gibt es nicht mehr, sagt Heike Rymas. Für die Alten war es schwer, sich an das neue Dorf zu gewöhnen. Im alten Wallmow gab es klare Regeln: adretter Vorgarten, saubere Gardinen in den Fenstern und am Wochenende wurde der Gehweg geharkt. Dann kamen die Neuen, denen das alles gleichgültig war. „Sicher gab es anfangs Skepsis, was da passiert“, meint Ortsvorsteherin Rymas. „Aber das ist doch das Normalste von der Welt. Wir waren immer ein Dorf, es gibt schließlich nur ein Wallmow.“

 

Jan Sternberg

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