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Das große Robben-Sterben im Greifswalder Bodden

Das große Robben-Sterben im Greifswalder Bodden

Die Hälfte der Herbstpopulation ist verendet / Todursache bleibt rätselhaft

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Das Gebiss einer toten Kegelrobbe – untersucht in Stralsund.

Insel Vilm . Der mysteriöse Tod von 23 Kegelrobben im Greifswalder Bodden hat nach Einschätzung des Bundesamtes für Naturschutz drastischere Folgen als bislang angenommen. In den Boddengewässern südlich von Rügen lebten in den Herbstmonaten der letzten Jahre bis 2016 etwa durchschnittlich 50 Tiere. Durch die Todesfälle im Herbst südlich der Küste der Rügen-Gemeinde Thiessow seien somit rund 50 Prozent der sonst üblichen Herbstpopulation in dieser Region umgekommen, sagte der Leiter der Abteilung Meeresnaturschutz des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Henning von Nordheim. Bei den letzten zwei Zählungen am Stubber, die im November des vergangenen Jahres - und damit nach der Mehrzahl der Todesfälle – durchgeführt wurden, seien nur noch 10 beziehungsweise 11 Tiere gezählt worden. Der Stubber ist eine Untiefe im Greifswalder Bodden, auf der die Kegelrobben gern liegen.

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Die Hälfte der Herbstpopulation ist verendet / Todursache bleibt rätselhaft

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Wann sich der Bestand wieder erholt, könne nicht prognostiziert werden, sagte von Nordheim. „Da in deutschen Gewässern der Ostsee bislang keine Geburten von Kegelrobben nachgewiesenen wurden, kann der Wiederaufbau des Bestandes nur durch zuwandernde Tiere aus anderen Ostseeregionen erfolgen.“ Die Kegelrobben waren in den 1920er Jahren  an der südlichen Ostseeküste durch Bejagung ausgerottet worden. Sie kehrten ab den 2000er Jahren aufgrund  wachsender Bestände an den  skandinavischen Nordküsten an die  deutsche Küste zurück. In den Wintermonaten halten sich nach Schätzungen inzwischen bis zu 100 der streng geschützten Tiere an der deutschen Ostseeküste auf. Der Greifswalder Bodden gilt dabei als Hauptverbreitungsgebiet. 

Indes laufen die  staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zum Tod der Meeressäuger weiter. Anhaltspunkte, wer in Verbindung mit dem Tod der Robben stehen könnte, würden weiter geprüft, sagte der Sprecher der Stralsunder Staatsanwaltschaft Martin Cloppenburg. Eine Beschuldigtenvernehmung habe es bislang nicht gegeben. Diese stehe in der Regel erst am Ende der Ermittlungen. Cloppenburg betonte, dass  man dabei eng mit den Fachbehörden zusammenarbeite, da man auf deren naturwissenschaftliche Expertise angewiesen sei.

Zwischen September und Dezember 2017 waren 23 tote Kegelrobben an der Nordküste des Greifswalder Boddens entdeckt worden. Experten des Deutschen Meeresmuseums hatten die äußerlich unversehrten Tiere untersucht und konnten ausschließen, dass die Tiere an Viren, Bakterien oder Giften starben. Sie gehen davon aus, dass die Meeressäuger an akutem Herz- und Kreislaufstillstand durch Ertrinken starben. Ein solcher Tod sei in nach oben geschlossenen Reusen möglich. Das Museum erstattete Anzeige wegen der Tötung einer besonders geschützten Art. Die Fischereibranche, die seit Jahren über die wachsenden Robbenbestände klagt, hatte einen Verdacht zurückgewiesen.

Dem Umweltministerium liegen Eckpunkte eines Robben-Managementplanes vor. Laut BfN sollte der von der Behörde mitentwickelte Managamentplan als Grundlage dafür dienen, Fraßschäden sowie Schäden an Netzen verlässlich zu ermitteln, um die tatsächlichen Verluste für die Fischerei bewerten zu können. Dies könne dann Grundlage für Entschädigungen sein. Zudem könnten Fischer beim Kauf oder Ersatz robbensicherer Fanggeräte unterstützt werden.

Eine von den Fischern ins Spiel gebrachte „Obergrenze“ ähnlich dem Wolf lehnen die Naturschutzexperten und Umweltverbände vehement ab. Zum einen sei die Robbenpopulation sehr niedrig. Zum anderen sei die rechtliche Situation nicht vergleichbar. Anders als Schafe oder Rinder, die Eigentum eines Nutztierhalters sind, seien Fische zunächst herrenlos. Die Fische gingen  erst mit dem Fang in das Eigentum der Fischer über.

Baby-Rekord auf Helgoland

Während vor Rügen die Zahl der Kegelrobben schwindet, vermehren sich die Kleinen auf Helgoland prächtig. So ist die Zahl der Geburten der streng geschützten Raubtiere auf der Insel in dieser Saison auf bislang 426 Jungtiere gestiegen. Damit war die Wurfsaison 2017/18 die erfolgreichste seit Aufzeichnung der Bestände, hieß es. Im letzten Winter wurden laut Naturschutzgesellschaft „Schutzstation Wattenmeer“ 350 Robbenbabys auf der Düne gezählt, im Jahr davor waren es 317 Jungtiere. Die Kegelrobbe kann in Einzelfällen noch bis Ende Februar Nachwuchs bekommen. Noch in den 1970er-Jahren galt die Kegelrobbe in Deutschland als nahezu ausgerottet.

Martina Rathke

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