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Denkmal Alt Rehse: Bürger sind skeptisch

Alt Rehse/Schwerin Denkmal Alt Rehse: Bürger sind skeptisch

Birgit Düwel ist vorsichtig geworden. „Der Denkmalschutz schrieb einem bisher aber auch jede Kleinigkeit vor“, sagt die Besitzerin des „Hauses Pommern“ aus Alt Rehse im Kreis Mecklenburgische Seenplatte.

Alt Rehse. Der Grund für ihre Skepsis: Statt bisher einzelner Häuser soll der gesamte Kern des idyllisch am Tollensesee gelegenen ehemaligen Musterdorfes der Nazis unter Denkmalschutz gestellt werden. Wie Düwel sind aber nicht alle Einwohner damit einverstanden.

„Der Dorfkern mit seinen reetgedeckten Fachwerkhäusern, Freiflächen, Alleen und Straßen mit Granitpflaster ist in seiner Gesamtheit von überregionaler Bedeutung“, erläutert Konservator Jörg Kirchner vom Landesamt für Denkmalpflege. Bewohner der Fachwerkhäuser befürchten aber auch mehr Bürokratie und höhere Kosten.

Alt Rehse sorgte schon mehrfach für Schlagzeilen, gehört es doch neben Prora und Peenemünde zu den wichtigsten Architektur- und Geschichtszeugnissen aus der NS-

Zeit. Der Dorfbesitzer wurde 1933 enteignet, das Dorf fast ganz abgerissen und ab 1934 neu aufgebaut. Zum Dorf gehört auch ein weitläufiger Gutspark. Er diente in der NS-Zeit als „Führerschule der deutschen Ärzteschaft“, wo Tausende Mediziner unter anderem in Rassenkunde und Euthanasie geschult worden waren.

Mit der Denkmalschutzregelung will Konservator Kirchner vor allem Freiflächen, wie Dorfanger und Dorfteich, sowie die seltene Pflasterung und damit das Gesamtensemble erhalten. „Die Außengestaltung — keine hohen Zäune — ist schon sehr gut gelungen“, sagt er. Viele Bewohner befürchten aber, künftig für Zäune und andere Außenanlagen, wie Carports, größere Hürden überwinden zu müssen.

„Vor allem wollen wir gleiches Recht für alle“, so ein Bewohner. So hätten im weitläufigen Park, der von einer alternativen Lebensgemeinschaft bewohnt wird, schon drei Häuser „hässliche Edelstahlschornsteine“. Das hätte im Dorf niemand genehmigt bekommen - Kirchner und die Kreisdenkmalbehörde wollen sich darum kümmern.

„Wir werden alle Einwände aufnehmen und das noch mal prüfen“, versprach Penzlins Bürgermeister Sven Flechner (parteilos), der für Alt Rehse zuständig ist. Auch die Grenzen des Gebietes sollen noch einmal überprüft werden. Wie der Konservator glaubt aber auch Flechner, dass eine Denkmalregelung für den Erhalt des Dorfensembles von Nutzen sein kann.

ww

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