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Denkmalschutz für die Platte? Streit um Erhalt der Ostbauten

Schwerin/Rostock Denkmalschutz für die Platte? Streit um Erhalt der Ostbauten

Der DDR-Plattenbau ist umstritten. Dem einen gelten die damaligen Neubaugebiete als gesichtslose Relikte eines dirigistischen Staates, anderen als Produkte einer Sozialpolitik, die auf Gleichheit der Lebensverhältnisse zielte. Was davon soll für die Nachwelt bleiben?

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Das Fünfgiebelhaus am Rostocker Universitätsplatz, ein Plattenbau aus DDR-Zeiten, ist Teil des Denkmalbereichs Innenstadt.

Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Schwerin/Rostock. Tausende Plattenbauten aus DDR-Zeit prägen die Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Sie gehören zur Nachkriegsgeschichte, zeugen von Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg und vom Versuch des ostdeutschen Staates, die Menschen mit Gleichheit glücklich zu machen. Rund 1,5 Millionen Plattenbau- Wohnungen sind in der DDR errichtet worden. Unter Bauexperten und Denkmalschützern wird diskutiert, was erhalten werden soll.

Bisher sind nur wenige Bauten aus DDR-Zeit in den Denkmallisten der Städte und Landkreise im Nordosten zu finden. Nach Angaben des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege stammen von den rund 30 000 Denkmälern und Denkmalbereichen in Mecklenburg-Vorpommern rund 650 aus der Zeit nach 1949. Das sind etwas mehr als zwei Prozent.

In Stralsund beinhaltet die Denkmalliste 866 Positionen, davon 17 aus DDR-Zeit. Im weitgehend kriegsverschonten Schwerin ist die Lage ähnlich: Von 747 eingetragenen Denkmälern sind 14 Objekte, die in der DDR errichtet wurden. Davon seien elf in einem guten baulichen Zustand, zwei stünden leer, sagt die Chefin der Denkmalschutzbehörde der Landeshauptstadt, Steffi Rogin. Neben einem Industriebau sei die ehemalige Gaststätte „Panorama“ des Betonschalen- Baumeisters Ulrich Müther betroffen. Das 2016 unter Schutz gestellte Gebäude stehe zum Verkauf, Gespräche mit Interessenten liefen.

Anders die Situation in Neubrandenburg: Die Stadt hat etwas mehr als 350 Baudenkmale. Ungefähr ein Viertel davon stamme aus der Zeit der DDR, darunter der erste WBS-70-Block der DDR aus dem Jahr 1973. Auch in Rostock kam es aufgrund schwerer Kriegszerstörungen nach 1945 zu einem deutlich umfangreicheren Neubau-Programm als in vielen anderen Orten. „Gegenwärtig sind in der Stadt 480 Objekte als Baudenkmale eingetragen, davon 77 aus DDR-Zeiten“, sagt Pressesprecherin Kerstin Kanaa. Auch seien zahlreiche DDR- Gebäude in ihrem äußeren Erscheinungsbild durch 13 Denkmalbereiche geschützt. Nahezu alle würden genutzt und seien in einem guten Zustand. Zu den bemerkenswertesten Objekten zählt Kanaa die Bauten der Langen Straße aus den 1950er Jahren, die Mehrzweckhalle Lütten-Klein von Ulrich Müther und die Katholische Kirche am Häktweg.

In den Fokus rücken auch Neubaugebiete des industriellen Wohnungsbaus in Plattenbauweise aus den 1970er und 1980er Jahren. Dort gibt es in Rostock vereinzelten Denkmalschutz, etwa für vier bildkünstlerisch gestaltete Giebel im Stadtteil Evershagen. Die riesigen Klinkerreliefs des Künstlers Reinhard Dietrich aus den Jahren 1974 bis 1976 wurden schon zwei Jahre nach Fertigstellung von den DDR- Behörden unter Schutz gestellt, wie Jörg Kirchner vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in dem Buch „Alles Platte? Architektur im Norden der DDR als kulturelles Erbe“ berichtet, das gerade im Christoph Links Verlag erschienen ist. Bei dem Buch handelt es sich um den Tagungsband eines Expertentreffens unter dem Titel „Alles Platte oder was?“ im Herbst 2016, herausgegeben vom Schweriner Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, in dem unterschiedliche Themen aufgegriffen werden.

Iris Leithold

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