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Der Hausherr bleibt

Nach den Landtagswahlen: SPD ist Gewinner und Verlierer zugleich Der Hausherr bleibt

Nach der absoluten Stimmenzahl gehört die SPD zu den Gewinnern der Wahl / Dennoch muss sie einen Sitz im Landtag abgeben

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Schwerin. War die Landtagswahl nun für die SPD ein Sieg oder eine Niederlage? Manche Kommentatoren werteten den Wahlausgang als Denkzettel auch für die Sozialdemokraten und Ministerpräsident Erwin Sellering, der mit dem berühmten „blauen Auge“ davongekommen sei. Dabei hat die SPD sogar Stimmen dazugewonnen.

Dirk Friedriszik – als Soldat im weltweiten Einsatz

Serie

Der neue

Landtag

Heute SPD

Tatsächlich verlor die SPD fünf Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2011, sackte von 35,6 auf 30,6 Prozent ab. Die absolute Zahl der Stimmen stieg dagegen um rund 4000 von 242251 auf 246

393. Dass die Sozis dennoch einen Sitz im Landtag verlieren, liegt an der höheren Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren. Daher lässt sich das Wahlergebnis durchaus so interpretieren, dass die bisherigen Nichtwähler der SPD einen Denkzettel verpasst haben. Wären sie erneut zu Hause geblieben, hätte die SPD letzten Sonntag über 36 Prozent bekommen – mehr als 2011.

Doch statt Rechenspielen nachzuhängen geht es bei der SPD jetzt um die Neuformierung der Fraktion. Vier der bisherigen Abgeordneten waren nicht mehr angetreten, darunter der Fraktionsvorsitzende Norbert Nieszery. Fünf weitere Parlamentarier haben den Wiedereinzug nicht geschafft.

Einer von ihnen ist Julian Barlen. Er ist Opfer des guten Abschneidens der SPD in den Wahlkreisen. Dort gewannen die jeweiligen Kandidaten über die Erststimmen so viele Direktmandate, dass Barlens Listenplatz 10 nicht mehr für den Einzug in den Landtag reichte. 2011 war er auf Platz 15 noch reingekommen. Der 36-Jährige will aber weiter Politik machen. So bleibe er Projektleiter der Initiativen „Endstation Rechts“ und „Storch Heinar“, die sich gegen Rechts engagieren. „Der Einzug der AfD in den Landtag hat gezeigt, dass hier noch viel zu tun ist“, sagte Barlen gestern der OZ.

Zu den SPD-Neulingen im Landtag, die wir auf dieser Seite vorstellen, zählen auch zwei Politiker, die sich dort schon gut auskennen: Sozialministerin Birgit Hesse und Verkehrsminister Christian Pegel. Sie können nun Wahlkreisbüros eröffnen. Hesse dürfte damit wieder öfter an ihrer alten Wirkungsstätte Nordwestmecklenburg unterwegs sein, wo sie bis 2014 Landrätin war.

Auf dem Balkan war Dirk Friedriszik (45) als Bundeswehrsoldat im Einsatz, ebenso in Afrika und bei Hochwassereinsätzen in Mecklenburg-Vorpommern. Der geborene Duisburger kam 2011 zum Landeskommando MV und wechselt nun in die Landespolitik. Soldat und Sozialdemokrat – das passt laut Friedriszik zusammen, der sich für Kameradschaft und Zusammenhalt einsetzen will. In Ludwigslust engagierte sich der verheiratete Vater von drei Kindern seit 2014 in der SPD-Stadtfraktion.

Philipp da Cunha – Experte für Elektro und Energie

Drei Themen hat sich Philipp da Cunha (28) auf die Fahnen geschrieben: Energiewende, Ausbau der digitalen Infrastruktur und Verkehr. Der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik und Sohn des ehemaligen Güstrower Landrats Lutz da Cunha engagierte sich während des Studiums in Rostock in der Studentenvertretung AStA und gegen Rechtsextremismus. Ende Februar 2016 attackierten mutmaßlich Neonazis das Haus, in dem Philipp da Cunha mit Frau und Tochter in Güstrow lebt.

Dirk Stamer – Fachmann für Wirtschaft und Tomaten

Bevor es mit der Parlamentsarbeit losgeht, hat Dirk Stamer noch Zeit, endlich die Tomaten in seinem Garten in Kritzmow zu ernten. Die musste der 36-Jährige Hobbygärtner hängenlassen, um seinen Wahlkreis Landkreis Rostock II zu gewinnen. Dafür hatte er in jedem Dorf mindestens ein Plakat von sich aufgehängt. Das hat wohl geholfen: Mit 29,4 Prozent ließ Stamer seinen CDU-Konkurrenten hinter sich. Der Wirtschaftsinformatiker an der Uni Rostock ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Patrick Dahlemann – ein Streiter gegen Rechts

Manche sagen, es sei eine Sensation – zum ersten Mal seit 1990 gewann mit Patrick Dahlemann (28) ein SPD-Kandidat den Wahlreis Vorpommern-Greifswald IV. Der Landtagsabgeordnete, der vor zwei Jahren als Nachrücker ins Parlament kam, sorgte für bundesweites Aufsehen, als er bei einer NPD-Kundgebung die „platten Phrasen“ der Neonazi-Partei entzauberte. Kritik brachte dem engagierten Streiter gegen Rechtsextremismus ein, dass er im Lebenslauf einen Studienwechsel nicht korrigierte.

Nadine Julitz – auf den Spuren Willy Brandts

Von der SPD-Ikone Willy Brandt spricht sie mit Hochachtung. Ebenso vom ehemaligen Schweriner SPD-Politiker Rudolf Borchert, in dessen Fußstapfen Nadine Julitz (26) tritt. Nachdem Borchert in den Ruhestand gegangen ist, wechselt Julitz, die in Rostock Politikwissenschaften studiert hat, für ihn von Waren/Müritz in die Landespolitik nach Schwerin. Dort will sich die jüngste Politikerin des neuen Landtags im sozialen Bereich und in der Bildungspolitik engagieren.

Christian Brade – Radfahrer und IT-Fachmann

Radfahren ist seine Leidenschaft. Der 45-jährige Christian Brade aus Domsühl bei Parchim hat im Frühjahr die Broschüre „Schöner Radeln“ für den Kreis Ludwigslust-Parchim rausgebracht. In seiner künftigen landespolitischen Arbeit setzt der Chef eines IT-Unternehmens auf Wirtschaftsthemen. Der gebürtige Schweriner engagiert sich seit 20 Jahren in der Kommunalpolitik, führte den Sozialaussschuss einer Gemeindevertretung und den Wirtschaftsausschuss des Kreistags.

Elisabeth Aßmann – vom Bauernhof in die Politik

Das flache Land abseits der Städte liegt ihr am Herzen. Die 26-jährige Agrarökonomin Elisabeth Aßmann will sich in Schwerin für die ländlichen Räume einsetzen. Und für die Landwirtschaft. Die Mutter einer Tochter, die mit ihrem Partner in Lützow (Nordwestmecklenburg) lebt, ist Vorsitzende des Arbeitskreises Junglandwirte beim Bauernverband MV. Vor ihrer Wahl war sie als Beraterin für Rinder- und Schweinefütterung unterwegs und hat die Landwirtschaft von der Pike auf gelernt.

Erwin Sellering – der alte und neue Ministerpräsident

Noch ist er nicht gewählt, es dürfte aber außer Frage stehen, dass Erwin Sellering Ministerpräsident von MV bleibt. Damit behält die SPD-Fraktion vorerst ihr Zugpferd, das sie bei der Wahl wohl vor einem Absturz bewahrt hat. Ob der heute 66-Jährige allerdings bis zum Ende der Legislaturperiode durchhält, wird sich zeigen. Der aus dem Ruhrgebiet stammende Sellering sitzt seit 2002 im Landtag, war zunächst Justiz-, dann Sozialminister und ist seit 2008 Ministerpräsident. Seit 2007 ist er SPD-Landeschef.

Axel Meyer und Axel Büssem

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