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Der Justiz im Land geht der Nachwuchs aus

Waren/Rostock Der Justiz im Land geht der Nachwuchs aus

Richter und Anwälte werden im Nordosten gesucht / Kampagne startet

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Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU)

Quelle: Foto: J. Büttner/dpa

Waren/Rostock. Um Engpässe bei Richtern, Staats- und Rechtsanwälten zu vermeiden, werben Landesjustizministerium und Anwälte jetzt gemeinsam um Nachwuchs. Das haben Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) und Kammervertreter auf ihrer Jahrestagung gestern in Waren verabredet. „Der Nachwuchs ist das schwierigste Thema. Und da ganz Deutschland auf Suche ist, müssen wir besser sein als andere Bundesländer“, sagte die Ministerin.

Hintergrund ist eine Pensionierungswelle bis 2027. Das Land rechnet damit, dass die Hälfte der rund 600 Richter und Staatsanwälte ersetzt werden muss. Bereits ab 2021 werde dies stark spürbar sein, so Hoffmeister. Schon jetzt klagen Staatsanwälte und Richter über zu hohe Belastung, Verfahren ziehen sich oft über Jahre hin.

Die Anwaltskammer des Landes, die knapp 1600 Rechtsanwälte vertritt, hat jetzt Kanzleien im Internet veröffentlicht, die Referendare zur Ausbildung suchen. Dazu soll es eine Jobbörse geben. Wie schwierig der nötige Abschluss zu meistern ist, legte Hoffmeister dar. So hätten zuletzt 168 Studenten mit Jura-Abschluss ihre Referendariate im Nordosten begonnen, davon aber nur 48 das nötige zweite Staatsexamen geschafft. Geplant sei außerdem ein gemeinsamer „Tag der Projekte“ an der Universität Greifswald.

Katy Hoffmeister will Gründe für das fehlende Interesse am Jura-Studium in MV analysieren lassen. „Wenn wir jetzt nicht anfangen, haben wir ein Problem“, erklärt die Ministerin. Das Studium, die Rahmenbedingungen müssten attraktiver werden. Dazu sei es womöglich nötig, auch über veränderte Lehrschwerpunkte zu reden. Ein mögliches Problem leugnet sie nicht: Vor einigen Jahren wurde nach langem Streit an der Universität Rostock die Juristische Fakultät beschnitten. Seither bildet allein die Uni Greifswald Volljuristen aus. Hier solle es künftig wieder mehr Verknüpfung mit Rostock geben, sagte Hoffmeister der OZ. Die Einschnitte an der Juristischen Fakultät Rostock würden aber nicht rückgängig gemacht, so Hoffmeister.

Einen tiefgreifenden Strukturwandel befürchten die Anwälte demnächst durch wachsende „Online-Rechtsberatungen“, erklärte Kammerpräsident Stefan Graßhoff. So gebe es Initiativen wie „Legal Tech“

und auch Versicherer, die im Internet bereits intelligente und spezialisierte Rechtsberatung anbieten, für die extra Computerprogramme entwickelt wurden. In Städten wie Berlin und Hamburg spezialisierten sich Gründerfirmen (Start-ups) auf bestimmte Rechtsfelder, wie Flugrecht oder Fahrradrecht.

Außer dem drohenden Juristenmangel beklagt die Anwaltskammer, dass es kaum Bewerber für die jährlich 60 Lehrstellen als Anwaltsfachangestellte gibt. Bisher hätten sich erst vier Bewerberinnen gemeldet. Damit sei die Zukunft der Berufsschulen in Schwerin, Rostock und Greifwald gefährdet, hieß es. Eine Schule in Neustrelitz sei schon geschlossen worden. Dabei seien die Berufsaussichten für Absolventen eigentlich gut. Hintergrund sind stark gesunkene Schülerzahlen im Nordosten und der härtere Wettbewerb um die leistungsfähigsten Schulabgänger. 

Saniertes Haus für 80 Gefangene

Das sanierte Hafthaus A der Justizvollzugsanstalt in Bützow (Kreis Rostock) soll heute eingeweiht werden. Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes hat gut vier Jahre gedauert und elf Millionen Euro gekostet. Künftig können 80 Gefangene dort untergebracht werden. Im Dezember war in Bützow ein neues Haus für 142 Inhaftierte eingeweiht worden. Der Neubau kostete 13 Millionen.

Winfried Wagner und Frank Pubantz

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