Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Der Wolf gerät ins Visier der Berliner Politik
Nachrichten MV aktuell Der Wolf gerät ins Visier der Berliner Politik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 05.02.2018
Schwerin/Berlin

Der Schutz von Schafherden vor Wolfsangriffen könnte in Deutschland bald einheitlicher und besser geregelt werden. In den Koalitionsverhandlungen haben sich Union und SPD darauf verständigt, die Ausbreitung der Wölfe kontrollieren und Maßnahmen fördern zu wollen, mit denen Nutztiere besser vor Angriffen geschützt werden sollen. Die Parteien hatten dabei in Aussicht gestellt, Regelungen zu schaffen, denen zufolge die Kosten vollständig ausgeglichen werden sollen. „Das deckt sich mit unseren Forderungen“, sagte der Vorsitzende der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) Jürgen Lückhoff.

Der Schutz der Herden stellt für die Schäfer nach Verbandseinschätzung eine enorme finanzielle Belastung dar. Viele Schäfer – vor allem Halter von kleineren Herden – würden auf Anträge zur Grundsicherung ihrer Herden verzichten, weil die Verfahren zu aufwändig seien, sagte Lückhoff, zugleich Vorsitzender des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes in MV.

Notwendig sei eine vereinfachte, bundeseinheitliche und breiter angelegte Förderrichtlinie. In Mecklenburg-Vorpommern werden bis zu 75 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben gefördert, in anderen Ländern seien es 80 Prozent, einige Länder gäben keine Hilfen.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) hält sich zu dem Berliner Vorstoß noch bedeckt. Man wolle das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen abwarten. Lückhoff hofft, dass es unabhängig vom Verlauf der Verhandlungen bereits ab 2019 Verbesserungen für Schafhalter in MV gibt.

„Ich bin optimistisch, dass der Förderanteil mit der neuen Förderrichtlinie 2019 in MV auf 80 Prozent steigen wird.“

Neben der Anschaffung von Herdenschutzhunden müsste künftig auch der Unterhalt der Vierbeiner über die Förderung abgedeckt werden. Ein Herdenschutzhund kostet Lückhoff zufolge in der Anschaffung rund 3000 Euro, im Unterhalt von Pflege über Futter bis zur Versicherung rund 2000 Euro pro Jahr. „Das sind Kosten, die wir ohne das Problem ’Wolf’ nicht hätten.“ Im vergangenen Jahr zahlte das Land für den Herdenschutz 138000 Euro, im Jahr davor 62000 Euro. Dazu kamen 2017 rund 13000 Euro Entschädigung für gerissenes Vieh. Die Ausbreitung des unter Schutz stehenden Wolfs in Deutschland und die dauerhafte Sicherung der Weidehaltungen kann Behörden und Schafhalter teuer zu stehen kommen. In einer Modellrechnung für Bayern geht die dortige Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) von 241 bis 413 Millionen Euro aus. Hinzu kämen jährliche Folgekosten von 28 bis 43 Millionen Euro. Demnach müssten in Bayern unter anderem rund 57 000 Kilometer Weidezaun wolfssicher gemacht werden.

Für MV liegen keine Berechnungen vor. Die Art der Berechnung sei nicht zielführend, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums. Der Präventionsbedarf sei von der örtlich konkreten Situation abhängig. Auch Verbandschef Lückhoff hält diese Zahlen für überzogen. Dennoch seien die Kosten nicht zu unterschätzen. „Es besteht dringender Handlungsbedarf, um die Schafhaltung in Deutschland zu sichern.“ Zwischen 2005 und 2014 sind die Schafbestände von 2,64 Millionen auf 1,6 Millionen Tiere gesunken. Als Ursache für den Rückgang sieht der Verband vor allem die Umstellung der EU-Hilfen auf Flächenprämien.

Martina Rathke

Die Reederei Scandlines macht eine Kampfansage an das Projekt Fehmarnbelttunnel. Scandlines will möglichst schon in drei Jahren mit rein elektrisch betriebenen Fähren ...

05.02.2018

Einige Landgemeinden erzielten größten prozentualen Zuzug seit 1990

05.02.2018

Schwerin. Die Umweltschutzorganisation BUND hat einen deutlich besseren Schutz der Wismarbucht gefordert.

05.02.2018