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MV aktuell Der rasante Absturz des Ueckermünder Bürgermeisters
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00:00 28.08.2018
Ueckermünde

Und wieder ein neues Kapitel im Dauer-Drama um Gerd Walther: Gestern erhob der wegen seiner Drogenprobleme seit März beurlaubte Bürgermeister von Ueckermünde wirre Anschuldigungen gegen die Polizei. Walther war vergangenen Donnerstag in eine geschlossene Klinik eingewiesen worden. Zuvor soll er nackt durch das Dorf nahe der Kleinstadt, in dem er lebt, gelaufen sein.

Der beurlaubte Rathaus-

Chef von Ueckermünde,

Gerd Walther FOTO: CORNELIUS KETTLER

Alles falsch, sagte Walther gestern am Telefon. „Ich war nur auf meiner eigenen Terrasse.“ Die Geschichte sei konstruiert, damit man ihn „rechtswidrig“ in die Klinik stecken konnte. Ziel dieser Aktion sei, zu verhindern, dass er eine Stellungnahme an die Stadt Ueckermünde abgeben kann – gegen seine geplante Versetzung in den Ruhestand wegen Krankheit. Die Stadtverwaltung bestätigt, dass gestern Nachmittag eine Frist für eine Stellungnahme ablief. Aber selbst wenn Walthers verworrene Geschichte stimmen sollte, hätten die angeblichen Verschwörer ihr Ziel verfehlt: Der 48-Jährige verließ die Klinik am Sonntag und ist wieder zu Hause. Ende September entscheidet die Stadtvertretung über seine berufliche Zukunft.

Die Polizei spielte bei dieser angeblichen Verschleppung mit, behauptet Walther. Es sei nicht das erste Mal, dass ihm Behörden üble Dinge angetan hätten. Auch das Landgericht und Ärzte seien beteiligt. Polizeisprecher Axel Falkenberg weist die Vorwürfe gegen die Ordnungshüter als haltlos zurück.

Walther fühlt sich von vielen Seiten verfolgt. So planten etwa rechtsradikale Nachbarn, ihn zu ermorden. „Ich fürchte um Leib und Leben“, sagt der frühere Landtagsabgeordnete, der im Juni nach Jahrzehnten bei den Linken austrat. In einem Attest der Ueckermünder Klinik, das Walther an die OZ schickte, ist die Rede von „psychischen und Verhaltensstörungen durch Stimulanzien“. Bei der Klinik-Aufnahme sei er sehr erregt gewesen und hätte gedroht, „sich und anderen Menschen das Leben zu nehmen“. Außerdem habe er angegeben, Crystal Meth konsumiert zu haben. Nach OZ-Informationen handelte es sich bei dem Rauschgift, das Polizisten im Mai in seinem Auto fanden, ebenfalls um Crystal Meth.

Das meist in tschechischen Drogenküchen hergestellte Aufputschmittel ist dafür bekannt, Menschen in kurzer Zeit zugrunde zu richten. „Im Norden ist es eher wenig verbreitet“, sagt Willem Hamdorf, Chefarzt der auf Drogensucht spezialisierten Median-Klinik in Rehna (Nordwestmecklenburg). Crystal-Meth-Abhängige blieben oft tagelang unter Hochspannung wach. Der Schlafentzug steigere die Gefahr einer Psychose, so Hamdorf. Der feste Glaube, von Gott und aller Welt verfolgt zu werden, sei typisch für die Krankheit. Eine erfolgreiche Therapie sei möglich.

„Der Mann ist krank“, sagt Marlies Peeger, Fraktionsvorsitzende der Linken im Kreistag Vorpommern-Greifswald, dem Walther angehört. Es sei tragisch, er sei eigentlich „sensibel“ und „intelligent“.

Vor anderthalb Jahren gab es erste Anzeichen, berichtet eine andere Bekannte aus Ueckermünde, die Walther seit mehr als 30 Jahren kennt. „Er stand völlig neben sich“, erinnert sich die Frau an die ersten Auffälligkeiten. Seit diesem Frühjahr ging es schnell abwärts. Inzwischen dringen auch Hilfsangebote von Freunden nicht mehr zu ihm durch. Privat sei Walther unglücklich gewesen, weil er keine feste Beziehung hatte. Er lebte offen homosexuell und bewegte sich seit den 1980er Jahren in der Berliner Schwulen-Szene. Möglicherweise geriet er dort an die Droge.

Walther wurde 2013 für sieben Jahre zum Bürgermeister gewählt. Als 18-Jähriger hatte er zeitweise für die Stasi gespitzelt.

Gerald Kleine Wördemann

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