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Diagnose Alzheimer: Immer mehr Ältere leiden an Demenz

Rostock Diagnose Alzheimer: Immer mehr Ältere leiden an Demenz

Grund für die Zunahme der Fälle ist die alternde Gesellschaft. Das Risiko für den Einzelnen aber sinkt.

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Immer mehr ältere Menschen in MV verlieren ihr Gedächtnis: Demenzerkrankungen wie Alzheimer haben in den letzten fünf Jahren um fast 14 Prozent zugenommen. (Symbolfoto)

Quelle: Patrick Pleul / Dpa

Rostock. Immer mehr ältere Menschen in MV verlieren ihr Gedächtnis: Demenzerkrankungen wie Alzheimer haben in den letzten fünf Jahren um fast 14 Prozent zugenommen. Laut AOK-Pflegereport stieg der Anteil der Erkrankten über 60 Jahre im Land von 13,8 auf 15,7 Prozent. Experten rechnen mit weiterer Zunahme. Das fordert das Pflegesystem heraus.

Demenz

Demenz (lateinisch), bedeutet „ohne Verstand“. Das psychiatrische Syndrom umfasst mehrere Erkrankungen des Gehirns. Sie führen dazu, dass bei Patienten Denken und Gedächtnis, Fühlen und soziale Fähigkeiten nachlassen. Am häufigsten: Alzheimer. Die Krankheit ist für ca. 60 Prozent der weltweit 24 Millionen Demenzerkrankungen verantwortlich.

„Die Zahl der Fälle wird weiter steigen, weil die Bevölkerung im Schnitt immer älter wird“, erklärt Professor Gabriele Doblhammer- Reiter vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels. Besonders gravierend werde das Problem ab 2040, wenn geburtenstarke Jahrgänge der „Baby-Boomer“ ins Alter von etwa 80 Jahren kommen, in dem Demenzerkrankungen häufig auftreten.

Diabetes und Bluthochdruck sind Hauptursachen

Doch gebe es auch eine gegenläufige Entwicklung: „Die neueste Forschung zeigt , dass das Risiko Einzelner, an Demenz zu erkranken, sinkt“, sagt Doblhammer-Reiter. Grund sei vor allem der medizinische Fortschritt: „Als Hauptursache für Demenz gelten Diabetes und Bluthochdruck. Beides kann heute besser behandelt werden.“

Laut AOK-Pflegereport werden fast zwei Drittel (63 Prozent) der Betroffenen zu Hause gepflegt. Fast jeder Dritte hatte 2015 keine Pflegestufe, bekam keine Hilfe von den Krankenkassen. Das dürfte sich ab diesem Jahr ändern: Mit der Umstellung auf Pflegegrade und niedrigerer Einstiegsschwelle für Leistungen werden wohl mehr Patienten Unterstützung beanspruchen.

Für sogenannte niedrigschwellige Angebote wie Begleitung beim Spaziergang stellt die AOK für Rostock 1,5 Millionen Euro pro Jahr bereit. „Für diese Angebote braucht man keine Fachkräfte“, sagt Professor Thomas Zahn vom Gesundheitswissenschaftlichen Institut Nordost (Gewino) der AOK. Eignen würden sich etwa rüstige Senioren, die etwas für andere tun wollen. Ein Problem sei aber, Demenzkranke überhaupt zu erreichen: „Viele ziehen sich zurück und vereinsamen“, sagt Zahn. In Rostock gebe es ein Pilotprojekt, bei dem das soziale Umfeld Betroffener eingebunden wird. „Es gibt einen Ansprechpartner, an den sich etwa Bäcker, Friseure oder Apotheker wenden können, wenn langjährige Kunden wegbleiben. Der Ansprechpartner besucht Senioren dann zu Hause und fragt, ob sie Hilfe brauchen.“

Fachkräftemangel in der Pflege

Dies alles könne jedoch nicht die professionelle Pflege ersetzen, betont der Experte. Für ausreichend Fachkräfte müsse der Pflegeberuf attraktiver, die Ausbildung reformiert werden. Es müssten neue Wege der Rehabilitation von Demenzpatienten gefunden werden. Es müsse mehr Möglichkeiten geben, Patienten daheim zu behandeln.

Pflege zu Hause, so Doblhammer-Reiter, sei eine große Herausforderung für Angehörige. Für erwerbstätige Frauen, die typischerweise die Pflege übernehmen, sei dies eine Doppelbelastung.

Die Expertin sieht auch positive Trends: Demenz lasse sich durch Medikamente und gezieltes Training hinauszögern. Wichtig sei, „soziale Kontakte zu pflegen, sich körperlich und geistig zu fordern“.

Axel Büssem

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