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MV aktuell Dickes Problem: MV wird zum Land der Übergewichtigen
Nachrichten MV aktuell Dickes Problem: MV wird zum Land der Übergewichtigen
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04:05 03.09.2013
Übergewicht ist ein Armutsproblem.“Hans-Christof Schober, Ärztlicher Direktor der Südstadtklinik Rostock

Gewichtiges Problem in Mecklenburg-Vorpommern: Mehr als die Hälfte der Einwohner hat einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 25 und gilt damit als zu schwer.

Von den 50- bis 65-Jährigen haben 35 Prozent sogar einen BMI von über 30 und sind damit adipös, also krankhaft übergewichtig. Über alle Altersgruppen verteilt trifft jeden Fünften diese Diagnose, bundesweit liegt der Nordosten zusammen mit Thüringen an der unrühmlichen Spitze der Statistik.

Der Trend zum Schwergewicht bleibt nicht folgenlos. Vor wenigen Tagen brachte im Rostocker Südstadt-Klinikum eine 225 Kilogramm schwere Frau ein Kind zur Welt. „Das war auch für uns nicht alltäglich“, sagt Kliniksprecher Birger Birkholz über die medizinische Herausforderung. Mutter und Kind seien inzwischen wohlauf. In Ribnitz-Damgarten mussten vor drei Wochen Feuerwehrleute eine Frau mit der Drehleiter von ihrem Balkon hieven, weil das Treppenhaus zu eng war. Die 200-Kilo-Ribnitzerin sollte in ein Krankenhaus gebracht werden. „Wir haben regelmäßig solche Einsätze, das nimmt zu“, bestätigt Heino Kalkschies, Chef des Landesfeuerwehrverbandes. „Das wird häufiger“, sagt auch Paul Leidig, Chef des Rettungsdienstes vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Anklam. Er ließ extra zwei Fahrzeuge mit verstärkten Tragen und Befestigungen aufrüsten, sie können nun Patienten bis 200 Kilogramm transportieren. Um die extrem massigen Leute ins Fahrzeug zu bekommen, sind die Besatzungen von zwei oder manchmal sogar drei Rettungswagen nötig.

Für noch schwerere Patienten steht ein XXL-Rettungswagen beim DRK-Rettungsdienst in Demmin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) bereit, der sogar auf bis zu 500 Kilo ausgelegt ist. Auch die Rostocker Berufsfeuerwehr hält so ein Fahrzeug vor.

„Übergewicht ist ein Armutsproblem“, sagt Hans-Christof Schober, Ärztlicher Direktor beim Südstadtklinikum in Rostock. Viele Adipositas-Patienten lebten von Hartz IV. „Frustessen, weil man traurig ist“, sei eine häufige Ursache für Leibesfülle. Abnehmen sei extrem schwer, erklärt der Mediziner. Das Gehirn braucht Zucker und erzeugt ständigen Heißhunger auf Kohlenhydrate — während der Rest des Körpers die überflüssigen Kalorien in immer größere Fettpolster umwandelt. Ein Ausweg kann eine Magenoperation sein. 100 solcher Eingriffe führt das Rostocker Krankenhaus jedes Jahr durch.

Die wachsende Zahl von extrem Übergewichtigen bekommen auch Bestatter zu spüren. Sechs Sargträger je Beerdigung sind keine Seltenheit mehr, berichtet Ruth Buchheim, Leiterin der Friedhofsverwaltung in Greifswald. Früher reichten noch vier. Im Bestattungswesen sei die zunehmende Schwere der Toten „ein großes Thema.“ In vielen Orten müssten Krematorien umgebaut werden, weil die Einlassöffnungen zu eng sind. In Greifswald hat es bisher noch gereicht.

Doch es gibt auch positive Zeichen: Bei Rostocker Vorschulkindern stagniert die Zahl der Übergewichtigen seit Jahren. Mirko Ohm, Geschäftsführer der Marlower Möbel GmbH, bestätigt das indirekt. Der Betrieb aus dem Kreis Vorpommern-Rügen stattet Schulen und Kitas in MV aus. Stabilere Stühle für dicke Kinder seien nicht gefragt. Dafür solche mit mehr Sitzhöhe. Weil der Nachwuchs vor allem nach oben zugelegt hat. Seite 2

Gerald Kleine Wördemann

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