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MV aktuell Die Amme aus der Flasche
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00:00 22.09.2016
Marita Sponholz prüft in der Milchküche der Neonatologie der Kinderklinik an der Uni Greifswald Flaschen mit Muttermilch. Quelle: St. Sauer/dpa

. Dass das Stillen die beste Ernährung für Neugeborene ist, darüber besteht längst Konsens. Ein weiterer Trend:

Das Verfüttern von Muttermilch an fremde Babys. Laut European Milk Bank Association (EMBA) arbeiten in Deutschland aktuell 15 Frauenmilchstellen, davon 13 in den neuen Ländern. Trotz des Positivtrends liegt Deutschland im Mittelfeld, hinter Frankreich, Italien, Schweden oder Finnland. Dabei: Vor mehr als 100 Jahren – im Jahr 1909 – wurde die erste Frauenmilchstelle in Wien eingerichtet, sagt die Neubrandenburger Laktations-Expertin Vera Risy. So gab es 1959 in Deutschland 86 Frauenmilchbanken, 62 in der DDR. Mit dem Aufstieg der künstlichen Säuglingsnahrung ab den 1970ern sanken die Stillraten jedoch und viele Zentren schlossen.  

Mehrere Studien – zuletzt von 2015  – belegen die Vorteile von Muttermilch. So ist laut Untersuchung des Frühgeborenennetzwerks das Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis – eine gefährliche Darm-Entzündung  – bei Frühchen, die künstliche Säuglingsnahrung erhalten, um das 12,6-fache erhöht. Bei der Bronchopulmonalen Displasie – einer Lungenentzündung – liegt das Risiko bei künstlicher Milch um das 2,6-fache höher. In die Studie gingen die Daten von 1433 Frühchen ein. 

„Natürlich ist es das Beste, wenn Mütter ihre Kinder selbst stillen. Doch nicht immer ist das möglich“, sagt der Leiter der Neonatologie am Uni-Klinikum Greifswald, Professor Matthias Heckmann. Dort wurde 2014 die Frauenmilchbank neu eröffnet und dort setzt man wie in Leipzig auf die Gabe von roher – also nicht pasteurisierter Muttermilch. Es sei erwiesen, dass durch die Pasteurisierung – also das Erhitzen der Milch auf 62,5 Grad Celsius – nicht nur potenziell infektiöse Bakterien und Viren abgetötet werden, sondern auch jene Immun- und Abwehrstoffe, die sich förderlich auf das Gedeihen der Frühchen auswirken, sagt Heckmann.  

Der Bedarf an Muttermilch für Frühchen kann in Deutschland derzeit nicht gedeckt werden. In Greifswald werden stillende Frühchenmütter aktiv angesprochen, erklärt die Neonatologin, Doktor Anja Lange. Bevor eine Mutter zur Spenderin wird, wird sie umfassend auf Erkrankungen gecheckt und die Milch untersucht.

Martina Rathke

OZ

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