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MV aktuell Die Exoten in der Ostsee sind los
Nachrichten MV aktuell Die Exoten in der Ostsee sind los
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00:00 29.11.2017
Rostock/Wismar

Es gibt sie noch, die großen Dorsche in der Ostsee. „Ich habe einen Freudenschrei losgelassen, als ich nach einem minutenlangen Drill den 98 Zentimeter langen Räuber endlich an Bord hatte.“ Beim Wismarer Ingmar Gens steigt heute noch der Adrenalinspiegel, wenn er an den 4. November denkt. Er hat später diesen Tag daheim im Jahreskalender besonders markiert.

Mit seinem Arbeitskollegen Thomas Giertz (48) war der 35-jährige Staplerfahrer mit dem Boot vor Kühlungsborn unterwegs. „Als der Dorsch sich den kleinen braunen Gummifisch an meinem Butt-System in etwa 15 Metern Tiefe schnappte, wurde es heftig. Der Anbiss war knallhart“, sagt der Hansestädter.

Dann hieß es nur noch: die Bremse der Rolle lösen und fleißig arbeiten. Gens, der seit dem sechsten Lebensjahr in seiner Freizeit an Seen und Flüssen sowie auf der Ostsee das Angeln als Hobby betreibt, genoss den Drill des gut acht Kilogramm schweren Fisches. „An diesem Tag haben wir auch zahlreiche Wittlinge und Plattfische angelandet“, freut sich der Petrijünger.

Über den prächtigen Räuber staunte auch Axel Pipping, Geschäftsführer des Landesanglerverbandes (LAV). „Solche Brocken fangen wir Angler eigentlich vor Norwegens Küsten“, sagt der 54-Jährige. Wobei Pipping von der enormen Beteiligung an der Gemeinschaftsaktion „Fisch des Jahres 2017“ begeistert ist. Traditionell suchen die OSTSEE-ZEITUNG, der LAV und die Fachmärkte Angeljoe die Meisterangler mit ihren Spitzenfängen. Aktuell wurden Top-Resultate in 31 Kategorien (siehe Tabelle) gemeldet.

Neben beispielsweise tollen Hechten, Karpfen, Aalen und Welsen sorgten zwei weitere Fänge für besonderes Aufsehen: Wolfsbarsche. Der exzellente Speisefisch tauchte noch nie in den Ergebnislisten der Gemeinschaftsaktion auf. Der Grund ist simpel: Dieser Raubfisch ist ein Exot in der Ostsee.

Der Schweriner Frank Westphal (57) war entsprechend überrascht, als er ein solches Exemplar am Strand von Wittenbeck (Landkreis Rostock) fing. „Es handelte sich um eine Doublette – Dorsch und Wolfsbarsch. Mein Kumpel Maro Luckau hat sofort erkannt, was da noch an der Grundmontage zappelte“, erzählt der gelernte Forstfacharbeiter. Und dann habe sein 41-jähriger Begleiter ein Freudentänzchen aufgeführt.

Zumal die Angler niemals geglaubt hätten, dass bei dem stürmischen Wetter an diesem Oktoberabend überhaupt etwas beißen würde. Da aufgrund des starken Windes der geplante Ostseetörn ausgefallen war, versuchten die Landeshauptstädter mit langen Brandungsruten ihr Glück. „Wir haben mindestens 100 Meter weit ausgeworfen und 180 Wattwürmer verbraucht“, erinnert sich Westphal. Nicht nur den silbrig glänzenden Raubfisch mit der gezackten Rückenflosse, sondern insgesamt auch neun größere Dorsche lockten sie an diesem Abend erfolgreich mit diesen Ködern.

Beim Wolfsbarsch-Festschmaus im Hause Westphal hat der Angler um seine Fischportion kämpfen müssen, wie er sagt. Ehefrau Ina (48) und Tochter Johanna (17) schmeckte die im Bratschlauch mit Butter und vielen Kräutern gebackene Leckerei nämlich ausgezeichnet.

Dass Wattwürmer scheinbar eine Lieblingsspeise der Wolfsbarsche sind, bewies auch die Poelerin Anne Bartzsch. Die 36-Jährige hat am 18. November ein weiteres Exemplar dieser „Einwanderer“ in hiesige Gefilde damit überlistet. Der Räuber, der in der Ostsee bei Rerik angelandet wurde, war 49 Zentimeter lang und 1,38 Kilogramm schwer. Für Jonas F. Müller (39) stellt die zunehmende Artenvielfalt in der Ostsee ein sehr positives Signal dar. „Und ich bin mir sicher, dass die Wolfsbarsch-Fänge keine Eintagsfliegen sind“, betont der Geschäftsführer der bundesweit neun Angeljoe-Filialen.

Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf die immer stärkeren Vorkommen an Seelachsen und Makrelen auch an der ostdeutschen Ostseeküste. Sensationell seien zudem die Plattfischbestände. Die guten Fänge ließen aufhorchen, erklärt Müller.

Und die spektakulären Exoten-Meldungen reißen nicht ab. Klaus Riecken aus Gülze (Landkreis Ludwigslust-Parchim) gelang ein Paukenschlag. In der Wismarer Bucht versuchte er es beim Kutterangeln mit einem zwölf Zentimeter langen Gummifisch. Dann staunte der 62-jährige gelernte Schiffbauer nicht schlecht, als sich ein Fisch, der normalerweise im Atlantik heimisch ist, diesen Kunstköder einverleibte: ein 86 Zentimeter langer Leng, der immerhin 3,7 Kilo auf die Waage brachte. Dieses stattliche Exemplar ist nicht nur für seinen Angelfreund Gerhard Kahl (69) eine Sensation.

Dass auch in den kommenden Wochen hierzulande noch so manche rekordverdächtige schuppige Köstlichkeit in den mehr als 1000 Seen und im Meer gefangen wird, steht fest. Bei der diesjährigen Aktion beginnt der Endspurt.

Volker Penne

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