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Die Fischer gehen daran kaputt

Die Fischer gehen daran kaputt

Die EU verringert Fangquoten für Dorsch, um den Bestand zu schützen / Berufsfischer sehen Existenz bedroht

Rostock. Dem Dorsch in der Ostsee geht es miserabel. Besonders jenem, der vor den Küsten von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein unterwegs ist. Seine Bestände gehen akut zurück. Folge: Die EU reduziert die Fangmengen. So soll 2017 vom westlichen Dorsch 56 Prozent weniger gefangen werden als noch in diesem Jahr. Auch Freizeitfischer werden reguliert. OZ-Leser diskutieren auf der Facebook-Seite der Zeitung. Viele von ihnen befürchten eine Existenznot für die Berufsfischer.

„Unsere Familie fischt mittlerweile in der vierten Generation“, schreibt Jaqueline Wolff . „Es wird seit Jahren mit viel weniger Netzen und viel weiteren Maschen gefischt. Und das freiwillig. Die Fänge sind dennoch stetig gestiegen.“ Wolff sieht in den Anglern eine bedrohliche Konkurrenz. „Sie sind es, die die Gaststätten mit Massen an Dorsch beliefern.“ Thomas Gens , Bürgermeister von Hiddensee, sagt: „Ich empfinde die Politik der Gleichmacherei zwischen kleiner Küsten- und großer Industriefischerei als falsch. Dieser Zustand ist das eigentliche Problem für unsere regionalen Küstenfischer.“ Seine Forderung lautet: Die Politik muss sich entscheiden: Entweder Quotenpolitik für die große überregionale Fischerei oder regional angepasste Regelungen für die kleinen Küstenfischer. Nur mit letzterem können diese überleben.

Axel Howe stimmt zu: „Das sind wahre Worte und auch meiner Meinung nach die Antwort. Jeder kleine Fischer geht daran kaputt. Fast schon wie mit der Milchproduktion.“ Für Rex Kramer kommt die Reglementierung zum rechten Zeitpunkt. „Solange man die Option noch hat, um den Dorsch wieder aufzupäppeln, sollte man sie nutzen. Sonst gibt es demnächst eine Sperrquote von 100 Prozent.“

Dass man den Fischfang begrenzen müsse, sei klar, entgegnet unser Leser Sven Isler , „aber es darf nicht soweit gehen, dass die Existenz unserer Fischer gefährdet ist. Am Ende kaufen wir den Fisch aus Ländern, in denen die Fangquoten höher sind und unsere Fischer haben das Nachsehen.“

„Ich weiß, blöder Einwurf an dieser Stelle. Aber wem nützt es, wenn der Fisch am Ende ausgerottet wird?“, fragt Mike Kotowenko . Fischer gegen Angler. Das Verhältnis sieht auch Rene Mittelstädt mit Problemen behaftet. „Das wird ein ewiger Kampf bleiben. Aber man darf nie vergessen: Der Fischer lebt vom Fischfang und muss seine Familie ernähren.“ Er selbst sei Angler und früher bei einem Fischer angestellt gewesen. Darum wisse er, was dieser fangen muss, um zu überleben. „Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Schleppnetzfischerei verboten werden muss, denn dabei verendet viel untermaßiger Beifang. Im Übrigen bleiben auch bei der Stellnetzfischerei ein paar untermaßige Tiere hängen, doch deutlich weniger. Und was auch wichtig ist: Der Gewässergrund wird geschont“, ist sich Mittelstädt sicher.

Auch Christian Schürmann ist überzeugt: „Nachhaltigkeit hat Priorität! Ich als Freizeitangler bin schon froh, wenn man eine vernünftige Scholle fängt und keine Mini-Dorsche. Früher hat man mit billigeren Methoden bessere Fänge erzielt. Ein Zeichen dafür, dass was geändert werden muss.“ OZ-Leser Frank Wegner meint, dass eine Reduzierung der Fischfang-Quote um 40 Prozent ausreichen würde. Wer will das kontrollieren? Anja Schmidt weiß: „Jedes Kilo gefangener Fisch muss nachgewiesen werden, sonst verlieren Berufsfischer schnell Ihre Existenz.“

Juliane Lange

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