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„Die Peene brennt“: Pommern feiern mit dem Charme der Laien

Anklam „Die Peene brennt“: Pommern feiern mit dem Charme der Laien

Die Neuauflage des großen Anklamer Theatergaudis zeugt vom Selbstbewusstsein einer entlegenen Gegend / Schauspiel-Profis und stadtbekannte Amateure überzeugen

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Szene aus dem Stück „Die Peene brennt“ in Anklam.

Quelle: Martina Krüger

Anklam. Karneval feiern – das können die Pommern am Flüsschen Peene am besten. Die Anklamer tun es sogar Anfang September mit einem übermütigen Showspektakel nebst Kanonengeballer, Tanzeinlagen, Playbackgesang und Feuerwerk: Einwohner des Städtchens, Mitglieder im Karnevalsverein oder im Reuter-Ensemble, unterstützt von wenigen Profis der Landesbühne Anklam, spielen ihr närrisches Laienspiel.

Weitere Vorstellungen:

„Die Peene brennt“ – Das Spektakel mit Fantasie, Klamauk und Historie läuft bis 17. September täglich ab 19.30 Uhr am Anklamer Peeneufer.

Infos und Karten: www.peenespektakel.de

Der Titel „Die Peene brennt“ hatte bei der Premiere der 15. Ausgabe am Sonnabend vielleicht einen sorgenvolleren Klang als sonst. Schließlich war vor genau einem Jahr beim Anklamer Umweltskandal, als Bioethanol in die Peene floss und ein massenhaftes Fischsterben verursachte, sogar von Explosionsgefahr die Rede.

Letztere ist längst beseitigt, und im theatralischen Spektakel, aufgeschrieben und inszeniert von Theaterchef Wolfgang Bordel, kann die Peene wieder gewohnt harmlos brennen. Wie immer handelt das fantastische Historien-Gaudi mit kleinen Seitenhieben auf unsere Gegenwart vom Los der Bürger Anklams. Ihre Freie Republik Peeneland steht zwischen den Fronten der Fremdherrscher, den Schweden im Norden und den Brandenburgern im Süden. Die Lage ist hoffnungslos und nur kauzige List kann die Unabhängigkeit zurückgewinnen.

Die Ideen zur Befreiung liefert ein gewisser Van Helsing (Torsten Schemmel), der auf kleinem Boot „Titanic“ anlandet, ein bisschen den Hollywood-Macho mimt und dann seinen Plan verkündet: Da man die Besatzer nicht schlagen kann, muss man ihnen ihre Herrschaft zum Alptraum machen. Also erfinden die Anklamer Vampire und Zombies in der Stadt. Sogar die Töchter der beiden Generäle, die als Lehrlinge beim Peenewirt die Stadt ausspioniert haben, werden vampirisch gebissen. Das ganze Narrenspiel geht natürlich gut aus, am Ende rücken die Generäle ab und versprechen den Anklamern neben der Unabhängigkeit sogar, ihnen eine Mauer um ihre Freie Republik zu bauen. Dazu passt auch jener Marschgesang, mit dem die Besatzer ein- und abzugehen pflegen, ein Lied auf die gemütlichen Beharrungskräfte des Lebens im Sound von „Alles klar, alles klar, / alles bleibt, wie‘s war ...“. Zu den herausragenden Protagonisten des Abends gehören der Schauspieler Thorsten Schemmel als Van Helsing und Anika Laß, Tänzerin und Choreographin des Projekts, als Anklamer Generalin Antje Schulz.

Doch solche Hervorhebungen passen hier nicht, die stadtbekannten Laien machen es, ihr stolzer Charme. Und die gemeinschaftliche Atmosphäre des Kollektivs – das hatte Andreas Brüsch vor der Vorstellung betont, während er als echter Anklamer Bürgervorsteher einen Fördercheck des Rathauses an Intendant Bordel überreichte, um anschließend in die Rolle des Bürgermeisters Girlande zu schlüpfen.

So müsste man – Texthänger hin oder her – alle aufzählen: die Eberhard-Cohrs-Imitationen von Ralph Mauermann als Kneipenwirt Feyerabend, die Auftritte von Detlef Volkmann und Wolfgang Grossmann als kauzige Generäle Schwedens und Brandenburgs.

Oder Pfarrer Andreas Schorlemmer als Pastor Hein Schwätzig, der im Auftrag des Herrn vom Himmel fiel – es war nicht das einzige Wunder des Abends.

Dietrich Pätzold

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