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00:34 13.06.2018
Samtens

Durch Samtens auf Rügen rauscht der vorsaisonale Urlauberverkehr. An einer roten Ampel kommt die Blechlawine kurz ins Stocken. Mit einem kritischen Blick auf die Induktionsschleifen vor dem stationären Blitzer an der Ortseinfahrt schätzt Daniel Tieg ab, ob die Abstände zwischen den Magnetfeldbahnen im Asphalt der gesetzlichen Vorschrift entsprechen. Teig arbeitet für die Online-Plattform geblitzt.de, die Geschwindigkeitsmesser auf ihre Korrektheit überprüft. Gestern war er auf Rügen unterwegs.

Blitzer-Check auf Rügen: Die Behörden haben nicht immer recht, meint das Team von geblitzt.de und vergewissert sich selbst.

Um sicher zu gehen, ob der Blitzer in Samtens den Vorgaben entspricht, zückt der 38-jährige ein Maßband und misst nach. „Alles im grünen Bereich, der Abstand zwischen den Schleifen ist in Ordnung“, konstatiert er. Das ist wichtig, da bei manchen Modellen nur dann die Geschwindigkeit exakt gemessen werden kann. Sogar der Zustand der Straße spielt dafür eine Rolle: „Wird bei der Ausbesserung einer Straße ein anderes Material als Asphalt verwendet, könnte das die Kabel beeinflussen.

Ist tatsächlich einmal etwas nicht in Ordnung, macht Tieg Beweisfotos der betroffenen Blitzer. „Das kommt öfter vor, als die Leute gemeinhin denken.“ Der Berliner Verkehrsrechtsanwalt Daniel Fischer bestätigt: „Ein Drittel der Strafbescheide wegen angeblich überhöhter Geschwindigkeit ist mangelhaft.“

Die Internetplattform arbeitet mit Juristen aus mehreren deutschen Großstädten zusammen. Laut geblitzt.de-Sprecher Mark Lämmchen trudeln täglich um die 1000 Anfragen vermeintlich ertappter Tempo-Sünder ein. „In Bayern wurden an einer Geschwindigkeitsmesseinrichtung nicht zugelassene Kabel verbaut, woraufhin etwa 400 Bußgeldverfahren eingestellt werden mussten“, beschreibt der Jurist einen von vielen Fällen, in denen Behörden technische Fehler unterlaufen seien.

Genüsslich berichtet Fischer über einen Blitzer an der A 3 bei Köln, der wegen Tausender Fotos innerhalb weniger Tage im vergangenen Jahr bundesweit für Furore gesorgt hat. Oder die Storys über Autofahrer, die zur gleichen Zeit an zwei unterschiedlichen Orten geblitzt worden sein sollen – die Liste der Behördenpannen ließe sich nach Aussagen des Anwalts beliebig fortsetzen. „Bei solchen Auffälligkeiten werden wir natürlich hellhörig und gehen den Ursachen auf den Grund“, meint der Rechtsanwalt. Seinen Angaben zufolge wird etwa jedes fünfte Bußgeldverfahren, mit dem er und seine Kollegen betreut werden, eingestellt.

Auf Rügen überprüft das geblitzt.de-Team vier stationäre und zwei mobile Blitzer. „Jetzt im Frühsommer wächst oft frisches Grün vor den Geräten“, erklärt Fischer. Bei Prora steht ein Auto, aus dem heraus Raser fotografiert werden. „Ich habe Bedenken, ob das Fahrzeug wie vorgeschrieben parallel zur Fahrbahn steht“, bemerkt Fischer. Auf das Messergebnis müssen sich solche Ungenauigkeiten gar nicht unbedingt auswirken, meint er, aber: „Sie liefern Angriffspunkte für Zweifel.“

Mit ihrer Arbeit wollen die Blitzer-Checker Autofahrern keine „Lizenz zum Rasen“ ausstellen, betont Sprecher Lämmchen, sondern eher den Behörden auf die Füße treten: „Wir finden es nicht fair, wenn die Kommunen ihre klammen Kassen mit nicht gerechtfertigten Bußgeldbescheiden füllen wollen.“

Blitzerpannen in MV

In Mecklenburg-Vorpommern gab es schon mehrfach Probleme wegen technisch nicht korrekter Blitzer. In Rostock kamen 2015 Hunderte Autofahrer, die bei Rot über die Ampel gefahren waren, ohne Strafe davon, weil die Blitzer an drei Kreuzungen nicht den Vorgaben entsprachen. Im selben Jahr hatte das Amtsgericht Güstrow etlichen Tempo-Sündern die Strafe erlassen, die auf der B 105 bei Bentwisch geblitzt wurden. Bei den Messungen soll eine falsche Software benutzt worden sein.

Christian Rödel und Axel Büssem

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