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Die dunklen Seiten des Andrej Burlakow

Wismar/Moskau Die dunklen Seiten des Andrej Burlakow

Der Besitzer der früheren Wadan-Werften in MV war in Geldwäsche und Betrug verwickelt. Er fiel wohl einem Auftragsmord zum Opfer.

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Wismar 2008: Investor Andrej Burlakow (2. von re.) im Gespräch mit Werftarbeitern.

Quelle: Heiko Hoffmann

Wismar/Moskau. Die Überwachungskamera zeigt Szenen wie aus einem „Tatort“. Hals über Kopf rennt die Kellnerin aus einem Restaurant in Moskau. Kurz darauf spaziert aus der Tür ein Mann mit Schirmmütze und Bart. Seelenruhig verstaut er eine Pistole in seiner Tasche. Wenige Augenblicke zuvor hatte er den ehemaligen Besitzer der Werften in Wismar und Warnemünde, Andrej Burlakow, mit einem Kopfschuss getötet und seine Freundin Anna Etkina schwer verletzt. Nur knapp verfehlte er einen Journalisten, der mit am Tisch saß.

Der Mord geschah im September 2011 – jetzt gibt es neue Erkenntnisse. Drei Jahre zuvor fing mit Burlakow das russische Kapitel der Werften in Wismar und Warnemünde an. Im Jahr 2008 übernahm die Investitionsgesellschaft FLC West des Geschäftsmanns die beiden Werften für 249 Millionen Euro. Burlakow nannte sie in Wadan Yards um, fuhr mit einem luxuriösen Maybach vor das Werkstor und versprach eine märchenhafte Zukunft. Nur Aufträge konnte er keine beschaffen. Ein Jahr nach der Übernahme ging Wadan Yards pleite – rund 1600 Schiffbauer mussten gehen.

Der Werft-Standort MV war in Gefahr. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schaltete sich ein und sprach die Insolvenz bei einem Treffen mit dem damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew im August 2009 an. Medwedew äußerte die Hoffnung, dass ein neuer Investor verlässlicher sein werde. „Unsere Regierung wird die Verhandlungen genau beobachten“, sagte er. Noch im gleichen Monat gingen die Werften für 40 Millionen Euro an Witali Jussufow, den Sohn des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Energiezusammenarbeit, Igor Jussofow.

Burlakow musste ins Gefängnis. Die russische Staatsanwaltschaft warf ihm „Betrug in besonders großer Höhe“ vor. Als stellvertretender Geschäftsführer des staatlichen Flugzeug-Leasing-Unternehmens FLC soll er gemeinsam mit Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin Anna Etkina rund 40 Millionen Euro aus der Firma abgezweigt haben. Nach acht Monaten in Untersuchungshaft kam er frei – gegen die Zahlung einer Rekordkaution in Höhe von über einer Million Euro. Am 29. September 2011 wurde Burlakow ermordet.

Der Geschäftsmann behauptete, eine enge Beziehung zu den Jussufows gehabt zu haben. Er bezeichnete Igor Jussufow dem Magazin „Spiegel“ gegenüber als „guten Freund, älteren Kameraden und persönlichen Berater“. Witali Jussufow habe ihm vertraut und „Onkel Andrej“ genannt. Burlakows Ex-Freundin Etkina beschreibt das Verhältnis eindeutiger: Die Firma FLC West, der Eigentümer von Wadan Yards, habe von Anfang an zu 74 Prozent Witali Jussufows Scheinfirma Templestowe gehört. Jussufow hätte also im Jahr 2009 seine eigene bankrotte Werft aufgekauft. Dies könne durch E-Mailverkehr, Zeugenaussagen und Protokolle von Aktionärsversammlungen der FLC West belegt werden, die den russischen Ermittlern vorlägen, sagte Etkina dem Magazin „Forbes Russia“. Beide Jussufows haben die Vorwürfe stets bestritten.

Andrej Burlakow pflegte nicht nur in den höchsten Regierungsebenen Beziehungen, sondern auch in Mafia-Kreisen. Sein ehemaliger Vorgesetzter bei FLC, der Geschäftsführer Nail Maljutin, wurde kürzlich von Österreich an Russland ausgeliefert. Die russischen Ermittler werfen ihm vor, Geld veruntreut und einen Mord in Auftrag gegeben zu haben. Aslan Gagijew, ein ehemaliger Mitarbeiter bei FLC, wird in Russland verdächtigt, eine Killer-Bande angeführt zu haben, die mehr als 60 Auftragsmorde verübt haben soll. Gagijew wurde 2015 in Österreich gefasst und gegen eine Kaution freigelassen. Russland fordert indessen seine Auslieferung. Die russische Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein Mitglied seiner Bande auch an der Ermordung Burlakows beteiligt war. Anna Etkina sagte gegenüber „Forbes Russia“, dass Gagijew auch einen Anteil an FLC West und somit den Werften Mecklenburg-Vorpommerns gehabt habe.

Etkina überlebte den Mordanschlag 2011 nur knapp – die Schüsse hatten ihren Unterkiefer und Brustkorb zertrümmert. Der verdächtige Killer wurde gefasst und Etkina behauptete zunächst, ihn erkannt zu haben. Später zog sie ihre Aussage zurück, weil sie sich an den Mörder nicht mehr erinnern könne. Sie vermutet hinter dem Mord einen Abgeordneten im russischen Parlament, den Burlakow zuvor erpresst haben soll.

Alexander Salenko

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