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00:18 17.05.2018
Rostock

Mary Rosa sitzt im Rostocker Studio 301 mit einer quietschrosa Perücke und in einem Barockkleid vor einem schwarzen Tuch, dahinter eine verspiegelte Scheibe und wiederum dahinter eine Kamera. Der Fotograf und Regisseur Andreas Duerst möchte den Moment festhalten, wenn das Tuch fällt und sich die 37-jährige Frau zum ersten Mal in ihrem neuen Outfit sieht.

„Mary Rosa“ wird für das Fotoprojekt in Rostock geschminkt. Quelle: Foto: Dpa

Mary Rosa ist krank, sehr krank und macht beim Projekt Transformation des Rostocker Vereins „Gemeinsam mehr Mut – Wege bei Krebs“ mit. Ein, zwei Sekunden dauert es, bis aus dem neutralen zuerst ein staunender und dann ein überglücklicher Gesichtsausdruck wird. Die Verwandlung ist gelungen: Mary, die eigentlich Mary Marquardt heißt, hat in dem Moment ihr Schicksal und die Sorgen auf die Seite gedrängt und ist einfach nur glücklich.

Zwölf krebskranke Frauen haben sich im Studio versammelt, um sich von Maskenbildnerinnen des Volkstheaters Rostock umgestalten zu lassen. „Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, sagt Beatrice Rauch. Sie habe im Laufe ihrer Karriere schon so viele Menschen verwandelt, doch das hier sei etwas ganz Besonderes. „Es ist unwahrscheinlich emotional.“ Es seien Frauen dabei, ohne Haare, denen es teilweise furchtbar schlecht gehe. Dann gebe es diese sichtbare Verwandlung, wenn die Augen leuchteten und ein Strahlen übers Gesicht gehe. „Eine der Frauen sah so wunderbar aus, sie fühlte sich so gut. Ich war so stark gerührt, dass mir die Tränen liefen.“

„Der Mut zur Verwandlung oder die Lust der Verwandlung“ ist das Projekt betitelt. Die Fotografien sollen in einem Buch und in einer Wanderausstellung gezeigt werden. „Gleichzeitig entsteht ein Film, in dem die Verwandlungen der Frauen gezeigt werden“, sagt Duerst.

„Die Kranken werden durch den unerwarteten Moment aus ihrer Stimmung herausgerissen“, sagte Ernst Klar, Chef der allgemeinen Chirurgie an der Universitätsmedizin Rostock. Dieser Effekt setze sich im Alltag fort. „Das Leben hat doch noch lustige Aspekte trotz der Krankheit“, ist die Botschaft. Das könne zu neuen Gedanken führen.

Knapp drei Jahre hat es gedauert, bis das Projekt gediehen war, berichtet Jazzsängerin und Mitinitiatorin Jaqueline Boulanger. Die Idee stamme aus Belgien. Sie habe jedes Mal Gänsehaut bekommen, als sie sah, wie die Frauen sich veränderten, berichtet Boulanger, die ebenfalls vor einigen Jahren die Diagnose Brustkrebs bekommen hat. „Ein Beispiel für diese Verwandlung ist Mary. Was für ein Sonnenschein“, schwärmt Boulanger. Ihr Alltag sei von der Krankheit geprägt, die schon weit fortgeschritten ist, berichtet Mary. Ihr könne nicht mehr geholfen werden. Die Verwandlung, die sie im Studio erlebt, ist deutlich zu spüren. „Präsent ist die Krankheit schon, aber der Kopf ist weitgehend frei.“

Joachim Mangler

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