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Die jungen Männer und das „Meer“

Rostock Die jungen Männer und das „Meer“

Sven Iven und Maik Boldt steuern die „Mare Frisium“ / Der Dreimaster ist seit 20 Jahren bei der Hanse Sail dabei

Rostock. Die zwei wissen, wie man eine alte Lady in Fahrt bringt: Sven Iven (30) und Maik Boldt (32) sind die Kapitäne auf der „Mare Frisium“. Im Wechsel steuern sie den geschichtsträchtigen Dreimastschoner über Ostsee und Elbe. Der Windjammer ist älter als die beiden Männer zusammen. Seit hundert Jahren segelt die „Mare Frisium“, zu Deutsch: „Friesisches Meer“, durch Wind und Wellen. 20 Jahre davon ist sie bei der Hanse Sail dabei. Wenn der Schoner nicht bei Segelevents mitfährt, schippert er als Flaggschiff einer Eventagentur-Flotte Ausflügler ab Hamburg über die Elbe. Meist steht dabei Sven Iven am Steuer. Auch bei der Hanse Sail hat er bislang den Kurs vorgegeben. Gestern ging er von Bord, jetzt ist Maik „Mare“-Kapitän. „Ein gutes Gefühl“, sagt der 32-Jährige. Er sticht gern mit dem Windjammer in See. Dem merke man die hundert Jahre kaum an, sagt Maik. Kein Wunder, immerhin hat das Schiff schon einige Schönheits-OPs hinter sich.

 

OZ-Bild

Vom Fischlogger zum Ausfahrtssegler: Die „Mare Frisium“ hat ihren Heimathafen im niederländischen Harlingen.

Quelle: Gerrit Meier
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Duo an Deck: Maik Boldt (32, l.) und Sven Iven (30) bringen die „Mare Frisium“ auf Kurs.

Quelle: Antje Bernstein
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Vom Fischlogger zum Ausfahrtssegler: Die „Mare Frisium“ hat ihren Heimathafen im niederländischen Harlingen.

Quelle: Gerrit Meier

Alte Dame mit Format

49 Meter lang und 6,60 Meter breit ist der Dreimaster „Mare Frisium“. Der Passagiersegler hat 29 Kojen und bietet etwa 90 Tagesausflüglern an Bord Platz.

1916 läuft die „Mare“ vom Stapel, allerdings als Zweimaster und unter dem Namen „Petronella“. Das damals motorlose Schiff bringt Fischer zur Doggerbank. Als sich das nicht mehr lohnt, wird der Schoner verkauft und umgebaut. „Vermutlich von einer deutschen Reederei. Welches andere lustige Völkchen würde einem Schiff den schönen Namen Helmut geben, wenn nicht die Deutschen?“, scherzt Maik Boldt. Die neuen Besitzer sägen den Rumpf mittendurch und verlängern ihn. Danach fährt „Helmut“ als Küstenfrachter über die Ostsee, bis Mitte der 80er Jahre. „Dann sollte das Schiff verschrottet werden. Aber zwei Niederländer haben es entdeckt, gekauft und wieder aufgebaut“, erzählt Maik. In detailverliebter Sisyphusarbeit verwandelt sich der rostige „Helmut“ zur schmucken „Mare Frisium“.

Die nimmt seit 1995 Gäste an Bord.

Maik Boldt steuert den Windjammer erst seit diesem Jahr. Die meisten Fahrten seien zwar Routine. „Aber es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man bei Wind ein Harakiri-Anlegemanöver fährt und die Leute an Land staunen“, sagt der erfahrene Kapitän und lacht. Auch Sven Iven genießt jede Ausfahrt. „Ein Abenteuer.“ Man kann ja nie wissen, was Meer und „Mare“ bereithalten. Für ihren 20.

Hanse-Sail-Auftritt hat der Schoner eine kleine Herausforderung in petto. „Das Bugstrahlruder ist defekt. Da ist es nicht so leicht, zu manövrieren“, sagt Maik. Nervös macht ihn das nicht. „Wir haben schon so viel erlebt.“ Und bei hundert Jahren muss einer Dame wie der „Mare“ ein Zipperlein gestattet sein.

Antje Bernstein

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