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Die letzten Fischer von Dassow

Dassow Die letzten Fischer von Dassow

Detlef Jürß und Günter Sell halten eine jahrhundertealte Tradition am Leben

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Günter Sell (l.) arbeitet von Kindheit an als Fischer. Heute ist der 78-Jährige einer von zwei Vertretern seines Berufes, die es in Dassow noch gibt. Detlef Jürß (67/r.) arbeitet in vierter Generation als Fischer.

Quelle: Fotos: Jürgen Lenz

Dassow. Detlef Jürß kennt seinen Platz und seine Bedeutung in einer langen Tradition. „Ich bin in den vielen Jahrhunderten der Dassower Fischer nur ein Stecknadelkopf“, sagt der 67-Jährige im alten Rathaus der Stadt, während 20 Einwohner seinen Erzählungen lauschen. In der Familie Jürß ist er nachweislich Fischer in vierter Generation. „Ich glaube, nach mir kommt keiner mehr.“

Einen Dassower Fischer gibt es neben Jürß noch. Der 78-jährige Günter Sell fährt immer wieder hinaus auf den Dassower See – so wie er es schon als Kind gemacht hat. Der Fischer, der in Dassow geboren wurde und aufgewachsen ist, steht am kleinen Hafen und erklärt, warum er als Rentner noch seinem Beruf nachgeht: „Man muss ja eine Beschäftigung haben.“ Finanziell springt dabei nicht mehr viel heraus.

Nicht nur den Dassower Fischern werde durch EU-

Verordnungen und die behördliche Auslegung von Naturschutzgesetzen das Leben schwer gemacht. Auch deshalb kann es Jürß jungen Menschen nicht verdenken, wenn sie es ablehnen, Fischer zu werden. „Nachwuchs gibt es nicht mehr. Keiner will es mehr machen.“ 1990 habe es in der Fischereigenossenschaft Wismarbucht noch 46 selbstständige Fischer gegeben. Jetzt seien es 30, nur wenige im Vollerwerb.

Für Detlef Jürß ist das Hobby der Beruf. 1965 ging er beim Vater in die Lehre. Dann erwarb er in der Betriebsakademie des Fischkombinats Rostock die Hochschulreife, absolvierte in dreieinhalb Jahren die Seefahrtsschule in Warnemünde, erwarb das Diplom „Hochschulingenieur für Schiffsführung“, arbeitete als Küsten- und Hochseefischer.

Auf dem See vor seiner Heimatstadt durfte Jürß bis zum Fall der Mauer nicht arbeiten, denn der See gehörte zur BRD. Eine Folge: Zur DDR-

Zeit wurden in Dassow fünf Kutter auf Tieflader gehievt, nach Wismar gebracht und dort zu Wasser gelassen. Auch das gehört zur jahrhundertelangen Geschichte der Fischer von Dassow. Dort gab es einst 15 Fischereibetriebe und einige Verarbeitungsfirmen. Das ist Vergangenheit.

Letzte Woche hätte Jürß seinen Kutter verkaufen können. Hat er aber nicht. Einer der beiden letzten Fischer von Dassow lächelt, als er sagt: „Ich mache es so lange, bis ich umfalle.“

Jürgen Lenz

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