Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Die letzten Urwälder: Experten erforschen „Heilige Hallen“
Nachrichten MV aktuell Die letzten Urwälder: Experten erforschen „Heilige Hallen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:31 11.05.2018

Urwälder sind in Deutschland rar gesät. Einer der bekanntesten sind die sogenannten „Heiligen Hallen“ in der Feldberger Seenlandschaft (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Das 65,6 Hektar große Totalreservat ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts geschützt und genießt unter Naturliebhabern und Wissenschaftlern Kultstatus. Seit 1950 darf dort überhaupt kein Holz mehr entnommen werden. Die Waldexperten Prof. Pierre Leonhard Ibisch und Dr. Stefan Kreft von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung im brandenburgischen Eberswalde erforschen in diesem alten Buchenwald, warum Urwälder so wichtig für Klima, Ökologie und Menschen sind.

Die Heiligen Hallen sind seit 1950 unberührt. Quelle: Foto: Feldberger Seenlandschaft

Als den ärgsten Feind der Wälder haben Waldforscher und Forstwissenschaftler schon lange den mit der Klimaerwärmung einhergehenden Trockenstress ausgemacht. Der birgt auch für die Forstwirtschaft enorme Verluste. „Forstwissenschaftler und Förster fragen sich natürlich, welche Baumarten sie anbauen sollen damit die Produktivität erhalten bleibt“, meint Kreft. Das bedeute auch, Baumarten aus anderen Ökosystemen einzuführen, die besser mit dem Trockenstress umgehen können. So etwa die Douglasie aus Amerika, die die Fichte als Holzproduzenten ersetzen könnte.

Naturnahe und weitgehend selbstregulierte Ökosysteme wie die „Heiligen Hallen“ könnten da Vorbild sein, glaubt Kreft: „Ich denke, wir müssen auch und gerade von alten Wäldern, von Urwäldern, lernen, wie die mit der zunehmenden Erwärmung und dem einhergehenden Trockenstress umgehen.“

Zudem haben alte, unberührte Wälder eine positive Auswirkung auf das Klima: Sie kühlen bei Tag und wärmen bei Nacht. Grund ist ihr hoher Anteil an Biomasse und damit an Wasser. Die Biomasse bestimmt die Arbeitsgruppe von Prof. Ibisch derzeit in den „Heiligen Hallen“. Dabei vermessen die Forscher auf definierten Probeflächen Lebend- und Totholz und rechnen die Zahlen dann auf den ganzen Wald hoch. „Je älter ein Wald ist, desto mehr Biomasse hat er, und je mehr Biomasse im Wald vorhanden ist, desto mehr kann der Wald sich selbst und seine Umgebung kühlen“, erklärt Ibisch.

Verglichen mit den Temperaturen in benachbarten, bewirtschafteten Wäldern ergibt sich ein eindeutiges Bild: „In den Heiligen Hallen, als altem, unbewirtschafteten Buchenwald, ist es gerade an warmen Tagen zehn bis zwölf Grad kälter. Hätten wir also mehr alten Wald in der Landschaft, würde das der Erwärmung eindeutig entgegenwirken,“ sagt der Professor für Naturschutz. Außerdem seien die Urwälder starke Luftfilter, Kohlenstoff-Speicher und wichtige Rückzugsgebiete für bedrohte Arten. Allerdings: In Deutschland liegt der Anteil an ungenutzten Wäldern gerade mal bei zwei Prozent. „Es benötigt nur ein paar Jahrzehnte des Nutzungsverzichtes, bis sich wieder Strukturen und Prozesse einstellen, mit denen sich der Wald wieder selbst reguliert. Und genau damit sollten wir jetzt anfangen – die Zeit drängt“, sagt Ibisch dazu. Die Voraussetzung sei der politische Wille auf staatlicher Seite, wie etwa bei den Landesforstverwaltungen.

Alte Wälder zu bewahren sei nicht nur eine nationale, sondern eine weltweite Aufgabe. Sie müsse von allen Staaten gemeinsam, etwa durch die Ausweisung als Unesco-Weltnaturerbe, bewältigt werden. Das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum letzten großen Urwald Europas, Bialowieza an der polnisch-weißrussischen Grenze, zeige, dass dies auch Politiker erkannt haben.

Wie erwartet, hatte der Gerichtshof geurteilt, dass die polnische Regierung ihre Rodungen in Bialowieza mit sofortiger Wirkung einstellen muss. Mit seinen 150000 Hektar ist der Bialowieza-Urwald fast zwei Mal so groß wie Berlin. 9000 Pilz- und Pflanzenarten und mehr als 20000 Tierarten sind dort zu Hause, darunter der in Europa fast verschwundene Wisent. Dass der Schutz von Bialowieza jetzt von der EU bekräftigt wurde, ist für Ibisch und Kreft ein wichtiger erster Schritt, um die letzten Urwälder zu erhalten.

Eckart Granitza

Deutliche Worte findet MV-Innenminister Lorenz Caffier (CDU) zum Vorschlag von Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), auch geläuterten islamistischen Gefährdern Familiennachzug zu gewähren.

11.05.2018

Der frühere Ministerpräsident Seite legt sein erstes „Kunstbuch“ vor

11.05.2018

Braunbärin „Hanna“ ist im Alter von 26 Jahren im Bärenwald Müritz bei Stuer am Plauer See gestorben. Das teilte die Tierschutzstiftung Vier Pfoten mit.

11.05.2018
Anzeige