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23:37 17.04.2013
Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern ist Alkoholmissbrauch ein Problem. Von 100 000 Menschen sterben jährlich 37 an übermäßigem Alkoholkonsum. Quelle: Z1003 Jens Büttner
Schwerin

Eine Badewanne voll alkoholischer Getränke hat jeder Mensch in Deutschland 2011 im Schnitt konsumiert: 136,9 Liter Bier, Wein, Schaumwein oder Spirituosen nennt das Jahrbuch Sucht 2013, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) am Mittwoch in Berlin präsentierte. Umgerechnet trank damit jeder Bürger rund 9,6 Liter reinen Alkohols - genauso viel wie im Vorjahr. Damit liegt Deutschland im Europavergleich auf Platz 13 von 34 Ländern. Experten warnten davor, den Alkoholkonsum zu verharmlosen.

„Die Gesundheitsrisiken von Alkohol werden immer noch dramatisch unterschätzt“, sagte Gabriele Bartsch von der DHS. Etwa 74 000 Menschen sterben nach Angaben der Suchtexperten jährlich an den Folgen von Alkohol allein oder in Kombination mit dem Rauchen - dem zweiten großen Suchtproblem in Deutschland.

Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern ist Alkoholmissbrauch ein Problem. Von 100 000 Menschen sterben jährlich 37 an übermäßigem Alkoholkonsum, berichtete der Sender NDR 1 Radio MV. Damit sei Mecklenburg-Vorpommern das Bundesland mit dem höchsten Anteil alkoholbedingter Todesfällen. Zum Vergleich: In Bayern und Hessen seien es jeweils 14. Rund 12 000 Alkoholsüchtige hätten im Vorjahr in Mecklenburg-Vorpommern Hilfe bei professionellen Beratungsstellen gesucht. Doch gehe die Landesstelle für Suchtfragen davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt.

Immer weniger Menschen greifen zur Zigarette

Einen Positivtrend gibt es dem Jahrbuch zufolge hingegen beim Nikotinkonsum. „Hier setzt sich (...) die erfreuliche Entwicklung fort, dass immer weniger junge Leute rauchen“, berichtete Bartsch. Nur noch etwa zwölf Prozent der Jungen und Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren greifen demnach zumindest hier und da zur Zigarette - so wenig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Allerdings ist der Verbrauch von Fertigzigaretten im Jahr 2011 erstmals wieder gestiegen - um knapp fünf Prozent auf 87,6 Milliarden Stück.

Insgesamt rauchen in Deutschland etwa zwischen 26 und 30 Prozent der Bevölkerung, je nachdem, welche Studie zugrunde gelegt wird. Dabei liegt der Anteil der Männer jeweils deutlich (sieben bis zwölf Prozentpunkte) über dem der Frauen. Im Vergleich zu den meisten anderen EU-Staaten wird hierzulande weniger geraucht - allerdings mit leicht steigender Tendenz.

1,4 Millionen Deutsche sind medikamentenabhängig

Hinzu kommen laut DHS weitere 1,4 Millionen Menschen, die von Medikamenten abhängig sind. Vor allem Schlafmittel und Tranquilizer, etwa Benzodiazepine, machen den Löwenanteil aus. „Ärzte verschreiben die Mittel, und die Patienten denken, dass ist gut für sie. Aber sie schlucken die Mittel oft länger als notwendig, und dann kommt es zu Nebenwirkungen, die wiederum den ursprünglich zu behandelnden Symptomen entsprechen: Schlaflosigkeit oder Depression“, sagte Bartsch.

Im Vergleich dazu fallen die Zahlen beim Missbrauch illegaler Drogen deutlich kleiner aus: Schätzungsweise rund fünf Prozent der Menschen ab 15 Jahre haben binnen zwölf Monaten mindestens einmal eine illegale Droge genommen, das Gros davon Cannabis (2,4 Millionen, davon 380 000 in missbräuchlichem Ausmaß), rund 645 000 konsumierten andere illegale Drogen.

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