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Die neuen alten Schwimmhallen

Die neuen alten Schwimmhallen

Von den ehemaligen Bädern der DDR sind nicht mehr viele übrig / Einige wurden durch Spaßbäder ersetzt / In Schwerin wird eine der letzten Hallen zum Wohnhaus

Kühlungsborn. Im flotten Freistil zieht heute niemand mehr seine Bahnen in der früheren Schwimmhalle Kühlungsborn . Die Becken sind trocken, die Fliesenwände mit Graffiti bemalt. Nichts erinnert an die gute alte Zeit, als sich noch Einheimische und Gäste in die Halle drängelten, wo sie dann Kommandos der Schwimmmeister hörten. Seit 2003 sind in dem Haus Ruhe und Verfall eingekehrt. Im kommenden Jahr soll es abgerissen werden. Es ist kein Einzelfall: Viele Kommunen haben kein Geld, um Bäder zu betreiben. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft sieht das Bädersterben, das seit 15 Jahren anhalte, kritisch: „Es gibt immer weniger Möglichkeiten, um Kindern das Schwimmen beizubringen“, bedauert Pressesprecher Torsten Erdmann.

In Kühlungsborn können Kinder in einem Hotel-Bad ins Wasser springen. Zuvor war das 31 Jahre lang in einer Meerwasserschwimmhalle möglich – in der ersten der DDR. Architekt Rudi Mehl durfte sogar in den Westen reisen – nach Travemünde und St. Peter-Ording, um sich Anregungen für den Bau zu holen. Heraus kam ein Haus mit kühn gefaltetem Stahldach. Die Eröffnung war 1972. 2003 wurde die Halle geschlossen, weil die Stadt die Betriebskosten nicht mehr aufbringen konnte. Ob es einen Ersatz gibt, ist unklar. Die Stadt sucht seit Jahren vergeblich nach einem Investor.

Die Stralsunder und Wismarer hatten mehr Glück. In beiden Städten sind die ehemaligen Schwimmhallen durch Spaßbäder ersetzt worden – in Wismar sogar an der gleichen Stelle: in der Bürgermeister- Haupt-Straße. Bei der dort 1975 erbauten Schwimmhalle standen Ende der 90er Jahre große Reparaturen ins Haus. Das große Becken war undicht, und man überlegte, ob eine Sanierung oder ein Neubau sinnvoller wäre. Da flatterte ein Konzept für den Neubau eines modernen Spaßbades mit Wellness- und Sportbereich ins Rathaus: Wonnemar sollte es heißen, im November 2000 wurde es eröffnet.

Zurzeit gibt es 16 Spaß- und Erlebnisbäder in MV, eins davon in Stralsund . Früher machten viele Einheimische ihre ersten Schwimmzüge in der alten Halle am Heizwerk. Die wurde 1969 eröffnet und 1993 geschlossen. Fünf Jahre lang mussten die Hansestädter ohne Schwimmbad auskommen. Entweder in Ostsee oder den Strelasund springen oder in andere Städte fahren – bis am 1. Dezember 1999 am Grünhofer Bogen der Hansedom eröffnete. Ein Bad mit mehreren Becken und Wasserrutschen. Kosten: 140 Millionen Mark, fast die Hälfte steuerte das Land bei.

Spektakulär war bei der Eröffnung der Sprung des damaligen Oberbürgermeisters Harald Lastovka vom Drei-Meter-Brett – samt Kleidung. Der Hansedom ist sehr gut besucht – genau wie die Becken und Sauna des Freizeitbads Greifswald in der Pappelallee. Die alte Halle stand seit den 1960er Jahren am gleichen Standort und wurde 1997 abgerissen. Das Gebäude war so marode, dass es nicht mehr saniert werden konnte. Genutzt wurde es vor allem von Schülern und Vereinen genutzt.

Auch im alten Meereswasserhallenbad in Zinnowitz auf der Insel Usedom haben von 1982 an viele Schüler ihre Bahnen gezogen. „Sogar aus Wolgast und Anklam sind sie zu uns gekommen, auch etliche Rettungsschwimmer wurden hier ausgebildet“, berichtet Ute Spohler von der Historischen Gesellschaft zu Seebad Zinnowitz. 1999 ist die Halle geschlossen, im Oktober 2001 dann als „Bernsteintherme“ wiedereröffnet worden.

Vielen älteren Rostockern ist die Meeresschwimmhalle, auch Meeresbrandungsbad genannt, unvergessen. Das wurde 1971 gebaut und befand sich nur wenige Meter vom Warnemünder Strand entfernt. Der Clou: Im 50 Meter langen Becken konnten Wellen erzeugt werden, die den Gästen das Gefühl gaben, in der Ostsee zu baden. Das gab es nur in ganz wenigen Schwimmbädern der DDR. In den 1990er-Jahren musste das Wellenbad dem Spaßbad „Samoa“ Platz machen, das allerdings nie wirklich angenommen wurde. Im Frühjahr 2002 rutschte es nach nur 18 Monaten in die Pleite. Jetzt steht dort ein Hotel – mit Innen- und Außenschwimmbecken.

In Schwerin wird derzeit ein Sportbad der Ära Honecker zum extravaganten Wohnhaus umgebaut. Gerettet hat den Betonklotz in Lankow seine schlichte Einmaligkeit: Kurz vor dem Abriss kam eine der letzten DDR-Volksschwimmhallen auf die Denkmalliste. 2,5 Millionen Euro werden in den Einbau von acht barrierearmen und acht Maisonette-Wohnungen investiert. Das 25-Meter-Becken bleibt abgedeckt erhalten und soll teilweise als Therapiebecken genutzt werden.

Kerstin Schröder

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