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MV aktuell Stralsunder Schiff übersteht fast ein Jahrhundert
Nachrichten MV aktuell Stralsunder Schiff übersteht fast ein Jahrhundert
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20:02 25.11.2018
Von 1950 bis zum Ende der DDR fuhr der Ausflugsdampfer unter dem Namen„Sowjetfreundschaft“. Quelle: SAMMLUNG KLAUS KOPPERMANN
Stralsund/Murten

Sie war sein ganzer Stolz, die „Sowjetfreundschaft“. Und das Flaggschiff der Deutsch Sowjetischen Freundschaft zu DDR-Zeiten – kurz DSF. Als der Schweriner Klaus Koppermann das 21,60 Meter lange, 4,42 Meter breite und 1,35 Meter tief gehende Schiff 1971 mit damals 23 Jahren übernahm, war er der jüngste Schiffsführer des VEB Deutsche Binnenreederei. Nachdem er in Schönebeck an der Elbe die Schifferschule absolviert, als Matrose auf Kähnen, Schleppern, Motorschiffen und Schubbooten sein Handwerk erlernt hatte, zog es ihn wieder in die Heimat seiner Familie. Fortan schipperte er mit dem Oldtimer als Fähre vom Anleger der Weißen Flotte Schwerin neben dem Schloss über den See zwischen Altem Garten, Zippendorf und Kaninchenwerder hin und her. Bis 1974. „Aber“, sagt er heute, „wir wussten nicht viel über diese Schiffsrarität“. Bis ihm ein altes Büchlein in die Hände fiel.

Als „Hindenburg“ in Stralsund gebaut

So wurde ihm bewusst, dass das 34-Tonnen-Motorschiff mit 128 Sitz- und 50 Stehplätzen unter der Bau-Nummer 480 mit einem Leipziger DWM-Diesel von 50 PS (das reicht für acht Knoten) zu einem Preis von 20000 Mark für Carl Schröder junior auf der Stralsunder Werft von Georg Schuldt gebaut worden war. 1925 war das. Die Werft lag dort, wo die Königliche und spätere Staatswerft Stralsund, der VEB Schiffs- und Reparaturwerft und seit der Wende die Strahlwerft an der Ziegelstraße ihre Anlagen hatten.

Die vielen Namen des Stralsunder Dampfers

In Stralsund wurde das Fahrgastschiff auf den Namen „Hindenburg“ getauft und dann nach Schwerin überführt. Über die Ostsee. Am 8. Mai 1925 war die See so ruhig, dass man den Sprung – mit Zwischenstationen in Warnemünde und Travemünde – wagen konnte. Über die Trave und den Elbe-Lübeck-Kanal wurde elbaufwärts Dömitz angesteuert, auf der Müritz-Elde-Wasserstraße und dem Störkanal schließlich am 23. Mai der Schweriner See.

Aus „Schwerin“ wird „Sowjetfreundschaft“ wird „Mecklenburg

Während der Kriegszeit 1940 bis 1945 wurde das Schiff stillgelegt. 1946 passte der Name „Hindenburg“ nicht mehr in die politische Landschaft. Fortan hieß der Ausflugsdampfer „Schwerin“ (III). Doch nicht lange: Ab 9. September 1950 stand „Sowjetfreundschaft“ am Steven.

Bis zu Wende, dann war auch dieser Name obsolet. Der neue Name: „Mecklenburg“. Passte ja auch zum neuen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern mit Regierungssitz im Schweriner Schloss in Sichtweite.

Schon in den achtziger Jahren hatte man beim VEB Weiße Flotte überlegt, das Schiff zum technischen Denkmal zu machen. Doch der Oldie blieb in Fahrt. Bis sich 2012 ein Käufer aus Baden-Württemberg für das kleine, solide Schiffchen interessierte. Auch dies war wieder mit einem Namenswechsel verbunden: „Liselotte von der Pfalz“ hieß die alte „Hindenburg“ nun. Auf eigenem Kiel mit neuem 130 kW-Deutz-Diesel und Bugstrahlruder dampfte die badische Crew mit 12 bis 14 km/h hunderte Kilometer quer durch Deutschland bis zum Neckar. Neuer Heimathafen: Heidelberg.

Heute als „Murten“ unter Schweizer Flagge

2016 schließlich entdeckte die Schweizer Reederei Olagomio AG den Oldtimer und kaufte ihn zum Einsatz auf Murten-, Neuenburger- und Bielersee, die zu den Jura-Seen nahe der Schweizer Hauptstadt Bern gehören. Dazu wurde der Rhein bis zum Ende seiner Schiffbarkeit befahren, den Rest erledigte dann ein Tieflader. Die „Liselotte“ wurde gründlich restauriert und fast wieder in ihren Originalzustand zurückversetzt. Nun hieß sie „Murten“, bekam damit auch den Ehrentitel „historisches Traditionsschiff“ und erfreut sich seitdem größter Beliebtheit beim Publikum. Der Salon bietet nur noch 30 Gästen Platz, dafür aber sehr bequem. Unter dem Vordach achtern und vorn im Freien können jeweils 15 Passagiere das Gebirgspanorama vom Wasser aus genießen.

93 Jahre alt und noch täglich im Einsatz: Ein besseres Attest kann man dem Schiff – mit bester Stahlqualität -nicht ausstellen.

Peer Schmidt-Walther

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