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MV aktuell Digitalisierung: Fast jeder fünfte Job in MV ist ersetzbar
Nachrichten MV aktuell Digitalisierung: Fast jeder fünfte Job in MV ist ersetzbar
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14:51 12.10.2018
Mitarbeiter von Mercedes-Benz überwachen im Werk in Bremen, wie ein Roboter in das C-Klasse Hybrid Modell eine Batterie einsetzt. Quelle: JASPERSEN/DPA
Schwerin

Computer oder von ihnen gesteuerte Maschinen könnten in Mecklenburg-Vorpommern die Tätigkeit fast jedes fünften Arbeitnehmers annähernd ersetzen. 2016 arbeiteten 19,3 Prozent der Beschäftigten in Berufen, deren Tätigkeiten zu 70 Prozent digitalisiert verrichtet werden könnten. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. 2013 waren es nur 10,8 Prozent. Die Chefin der Regionaldirektion Nord der Agentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, stellte das Papier für Mecklenburg-Vorpommern am Freitag in Schwerin vor. Die Studie wurde im Auftrag der Bundesarbeitsagentur für alle Länder, Landkreise und kreisfreien Städte erarbeitet.

Haupt-Koopmann betonte, dass es sich bei der Ergebnissen nur um das technisch Machbare handle. Wie viele Tätigkeiten tatsächlich ersetzt werden, hänge von wirtschaftlichen, rechtlichen und ethischen Gesichtspunkten ab. So gebe es zum Beispiel für das autonome Fahren noch keine rechtlichen Regelungen. Auch der Einsatz von Robotern in der Pflege sei ethisch noch nicht diskutiert.

Glawe sieht Ergebnisse gelassen

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sieht die Ergebnisse gelassen. In dem Maße, wie durch die Digitalisierung Arbeitsplätze eingespart werden, würden auch neue entstehen, sagte er. Für neue Berufsbilder infolge der Digitalisierung müssen sich laut Haupt-Koopmann Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf mehr Qualifizierung einstellen. „Weiterbildung muss denselben Stellenwert bekommen wie Ausbildung; Arbeiten und Lernen müssen miteinander verzahnt werden“, sagte sie.

Vom Wandel der Arbeitswelt durch die Digitaliserung sind laut Haupt-Koopmann Regionen und Berufsfelder unterschiedlich betroffen. Mecklenburg-Vorpommern habe aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur nach Berlin und Hamburg am wenigsten mit dem Verlust von Arbeitsplätzen zu rechnen. Das Gesundheits- und Sozialwesen sowie die Hotel- und Gaststättenbranche bieten demnach wenig Möglichkeiten, menschliche Tätigkeit durch Computer oder Roboter zu ersetzen. Entsprechend gering ist die Ersetzbarkeit in den Tourismusregionen, während sie in den industriell stärker geprägten Regionen deutlich über dem Durchschnitt liegt, im Kreis Ludwigslust-Parchim bei 27,9 Prozent.

Unternehmen investieren in n eue Techniken

Aber auch in der Logistikbranche, wo 2013 von elf Kerntätigkeiten fünf und 2016 bereits acht durch Computer verrichtet werden konnten, habe es bisher keinen Stellenabbau gegeben. „Obwohl viel automatisiert wurde, ist die Beschäftigung angestiegen“, sagte Haupt-Koopmann. Glawe sieht die Wirtschaft gut vorbereitet. 18 bis 20 Prozent der Unternehmen seien intensiv dabei, in neue Technik und Qualifizierung der Mitarbeiter zu investieren. Das Land unterstütze sie, indem Berater bezahlt und Zuschüsse zu Personalausgaben etwa für junge Ingenieure sowie für Investitionen ausgereicht würden.

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Henning Foerster, forderte, Beschäftigten die Ängste vor der Digitalisierung zu nehmen. Neue Technologien müssten nicht nur die Produktivität steigern, sondern auch die Arbeitsbedingungen verbessern. Der AfD-Abgeordnete Sandro Hersel mahnte, für die neuen Berufe aufgrund der Digitalisierung sei eine funktionierende digitale Infrastruktur ausschlaggebend. Nur so könne der Wegfall von Arbeitsplätzen durch neu entstehende kompensiert werden.

Verlässliche Prognosen schwierig

Die Vereinigung der Unternehmensverbände (VUMV) zufolge gibt der Bericht noch keine verlässliche Auskunft über Verlauf und Umfang tatsächlich entfallender Tätigkeiten. So bleibe die Prognose über das Entstehen neuer Tätigkeitsfelder und Berufe eher vage. Das Verarbeitende Gewerbe sei seit Jahren im Thema Digitalisierung unterwegs, Berufe und Tätigkeiten blieben auf lange Frist hochattraktiv und gut bezahlt.

Von Birgit Sander