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Diplom in MV hängt am seidenen Faden

Schwerin Diplom in MV hängt am seidenen Faden

Schwerin kämpft für den Abschluss – alle anderen Bundesländer lehnen ab

Schwerin. Studenten in Mecklenburg-Vorpommern müssen in Zukunft womöglich mit einem Makel leben: Wer den Diplom-Abschluss an Hochschulen des Landes wählt, könnte anderswo Probleme mit der Akzeptanz bekommen. Hintergrund ist ein seit Monaten schwelender Streit zwischen MV und den 15 anderen Bundesländern. Das Schweriner Bildungsministerium will das Diplom parallel zum EU-weit vereinbarten Master-Abschluss gleichberechtigt zulassen – notfalls im Alleingang.

„MV will mit dem Kopf durch die Wand“, erklärt ein Insider. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Februar, wonach die Länder sich eine gemeinsame gesetzliche Grundlage für die Qualitätsssicherung an Hochschulen schaffen müssen, laufen die Diskussionen heiß. Ein Staatsvertrag soll die Organisation der Studienzulassung bundesweit regeln, doch eine Abstimmung in der Kultusministerkonferenz (KMK) ging 15 zu eins aus. MV übernehme dabei die Rolle des „gallischen Dorfes“, ist zu hören, und beharre auf seiner Position: Studenten im Nordosten sollen am Ende des Studiums zwischen Master- und Diplomabschluss wählen können. SPD und CDU halten im Koalitionsvertrag am Diplom fest. So vertrat es auch Sebastian Schröder (SPD), Staatssekretär im Schweriner Ministerium, vor der KMK: Der Staatsvertrag dürfe nicht Landesgesetz brechen.

Der Rest der Republik macht da nicht mit. Vor allem Hessen schießt quer: Eine Einbeziehung von Diplomgraden in den Staatsvertrag wäre „politisch ein falsches Signal“, erklärt Staatssekretär Ingmar Jung (CDU) laut Protokoll. Der jahrelange Prozess zur europaweiten Vereinheitlichung von Studienabschlüssen auf Bachelor und Master, vereinbart 1999 von 29 Ländern in Bologna (Italien), dürfe nicht torpediert werden. Ein Rechtsanspruch aufs Diplom wäre Türöffner für weitere Ausnahmen.

Das Bildungsministerium bestätigt den Dissens und betont: Der Weg MVs sei „Bologna-konform“, strittig die Abschlussbezeichnung. Ein Kompromiss sei „noch denkbar“, so Sprecher Henning Lipski.

Andernfalls werde das Land seinen Weg allein gehen. Diplome nach altem Recht seien unberührt.

CDU und SPD im Landtag stehen zum Diplom. „Zahlreiche Studenten, Wissenschaftler und Unternehmer wünschen sich eine Renaissance dieses Abschlusses“, so ein CDU-Sprecher. Die SPD wolle den Hochschulen freistellen, „ob sie ihre Studiengänge entsprechend ausgestalten“. Damit treffen die Parteien offenbar den Nerv der Wirtschaft. Befragte Unternehmer setzten beim Abschluss auf „Made in Germany“, sagt Manuela Balan, Unternehmerverband Rostock. Das Diplom sei „ein guter, alter Markenbegriff“. Katharina Wilke, Chefin des Studierendenausschusses der Uni Rostock, kann die Diskussion nicht verstehen.

„Wichtiger ist doch, dass die Abschlüsse bundesweit vergleichbar sind“, sagt sie. Dies sei nicht einmal beim Master der Fall.

Frank Pubantz

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