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Dobrindt lässt bedrohten Traditionsschiffen etwas Luft

Rostock Dobrindt lässt bedrohten Traditionsschiffen etwas Luft

Geplante Sicherheitsverordnung wird entschärft / Eigner bleiben besorgt

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Der Traditionssegler „Atalanta“ hat den Heimathafen in Wismar. FOTO: OZ

Rostock. . In Sachen Traditionsschifffahrt justiert Bundesverkehrminister Alexander Dobrindt (CSU) seinen Kurs neu. Die umstrittene neue Sicherheitsverordnung für historische Wasserfahrzeuge, die sich durch bezahlte Passagierausflüge finanzieren, soll entschärft werden. Das bestätigten gestern mehrere Bundestagsabgeordnete aus verschiedenen Fraktionen.

Status Traditionsschiff

120 Traditionsschiffe gibt es derzeit in Deutschland. Schiffe mit diesem Status dürfen Passagiere mitnehmen, um die Unterhaltskosten zu decken und so die historischen Schiffe zu erhalten. 2017 werden Sicherheitsauflagen strenger, viele Betreiber halten das für überzogen. Im Rostocker Museumshafen liegen 23 Schiffe, in Greifswald 50. Davon sind nicht alle Traditionsschiffe.

Dobrindts Ministerium sagte demnach zu, besonders kritische Punkte zu streichen oder abzumildern. Beispiele: Lockerungen wird es etwa beim Brandschutz geben. Nur noch Schiffe ab 50 Passagieren aufwärts sollen Pressluftatemgeräte mitführen müssen – mit dafür speziell ausgebildeten Crewmitgliedern. Wie aus einem internen Papier hervorgeht, wären davon bundesweit noch acht Schiffe betroffen.

Der bisherige Entwurf sah die neue Atemgeräte-Pflicht bereits ab 25 Passagieren vor.

Ursprünglich geplante Mindestgrößen für Abwassertanks wurden verkleinert, außerdem ist die ursprünglich geforderte Verstärkung von Holztreppen durch Stahlkonstruktionen vom Tisch – die soll nun nicht mehr für alle gelten. Sicherheitszeugnisse und Nachweise über die historische Echtheit von Schiffen können weitergelten und müssen nicht neu beantragt werden. Laut Bundesverkehrsministerium tritt die Verordnung Anfang 2017 in Kraft. Es wird Übergangsregelungen geben: Müssen bestehende Zulassungen und Zeugnisse erneuert werden, haben Schiffseigner bei der Sicherheitsausrüstung ein Jahr Zeit, diese auf den neuen Stand zu bringen.

Für baulichen Neuanforderungen gelten zweieinhalb Jahre. Bei denkmalgeschützten Schiffen sind Ausnahmen möglich.

Die neue Verordnung gilt laut Dobrindt-Ministerium auch für Traditionsschiffe, auf denen gewerblich Fahrgäste befördert werden. Von 2006 bis 2016 habe es 185 Unfälle und Havarien „aller Art“ mit Traditionsschiffen gegeben.

„Bei der Sicherheit darf man keine Abstriche machen“, sagt der Rostocker Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg (CDU). Es würde sich mit der neuen Verordnung zwar einiges ändern. Sicherheit für die Passagiere sei aber auch ein Interesse der Schiffsbetreiber-Vereine. Alle Bundestagsfraktionen hätten bei der Entschärfung des Entwurfs mitgewirkt. Das sei keine Selbstverständlichkeit: Dobrindt hätte die Verordnung auch im Alleingang durchdrücken können, ganz ohne Änderungen. Die entschärfte Fassung biete eine Chance für den „Erhalt unseres maritimen Erbes“, lobt die Schleswig-Holsteiner Abgeordnete Birgit Malecha-Nissen (SPD).

Erste Reaktionen aus der Traditionsschiff-Szene fallen weniger zuversichtlich aus. „Das wird überhaupt nichts ändern, ein Schiff nach dem anderen verschwindet“, sagt Vereinsvorsitzender Volker Pesch von Deutschlands größtem Museumshafen in Greifswald. Vor der letzten Bundestagswahl 2013 habe man den Traditionschiffsbetreibern großzügig versprochen, an der Neugestaltung der Verordnung beteiligt zu werden. Das sei nicht passiert, so Pesch: „Nach der Wahl hat sich nie wieder jemand gemeldet.“ Wie aus dem Nichts sei dann dieser Entwurf gekommen. Pesch sieht keine Notwendigkeit für strengere Vorschriften. Die seien bereits 2003 verschärft worden. Es gebe weder eine Häufung von Unfällen, noch machten die gemeinnützigen Traditionsschiffer gewerblichen Anbietern Konkurrenz – weil es vergleichbare, kommerzielle Mitsegel-Angebote gar nicht gebe.

In den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der Schiffe mit Traditions-Status von rund 200 auf 120 bundesweit. Die Szene steht zusätzlich vor einem Nachwuchsproblem. Viele der altgedienten Wasser-Oldtimer-Fans hören aus Altersgründen auf, neue sind rar. Da helfe es nicht gerade, wenn der Aufwand für den Schiffsbetrieb immer mehr steigt. Laut Pesch landen die ausgemusterten maritimen Schmuckstücke nicht selten beim Abwracker. „So ein Schiff zu verkaufen, ist schwierig“, sagt Hans-Peter Wenzel, Chef des Museumshafens Rostock. Die bisherige Verordnung umzusetzen, sei teurer, aber machbar gewesen. Mit der neuen sei für viele Schluss.

Gerald Kleine Wördemann

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