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Donna Leon: Komplimente für die Insel Usedom

Heringsdorf Donna Leon: Komplimente für die Insel Usedom

Vor ihren Lesungen bei den Usedomer Literaturtagen bummelte die berühmte Krimiautorin durch Heringsdorf

Heringsdorf. „Ich bin hier im Paradiso“, sagt Donna Leon (73) und lehnt sich entspannt im Strandkorb vor dem Heringsdorfer Hotel „Steigenberger“ zurück. Ein Kompliment für die Insel Usedom von der großen amerikanischen Krimiautorin aus Venedig, die seit 1992 in ihrer italienischen Wahlheimat Commissario Brunetti ermitteln lässt. Und die nach einer anstrengenden zweiwöchigen Lesetour durch die USA und Kanada jetzt über die Heringsdorfer Promenade flaniert. Lässig, in schwarzen Jeans und mit roten Sportschuhen. Sie genießt die Sonne und das Gefühl, einfach mal Tourist zu sein. New York, Boston, Philadelphia, Toronto, Chicago, Zürich und jetzt in Vorpommern — der Intendant der Usedomer Literaturtage, Thomas Hummel, hat den Premierenbesuch ermöglicht.

„Er hat mir Bilder von der Insel gezeigt und mich damit überzeugt. Ich mag ihn auch als Menschen sehr“, sagt Donna Leon, die gestern im Steigenberger Hotel und im Maritim Hotel ihre beiden Auftritte hatte. Und sich am Vormittag die Zeit für einen Bummel über die Heringsdorfer Seebrücke nahm. Einen Sonnenbrand musste sie nicht befürchten — „ich habe einen Sonnenblocker mit einer Stärke von 200 aufgetragen“, witzelte sie während des Spazierganges.

Ihr Usedomer Hotel sei das beste im Vergleich zu den Häusern bei ihrer USA- und Kanada-Tour. „Das liegt an den vielen freundlichen Menschen. Alle wollen immer helfen. Das ist wundervoll“, sagt sie — und hört gar nicht mehr auf, Usedom Komplimente zu machen. Auch wenn der Strand viel weißer sei als der in Venedig, nur könne man die beiden Insel kaum vergleichen. „Usedom hat eine natürliche Schönheit“, sagt Leon. „Das liebe ich.“ Venedig hingegen sei zugebaut. „Voll mit Touristen, voll mit Häusern.“ Aber auch gerade dieses Künstliche würde sie an ihrer Wahlheimat schätzen. Quetschen sich die Touristen im Sommer jedoch über die venezianische Rialtobrücke, flüchtet sie in die Schweiz. „Da verbringe ich viel Zeit“, sagt Leon. Commissario Brunetti begleitet sie — denn schreiben kann sie die Krimis auch dort, auf einem Laptop. Mehr braucht sie nicht — auch dem Trend zu Handy und Smartphone widersteht sie. „Ermitteln wird Brunetti immer in Venedig“, sagt Leon. „So habe ich ihn mir ausgedacht.“ Als Typ würde er nur in der Lagunenstadt funktionieren. „Aber auch der Commissario muss mal Urlaub machen. Vielleicht schicke ich ihn zum Entspannen mal nach Usedom.“ Den Hype um die ARD-Verfilmungen ihrer Krimis versteht sie jedoch nicht. „Vor zehn Jahren habe ich mir zwei Produktionen mal angetan“, sagt sie. „Die Filme sind viel zu deutsch. Deutsche Frisuren, deutsche Kommunikation. In Venedig wird ganz anders geredet und gestikuliert.“ Immerhin sei Brunetti mit Uwe Kockisch gut besetzt.

Auf Höhe der großen Videoleinwand am Heringsdorfer Strand lauscht sie interessiert der Geschichte von den Fußballübertragungen. Hat die Autorin etwas übrig für Fußball? Sie gähnt. „Ich bin mit Tennis aufgewachsen“, sagt Leon. „Heute gehe ich aber eher spazieren. Acht bis zehn Kilometer am Tag.“ Auf ihren Reisen ginge dies jedoch nicht — weshalb sie am Samstag noch ausgiebig durch ihr neuentdecktes Paradies,— die Kaiserbäder, spazieren möchte.

Von Henrik Nitzsche und Kay Steinke

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