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Drogenhandel: Rocker der „Schwarzen Schar“ in Haft

Wis Drogenhandel: Rocker der „Schwarzen Schar“ in Haft

Die Polizei observierte Mitglieder des verbotenen Wismarer Clubs. Nach einer Einkaufsfahrt nach Bremen wurden jetzt zwei Männer mit 250 Gramm Kokain erwischt.

Wis. mar/Neubrandenburg — Erneut sitzen Rocker aus dem Umfeld des verbotenen Wismarer Motorradclubs „Schwarze Schar“ im Gefängnis. Zwei Männer (27, 28) wurden am Sonnabendnachmittag auf der A 20 gestoppt. Die Polizei stellte bei ihnen 250 Gramm Kokain sicher. Am Sonntag erließ das Amtsgericht Schwerin Haftbefehl. Wohnungen im Raum Wismar wurden durchsucht, unter anderem die des früheren „Schwarze Schar“-Präsidenten Philip Schlaffer.

Die Ermittler observierten schon länger Ex-Mitglieder des verbotenen Clubs wegen des Verdachts des Drogenhandels, sagte gestern Thorsten Kopf von der Staatsanwaltschaft in Schwerin. Am Wochenende gab es dann den entscheidenden Tipp: Zwei ehemalige Angehörige der aufgelösten Rocker-Vereinigung fuhren nach Bremen, um dort das Kokain zu kaufen. Die gefundene Menge — ein halbes Pfund — „spricht dafür, dass es gestreckt und zum Handeltreiben verwendet werden sollten“, meint Staatsanwalt Kopf. Der Straßenpreis der entdeckten Menge betrage rund 25 000 Euro. Bei sehr reinem Kokain könne er aber auch doppelt so hoch sein. Der Reinheitsgrad des sichergestellten „Stoffs“ wird zurzeit noch geprüft.

Am 13. Dezember hatte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) den berüchtigten Club verboten. Die Polizei rechnete den Verein der Organisierten Kriminalität zu. Als Hauptbetätigungsfeld galt das Betreiben sogenannter Model-Wohnungen, in denen Prostituierte arbeiten müssen. Auch Ermittlungen wegen Drogen „gab es immer mal wieder“, sagt Synke Kern vom Landeskriminalamt. Club-Mitglieder fielen mehrfach durch extreme Gewalt auf. Vergangenen Sommer wurde Christian G. wegen versuchten Mordes verhaftet, nachdem er aus nichtigem Anlass einen Stadtfestbesucher mit dem Messer attackiert und schwer verletzt hatte.

Die „Schwarze Schar“ ging 2008 aus der Neonazi-Gruppe „Werwölfe Wismar“ hervor. Kurz zuvor waren fünf „Werwölfe“ wegen Mordes verurteilt worden — sie hatten einen Trink-Kumpan zu Tode malträtiert.

Der Arm der „Schwarzen Schar“ reichte bis in die Politik. Eine damalige CDU-Lokalpolitikerin lieh 2010 einem der Rocker 90 000 Euro für den Bau des Clubhauses in Gägelow (Nordwestmecklenburg) — angeblich aus Liebe.

Unterdessen wurde der Prozess gegen den Sicherheitschef des Rockerclubs Bandidos Neubrandenburg am Amtsgericht Pasewalk auf November vertagt. Marcel H. (33) wird illegaler Besitz von Waffen und Drogen vorgeworfen. Laut seinem Anwalt Peter Schmidt ist H. bereits vor einem Jahr in die USA ausgewandert. Der frühere Kampfsportler soll im Internet eine Amerikanerin kennengelernt, sich verliebt und zu ihr ins Umland von New York gezogen sein. Ein erster Prozesstermin im vergangenen Herbst platzte, weil der Angeklagte nicht erschien. Einen weiteren, für heute geplanten Termin sagte das Gericht gestern ab. Seinem Anwalt zufolge kann der Beschuldigte in den USA verhört werden.

Ende 2011 fand die Polizei in der Wohnung von H. eine geringe Menge Kokain, eine Pistole, einen Revolver und eine Maschinengewehr-Patrone.

Kriminelle Vereine im Nordosten
23 Motorradclubs aus MV rechnet die Polizei der Organisierten Kriminalität zu. Zumeist handelt es sich um Ortsvereine („Chapter“) der verfeindeten „Hells Angels“ und „Bandidos“. Bis zu 300 Personen zählen zu ihrem Umfeld.

 



Gerald Kleine Wördemann

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