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Dünger-Diebstahl mit System: Polizei geht von Hehlerei aus

Rostock/Neubrandenburg Dünger-Diebstahl mit System: Polizei geht von Hehlerei aus

Mehrmals haben Unbekannte in den vergangenen Wochen Pflanzenschutzmittel in großen Mengen geklaut / Der Schaden geht in die Hunderttausende

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Michael Schuldt, Sprecher Landeskriminalamt

Quelle: C. Kettler

Rostock/Neubrandenburg. Unruhige Nächte verbringen derzeit viele Landwirte in MV: Mehrmals haben Unbekannte große Mengen Dünger oder Pflanzenschutzmittel gestohlen. Der Schaden geht mittlerweile in die Hunderttausende. Die Polizei geht von schwerer Wirtschaftskriminalität aus: Die Diebe wollten den Dünger schlicht zu Geld machen. Hinweise, dass Chemikalien für den Bau von Sprengsätzen genutzt werden könnten, gebe es nicht.

In Vorpommern haben Diebe gerade erst zugeschlagen. 1,5 Tonnen Bittersalz und 500 Liter Pflanzenschutzmittel seien vom Gelände eines Agrarbetriebes in Krackow bei Löcknitz verschwunden. In Friedland stahlen Unbekannte ebenfalls rund 500 Liter Pflanzenschutzmittel in Kanistern. Die Polizei geht von jeweils mehr als 10000 Euro Schaden aus. Dabei sei es aber schwer, dies zu bestimmen. Denn bestimmte Chemikalien hätten hohe Einkaufspreise, bis zu 60 Euro je Liter, weiß Carolin Radloff, Sprecherin des Polizeipräsidiums in Neubrandenburg. „Die Angaben der betroffenen Betriebe sind noch nicht vollständig.“

Die Polizei vermutet „wirtschaftliche Faktoren“ bei den Diebstählen. Das bestätigt Michael Schuldt vom Landeskriminalamt (LKA). Dünger & Co. lassen den Rubel rollen. Es sei zu vermuten, „dass die sachkundigen Täter entweder selbst die Ware verwenden oder weiterverkaufen“, so Isabel Wenzel, Sprecherin im Polizeipräsidium Rostock. Allein zwischen Rostock und Ludwigslust liege der Schaden bei etwa 150000 Euro.

Im Osten gab es weitere Fälle. Schadenssummen: etwa 50000 in Gielow bei Neubrandenburg, 20000 in Möllenbeck. Das sei nur die Spitze des Eisbergs, mehr Fälle seien möglich, so Radloff. Auch im Vorjahr seien im Frühjahr Düngemittel gestohlen worden. In einem Fall stellte die Polizei bei Grimmen einen polnischen Autofahrer; das Diebesgut stammte aus Middelhagen.

Es gibt Befürchtungen, dass die Dünger-Diebe Bomben bauen könnten. Anleitungen zum Basteln finden sich im Internet. Ganz von der Hand zu weisen ist die Gefahr nicht, räumt LKA-Sprecher Schuldt ein.

Solche Fälle habe es schon gegeben. So stellte Massenmörder Anders Breivik 2011 fast eine Tonne Sprengstoff aus Kunstdünger – Ammoniumnitrat – her. Schuldt beruhigt: „Die Hersteller haben reagiert.“

So seien gefährliche Stoffe nur in geringer Lösung oder mit Brandhemmern versehen zu kaufen. Radloff versichert: „Wir sind sensibilisiert.“ Auch in MV wurde es schon brenzlig: In Woldegk hatte im Februar ein Mann Chemikalien in der Wohnung gebunkert; durch Rauch flog er auf.

Düngemittelgesetz regelt den Verkauf

Der Umgang mit Düngemitteln ist in Deutschland durch ein entsprechendes Gesetz und eine Verordnung geregelt. Demnach dürfen Düngemittel, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate und Pflanzenhilfsmittel nur mit einer Zulassung verkauft werden. Wer dagegen verstößt, kann mit einer Geldstrafe von bis zu 14500 Euro bestraft werden. Düngemittel-Hersteller haben ihre Produkte eindeutig zu beschriften und Typenklassen auszuweisen.

Frank Pubantz

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