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MV aktuell Durchschnittsalter 68: Linke will Vergreisung stoppen
Nachrichten MV aktuell Durchschnittsalter 68: Linke will Vergreisung stoppen
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00:00 02.05.2017
Rostock

Existenzangst bei den Linken in MV: Die Gefahr, dass die Zahl der Mitglieder (akutell 3800) weiter sinken könnte, hing am Wochenende in Rostock wie Blei über dem Parteitag. Jedes Jahr verliert die Partei 200 bis 300 Genossen, vor allem durch Tod, mit 68 Jahren hat sie das höchste Mitglieder-Durchschnittsalter der Parteien im Land. Nun sollen junge dazukommen, doppelt so viele wie sonst, fordert Parteichefin Heidrun Bluhm. Die Partei wolle mit ihren Urthemen soziale Gerechtigkeit und Friedenspolitik punkten. Bald wohl auch mit einer Doppelspitze.

Wir müssen die Neueintritte in die Partei mindestens verdoppeln. Das ist existenziell.Heidrun Bluhm, Landesvorsitzende Linke

Die Linke vergreist – und will dennoch oder gerade deshalb attraktiv für junge Menschen sein. Stundenlang debattieren Parteimitlieder in Rostock über Satzungsänderungen. Kurz vor der Bundestagswahl ein Bärendienst für die Partei in der Außenwirkung, klagen Genossen. Sie streiten etwa über die Zahl der Mitglieder im Landesvorstand. Von 18 auf 14 soll die Zahl sinken, die Partei stimmt dagegen.

Allerdings findet sich an diesem Tag unter 91 Delegierten keine Kandidatin, um den derzeit vakanten 18. Platz zu besetzen. Bei der Möglichkeit, künftig auch zwei Landesvorsitzende wählen zu können, gehen die Arme hoch. Im November wird neu gewählt. Wenke Brüdgam (32) aus Tribsees und Torsten Koplin (54, Alt Rehse) wollen antreten. Nach der Wahl.

20 Prozent der Stimmen will die Partei bei der Bundstagswahl im September, erklärt Bluhm. Tags zuvor hatte sie noch von 16 bis 18 gesprochen. Das kam nicht gut an bei den Genossen. Zur Landtagswahl waren es nur 13,2 Prozent. Spitzenkandidat Dietmar Bartsch gibt als Ziel das Ergebnis von 2013 aus – 21,5 Prozent – und betont erneut, in die neue Bundesregierung zu wollen. Parteichefin Bluhm zeigt sich in Richtung AfD kämpferisch: „Wir müssen diesmal mindestens erreichen, die Rechtspopulisten weit hinter uns zu lassen.“

Immer wieder steht die Überalterung im Raum. Derzeit seien 52 Prozent der Mitglieder über 70 Jahre alt, hier müsse gegengesteuert werden, sagt Bluhm. „Sonst können wir bald einpacken“, erklärt Koplin. Dafür wird die Strategie der Partei jetzt neu justiert: mehr Werbung junger Menschen, Nutzung sozialer Medien, zielgruppenorientierte Ansprache. Bartsch, als Fraktionschef im Bundestag Aushängeschild der Partei, soll das Direktmandat in Rostock für die Linke zurückerobern. Und die Themen müssten stimmen. „Bei uns gibt es die Sorge, dass wir als Partei beliebig werden“, erklärt Carsten Penzlin, Rostock. Das Fundament gehe verloren. Mancher sieht den Vorstand dafür in der Pflicht, die Vorsitzende. Unter ihrer Führung „ist Friedhofsruhe eingetreten“, moniert Horst Krumpen aus Wismar. Bluhm wehrt sich nicht.

Zwei Leitanträge beschließen die Linken. Es geht um Fríeden und soziale Gerechtigkeit – gute Löhne, Kampf gegen Kinderarmut, gleiche Lebensverhältnisse in Ost und West. Als Bluhm davon spricht, Errungenschaften aus der DDR-Zeit retten zu wollen, gucken sich viele verdutzt um. Rüstungsexporte müssten verboten werden. Auch der Bau von Patrouillenbooten auf der Wolgaster Werft, sagt Bluhm. Für Alternativen müsse Politik sorgen.

„Aufbruch M-V 2021“ heißt ein Strategiepapier, mit dem die Genossen die Landtagswahl abhaken wollen. „Wir haben den Schuss gehört“, sagt Koplin. „So machen wir nicht weiter.“Auf sieben Regionalkonfrenzen haben 500 Parteimitglieder Ideen zusammengetragen. Mindesteinkommen, Daseinvorsorge; vor allem geht es um eine neue Öffentlichkeitsarbeit. Kritik macht die Runde: zu unkonkret, zu viel. Einige Genossen wollen den Beschluss verschieben. Im Handstreich ändert der Vorschlag von Eva-Maria Kröger, Rostock, das vorher abgestimmte Leitbild. Der „Sozialismus 2.0“ verschwindet.

Simone Oldenburg, Fraktionschefin im Landtag, nutzt den Parteitag zu einer Generalabrechung mit Landesregierung und AfD. Dass kein Geld für Kita-Erzieher, Lehrer oder Richter da sei, wie SPD und CDU behaupteten, sei „eine dreiste Lüge“. Dies hätten bereits die neuen Versorgungsposten der Koalition gezeigt. Mit dem Geld hätten 40 Sozialarbeiter bezahlt werden können, rechnet Oldenburg.

Uwe Polkaehn, Chef des DGB Nord, attackiert tarifflüchtige Unternehmen, hebt Gemeinsamkeiten mit der Linken hervor. „MV ist der Lohnkeller der Republik“, sagt er. Arbeitgeber, die sonntags von Tarifpartnerschaft reden und montags die Tarifbindung kündigen, seien Heuchler..

Drei Jungmitglieder begrüßt die Linke an diesem Tag. Er halte es für wichtig, sich für soziale Themen einzusetzen, sagt Robert Georgi (22) aus der Gemeinde Kösterbeck bei Rostock. „Je mehr Junge dabei sind, desto mehr werden auch angezogen.“

Frank Pubantz

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