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MV aktuell E-Auto-Test: Große Enttäuschung beim Familienausflug
Nachrichten MV aktuell E-Auto-Test: Große Enttäuschung beim Familienausflug
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08:16 17.05.2017
Vor dem Start zum großen Familienausflug waren Angelika und Jörg Westphal noch guter Dinge. In den Händen halten sie Zubehör zum Stromladen für unterwegs. Nach der Tour überwog die Ernüchterung. Quelle: Foto: Benjamin Barz
Wustrow

Große Ernüchterung über kleine Reichweite: Familie Westphal aus Wustrow, die für die OZ am großen E-Auto-Test teilnimmt, ist nach ihrem ersten ausgiebigen Ausflug enttäuscht. „Wir wollten meine Mutter in Wismar zum Muttertag überraschen und sind mit voller Batterieladung in Wustrow gestartet. Die Rückfahrt wurde leider zur Tour auf Messers Schneide. Denn in Wismar gab es wider Erwarten keine öffentliche Ladestation für das E-Auto. Eine große Enttäuschung“, resümiert Jörg Westphal (54) am Montag.

Er sei fest davon ausgegangen, dass eine Stadt dieser Größe auch eine Ladestation habe. Drei Apps hat der Technikfan auf sein Smartphone geladen – durch keine werde eine Station in der Hansestadt angezeigt. Auch das Navigationssystem fand keinen Anbieter.

Für das Ehepaar hatte das unangenehme Konsequenzen: „Im Grunde hat unser Ausflug so lange gedauert, als wären wir nach Berlin gefahren“, betont Angelika Westphal. Zudem kostete der Trip Nerven.

Laut Displayanzeige im E-Auto fehlten drei Kilometer, um zurück nach Wustrow zu gelangen. Der Seenotretter und die Krankenschwester wollten das Risiko nicht eingehen, nahmen einen Umweg in Kauf und fuhren zu einer Ladestation nach Rostock-Warnemünde. Da tauchte das nächste Problem auf: Die von VW bereitgestellte Karte zum Laden funktionierte nicht. „Nicht zugelassen“, stand auf der Ladesäule.

Die Fischländer mussten sich per Smartphone neu registrieren lassen. Ihre Daten eingeben, einen Pincode abwarten. 20 Minuten später floss endlich Strom. „Ich allein wäre hier gescheitert, denn ohne Smartphone und Kreditkarte ging nichts“, sagt Angelika Westphal, die beides nicht nutzt. „Ich bin zudem nicht besonders geduldig und hätte wohl den Abschleppdienst gerufen.“

Als das Paar sich nach einem 45-minütigen Spaziergang durch Warnemünde wieder ins Auto setzte, verhieß der Bordcomputer: 76 Kilometer Reichweite. Vor dem Tanken waren es 32.

Die Westphals schafften es bis nach Hause. Bei einer Rest-Reichweite von etwa 30 Kilometern habe das Auto allerdings angezeigt, dass „einige Komfortfunktionen des Fahrzeugs ausgeschaltet werden“. Die Klimaanlage funktionierte beispielsweise vorübergehend nicht mehr.

Insgesamt 212 Kilometer wollten unsere Tester an dem Tag eigentlich zurücklegen. „Wären wir nur im energiesparenden Modus Landstraße gefahren, hätte es wohl gereicht“, sagt der Wustrower. Doch er wollte mit dem Stromer auf der Autobahn powern. „Wir haben ihn mal ’fliegen lassen’, sind mit einer Geschwindigkeit von etwa 150 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen.“

Was Fahrgefühl, Komfort und Ausstattung betrifft, sind sich die Eheleute bisher einig: ein tolles Auto mit innovativer Technologie, die beispielsweise in Sachen Reichweite noch ausbaufähig ist.

„Fest steht aber auch: Die Zahl der Ladestationen im Nordosten ist miserabel“, sagt Westphal. Das bestätigt auch Hans Duschl, ein Sprecher des ADAC Hansa. „Gerade in einem Flächenland wie MV, in dem Autofahrer ohnehin schon überdurchschnittlich viele Kilometer im Jahr zurücklegen, fallen die geringe Anzahl an Elektrotankstellen und die immer noch eher geringe Reichweite der E-Mobile besonders stark ins Gewicht“, sagt der Fachmann. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft gibt es hierzulande lediglich 78 öffentlich zugängliche Ladepunkte, das entspricht 3,1 Ladepunkten auf 1000 Quadratkilometern.

Wie praxistauglich sind e-Autos wirklich? Diese Frage wollen wir in Kooperation mit VW beantworten. Die Leser von zehn Tageszeitungen testen eine Woche lang zehn mit Strom betriebene Fahrzeuge, die von VW zur Verfügung gestellt wurden. Über die Erlebnisse und Erfahrungen unserer Leser berichten wir täglich.

Virginie Wolfram

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