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MV aktuell Ehrendoktor Snowden? Ströbele ist dafür
Nachrichten MV aktuell Ehrendoktor Snowden? Ströbele ist dafür
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02:25 09.01.2014
Dr. Edward Snowden vor Rostocks Uni-Hauptgebäude — Wunschvorstellung für viele. Der Amerikaner lebt im Asyl in Russland. Montage: Olaf Maaß
Rostock

Ehrendoktorwürde für Ex-Geheimdienstler Edward Snowden: Der Vorstoß eines Teams um Hans-Jürgen von Wensierski, Dekan der Philosophischen Fakultät der Uni Rostock, zieht Kreise. Am 20. Januar lädt die Fakultät auf dem Campus Ulmenstraße zu einer Podiumsdiskussion zur NSA-Affäre mit „Spiegel“-Autor Marcel Rosenbach, dem Bundespolitiker Hans-Christian Ströbele (Grüne) und Ex-Bundesverfassungsrichter Wolfgang Hoffmann-Riem.

In wenigen Wochen sollen auch alle Ergebnisse der beauftragten Prüfer vorliegen. „Sieben Gutachten — das sind mehr, als jemals für eine Ehrenpromotion eingeholt wurden. Fünf sind schon da“, sagt von Wensierski. Hinzugezogen wurde etwa der amerikanische Sprachwissenschaftler Noam Chomsky.

Nicht jeder ist von der Idee einer Ehren-Promotion für den umstrittenen Geheimnisflüsterer entflammt. Der Rostocker CDU-Kreisverbandschef Detlev Göllner spricht gar von einem der „peinlichsten Momente“ der Uni-Geschichte und Anti-Amerikanismus. Uni-Rektor Wolfgang Schareck hat das Anliegen bislang nicht näher kommentiert, schwieg auch gestern auf OZ-Anfrage. Von Wensierski ist die herrschende Skepsis bewusst. „Uns wurde reflexartig erst mal ein Medien-Gag unterstellt“, sagt er. „Auch innerhalb der Uni gibt es kritische Geister“, kommentiert er die Frage nach der Zurückhaltung des Rektors. In einer Umfrage zeigte sich auch die OZ-Leserschaft gespalten. 52 Prozent waren für, 45 Prozent gegen die Auszeichnung. Letzte Zweifler wollten die Initiatoren mit wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Argumenten überzeugen. Bundesweit sei die Initiative „wohlwollend“ aufgenommen worden.

Wie von Ströbele. Den Vorschlag der Ernennung halte er für „bemerkenswert“, sagte er der OZ. Offenbar sehe man auch „von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus“ Gründe, Snowden Anerkennung zu zollen. Bei der Diskussion in der Uni wolle er mit den Informationen dienen, die er liefern könne. Im Herbst vergangenen Jahres hat er den Amerikaner in Moskau getroffen. Gibt es weiter Kontakt? „Ich weiß, wie ich ihn erreichen kann“, sagt Ströbele nur. Nicht ohne Grund pflege Snowden wenig Kontakt zur Außenwelt. „Mehr zu sagen, könnte ihn auch in Russland gefährden.“

Dekan von Wensierski setzt Hoffnung in die Gutachten. Das letzte Wort hat dann der Fakultätsrat, dem die Ergebnisse von der Prüfungskommission vorgelegt werden. Am liebsten wäre ihm eine Sondersitzung noch im Februar. Doch die Semesterferien durchkreuzen den Zeitplan. „Für eine positive Entscheidung sind wir auf eine Zweidrittel-Mehrheit aller Mitglieder angewiesen — nicht nur der anwesenden.“ Womöglich müssten aber in der vorlesungsfreien Phase Leute aus dem Urlaub geholt werden, das Gremium könnte spärlich besetzt sein. „Das formale Risiko ist uns zu hoch.“ Also wird die Abstimmung vertagt. Schon jetzt gilt für den Dekan: „Rostock ist nicht so randständig, wie man es nach der geografischen Lage meinen könnte.“ Die Fakultät sitze im ehemaligen Stasi-Komplex, betreibe Diktaturforschung — „uns ist die Betrachtung des Verhältnisses von Geheimdiensten und Zivilgesellschaft in die Wiege gelegt“.

Furiose Enthüllungen
Mit seiner Offenlegung von Abhörpraktiken vor allem des US-amerikanischen Geheimdienstes hat Edward Snowden, selbst ein ehemaliger Mitarbeiter der NSA, für Furore gesorgt. „Die Snowden-Enthüllungen“ ist die Podiumsdiskussion betitelt, die am 20. Januar ab 17 Uhr im Arno-Esch-Hörsaal I der Uni Rostock in der Ulmenstraße 69 stattfindet.

Kerstin Beckmann

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