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„Ehrenrunde“: Schüler bleiben freiwillig sitzen

„Ehrenrunde“: Schüler bleiben freiwillig sitzen

Vor allem in der 9. und 10. Klasse lassen sich manche Schüler lieber nicht versetzen / Minister Brodkorb sieht Möglichkeit positiv

Schwerin. Freiwilliges Sitzenbleiben liegt bundesweit im Trend. Zunehmend drehen Schüler eine

„Ehrenrunde“. Die Rücktritte ballen sich vor allem in Abschlussjahrgängen oder kurz davor: In der 9. Klasse in Schulen, die zum Haupt- oder Realschulabschluss führen, sowie in der 11.

Klasse bei den Gymnasien. Dafür gibt es mehrere Gründe. Viele Schüler haben Angst vor der Berufswelt und wollen sich mehr Zeit für die Vorbereitung verschaffen. Andere befürchten, die Schule ohne Abschluss verlassen zu müssen. Und Gymnasiasten wollen ihre Abi-Noten verbessern — und so ihre Chancen auf bestimmte Studienplätze.

In Mecklenburg-Vorpommern entscheiden sich laut Bildungsministerium bis zu zehn Prozent der Elftklässler pro Schuljahr fürs freiwillige Wiederholen. „Ich finde die Option, ein Schuljahr freiwillig wiederholen zu können, sehr positiv. So können auch schwächere Schüler das Abitur schaffen“, erklärt Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD). Das bedeute für sie einen Bildungsaufstieg. Im Schulgesetz von MV heißt es dazu: „Ein Schüler kann mit Zustimmung der Klassenkonferenz freiwillig eine Jahrgangsstufe zurücktreten oder eine Jahrgangsstufe überspringen.“

Kritik kommt von der Linken im Schweriner Landtag. „Das Wiederholen einer Jahrgangsstufe ist eine schlechte Lösung, aber in MV gibt es nur diese“, beklagt die bildungspolitische Fraktionssprecherin Simone Oldenburg. Jedes Jahr ließen sich zahlreiche Schüler an den Regional- und Gesamtschulen von der 9. in die 8. Klasse zurückstellen. Etwa jeder fünfte Schüler in MV erreiche die Berufsreife erst nach zehn, elf oder zwölf Jahren statt nach neun.

Laut Bildungsministerium wiederholten im Schuljahr 2014/15 in der 9. Klasse 370 Schüler (2,9 Prozent aller Neuntklässler; 2013/14: 473 Schüler) freiwillig ein Jahr. In der 10. Klasse waren es 294 (2,9 Prozent; 2013/14: 295 Schüler), in der 11. Klasse 270 Schüler (5,2 Prozent; 2013/14: 239 Schüler).

Die Linke nennt andere Zahlen. Im Schuljahr 2014/15 legten 3191 Schüler die mittlere Reife an den Regional- und Gesamtschulen ab. 966 Schüler benötigten mehr als zehn Jahre. „Das bedeutet, dass sich die Anzahl der Wiederholer auf 30 Prozent erhöhte“, so Oldenburg. Das Abitur machten im Schuljahr 2014/15 insgesamt 3628

Jugendliche (ohne Abend- und Fachgymnasium). 288 Jugendliche (7,9 Prozent) benötigten mehr als zwölf Jahre. Damit sinkt gegenüber 2013/2014 die Anzahl der Jugendlichen, die länger als zwölf Jahre benötigen, um die allgemeine Hochschulreife zu erwerben.

„Das freiwillige Wiederholen eines Schuljahres könnte man nur verhindern, wenn der Zugang zu den Gymnasien massiv beschränkt wird“, sagt Brodkorb.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die „Ehrenrunde“ sinnlos. „Der Leistungsvorsprung, den Wiederholer in den ersten Wochen in der neuen Klasse haben, ist nach einem Jahr verschwunden“, sagt Bildungsforscher Rainer Watermann (Freie Universität Berlin).

Von Bernhard Schmidtbauer

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In MV entscheiden sich laut Bildungsministerium bis zu zehn Prozent der Elftklässler pro Schuljahr fürs freiwillige Wiederholen. Minister Brodkorb sieht die Möglichkeit dazu positiv.

Vor allem in der 9. und 10. Klasse lassen sich manche Schüler lieber nicht versetzen. Minister Brodkorb sieht die Möglichkeit dazu positiv.

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