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Eier-Skandal: Bio-Betriebe aus MV in der Kritik

Rostock Eier-Skandal: Bio-Betriebe aus MV in der Kritik

Bio-Händler Martin Lamp (46) musste gestern mehr als sonst über Eier reden. „Die Leute fragen nach“, sagt der Geschäftsführer von Biofrisch Nordost. Die Firma aus Teschendorf bei Rostock beliefert Märkte und Geschäfte mit Bio-Lebensmitteln, nach eigenen Angaben ausschließlich von Kleinerzeugern.

Rostock. Seit dem Wochenende sind Eier das wichtigste Gesprächsthema an den Ladentheken und Marktständen. „Es gibt überall schwarze Schafe“, sagt Lamp. Für sein Unternehmen könne er das ausschließen. „Wir kennen unsere Lieferanten und ihre Betriebe.“

Das gilt wohl nicht immer: Der Skandal um falsch deklarierte Freilandeier betrifft auch die Bio-Ei-Branche in MV, die damit nicht das erste Mal in die Kritik gerät. Wie das Schweriner Landwirtschaftsministerium jetzt einräumen musste, verloren in jüngerer Zeit mehrere, offenbar industrieähnliche Großbetriebe ihr Bio-Zertifikat. 2010 ging es um Ställe mit 75 000 Hennen, im Sommer 2012 verlor ein Betrieb mit 15 000 Hühnern die Öko-Lizenz. Zudem ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen vier Nicht-Biobetriebe.

Nach geltenden Richtlinien gilt für Bio-Eier die Obergrenze von 3000 Hühnern je Stall. Selbst das ist noch zu viel, meint Burkhard Roloff vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). „Kleinere Herden lassen sich viel besser managen“, sagt der Umweltschützer, die Tiere fühlten sich wohler. Er plädiert für eine Obergrenze von 1000 Hennen. Mit Eiern, besonders mit einer Bio-Null im Herkunfts-Stempel, lasse sich „schnelles Geld“ machen, meint Roloff. Die Gründung einer Hühnerfarm sei relativ kostengünstig, bringe aber rasch Umsatz. Strengere Kontrolle seien laut BUND nicht nötig. Roloff: „Das System funktioniert.“

Die rund 50 Bio-Ei-Betriebe im Nordosten werden routinemäßig einmal jährlich von der Öko-Kontrollstelle geprüft, zusätzliche Kontrollen von den Landkreisen sind möglich. Insgesamt produzieren im Nordosten 144 Legehennenbetriebe, sieben davon bekamen vergangenes Jahr Besuch von Prüfern des Kreises, die wissen wollten, ob nicht zu viele Tiere in den Ställen gehalten wurden.

Vor einigen Monaten sorgte eine ARD-Dokumentation für Aufsehen. Der Film zeigte überfüllt wirkende Ställe aus MV, mit teils federlosen, abgemagerten Hühnern, dazwischen lagen tote Tiere, die offenbar niemand weggeräumt hatte. Tierschützer von Animal Rights Watch (Ariwa) haben die Bilder nach eigenen Angaben im Sommer 2012 in Betrieben der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof (Landkreis Rostock) aufgenommen — einem der bundesweit größten Bio-Ei-Produzenten.

„Es gab eine riesige Halle mit mehreren zehntausend Tieren“, sagt Ariwa-Chef Jürgen Foß (46). Um die Bio-Auflage, nicht mehr als 3000 Tiere in einem Stall zu halten, einzuhalten, soll ein behelfsmäßiger Zaun die Tiere in Gruppen unterteilt haben, berichtet Foß, der von Tierquälerei und „Verbrauchertäuschung“ spricht. Im Internet zeigt ein zur Erzeugergemeinschaft gehörender Betrieb eigene Bilder: gesund aussehende Hühner, die laut Begleitkommentar mehrere zehntausend Quadratmeter Auslauf haben.

Die Schweriner Landesregierung legte indes vorerst ihren Streit über den richtigen Umgang mit Lebensmittel-Skandalen bei. Justiz- und Landwirtschaftsministerium bezeichneten ihre Kommunikation untereinander als „verbesserungswürdig“. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hatte die Einrichtung einer bundesweiten Ermittlergruppe gefordert, was Justizministerin Uta Maria Kuder (CDU) überflüssig nannte. Nun soll ein runder Tisch die Zusammenarbeit verbessern.

gkw

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