Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Elbflut macht das Futter knapp
Nachrichten MV aktuell Elbflut macht das Futter knapp
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
04:15 12.07.2013
Schäfer Maik Gersonde ist mit einer Herde von 450 Mutterschafen auf den Elbwiesen bei Dömitz unterwegs. Quelle: dpa
Dömitz

Noch steht das Wasser an den Deichen, Sandsäcke und Treibgut vom Hochwasser im Juni machen Wege unpassierbar. Die Schäfer an der Elbe können ihre „Pfennigsucher“, wie die tierischen Landschaftspfleger ob ihrer Genügsamkeit genannt werden, erst an ganz wenigen Stellen wieder auf die Dämme treiben. Auch einen Monat nach der Jahrhundertflut sind die meisten Deichwiesen, die wichtigsten Weiden für norddeutsche Elbschafe, nicht zugänglich.

Das Futter wird knapp, die Lämmer bekommen zu wenig Milch von ihren Müttern, viele müssen mit der Flasche aufgepäppelt werden. Die Züchter kaufen teures Zusatzfutter oder verfüttern den Wintervorrat. Ihnen steht das Wasser bis zum Hals, wie der Landesschafzuchtverband MV einschätzt.

Seit Jahrhunderten nutze der Mensch Schafe zur ökologischen Deichpflege, sagt Verbandschef Jürgen Lückhoff. Der Klauendruck der Paarhufer wirke wie eine Walze, der „goldene Tritt“ verschütte Mauselöcher und Maulwurfsgänge. Eine dichte Grasnarbe entstehe, die den Damm vor Erosion schützt, sagen Umweltexperten.

Doch auf ihrem nächsten Weidegang über frische grüne Uferdämme müssten viele Elbschafe wohl noch Wochen warten, befürchtet Maik Gersonde aus Schlesin bei Dömitz. 50 Kilometer Weidedeiche an Elbe, Elde, Löcknitz und Havel in MV, Brandenburg und Sachsen-Anhalt könnten seine 2000 Schafe derzeit nicht nutzen, sagt er. Die Uferdämme sollen erst frei geräumt und ausgebessert sein, bevor seine Tiere wieder auf alle Deiche dürften. Die Arbeiten an den Dämmen dauern laut Umweltamt Schwerin noch bis September.

Der Pferdefuß für die Schäfer: Das Deichpflegegeld, das als Ausgleich für die extensive, ertragsarme Bewirtschaftung der Dämme zweimal im Jahr von den Ländern gezahlt wird, fällt nun teilweise ins Wasser, wie Gersonde sagt. Seine Tiere weideten jetzt auf fremden Flächen, er kaufe teures Heu dazu und greife die Winterrücklagen an. 70 Prozent seiner 500 Hektar Pachtflächen, darunter überflutete Polder, seien vom Hochwasser betroffen. Die Verluste seien fünfstellig.

Heike Griem aus Schwartow bei Boizenburg musste für ihre kleine Herde zusätzlich 40 Hektar Weideflächen im Hinterland pachten. Siegmar Wendelberger aus Neu Jabel bei Dömitz lässt seine Deichschafe derzeit auf jenem Grünland weiden, auf dem eigentlich das Futter für den Winter wachsen soll.

Verbandschef Lückhoff hofft für seine Deichschäfer auf Soforthilfen der Bundesländer. Schließlich pflegten die Herden grenzübergreifend die Flutschutzwälle in der gesamten Elbniederung.

Grit Büttner

Gestern war Prozessauftakt in Schwerin.

12.07.2013

Ehrenamtler kritisieren: Badegäste ignorieren Verbote. Das demotiviere und verschärfe die Personalnot auf den Wachtürmen.

12.07.2013

Der FDP-Chef erholt sich bereits zum dritten Mal mit Familie in Boltenhagen.

12.07.2013