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Endstation für Endstation Rechts? Kult-Storch Heinar arg gerupft

Schwerin/Rostock Endstation für Endstation Rechts? Kult-Storch Heinar arg gerupft

Demokratie-Projekte der SPD nach der Landtagswahl runtergefahren / Projektleiter begründet dies mit beruflicher Umstellung / Wichtiger Mitarbeiter ist jetzt arbeitslos

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Jeder, der ehrenamt- lich tätig ist, muss auch um seinen Lebensunter- halt gesorgt wissen. Storch Heinar hat noch nicht ausgeklappert.“Julian Barlen, SPD, Projektleiter von Endstation Rechts

Schwerin/Rostock. Er gilt als Neonazi-Jäger erster Güte in Mecklenburg-Vorpommern und erlangte Ruhm in ganz Europa: Storch Heinar, Kultfigur mit Hitler-Bärtchen und roten Beinen, landet nun auf der Liste der bedrohten Arten. Denn das Projekt und die Initiative „Endstation Rechts“, einst initiiert von der Landes-SPD im Kampf gegen NPD und andere Rechtsextremisten, sind offenbar in Gefahr. Die Aktivitäten ruhen größtenteils, wichtige Mitarbeiter müssen sich beruflich neu orientieren.

 

OZ-Bild

Dünn ist das Angebot von „Endstation Rechts“ zuletzt geworden. Über Internetseite und Twitteraccount informierte die Nachrichten-Plattform früher im Dauertakt über Vorfälle rechtsextremistischen Inhalts. 8000 Beiträge seien mittlerweile online abrufbar: über Parteien am rechten Rand, Kameradschaften, Pegida.

Wie es weitergeht, sei derzeit offen. Marc Brandstetter, der die Aufgabe in Diensten der SPD übernommen hatte, erklärt: „Ich habe mich gestern arbeitslos gemeldet.“ Bis vor kurzem war Brandstetter Wahlkreis-Mitarbeiter des SPD-Mannes Julian Barlen aus Rostock. Da Barlen nicht wieder in den Landtag gewählt wurde, hängt nun auch Endstation Rechts in den Seilen. Aber nur befristet, versichert Projektleiter Barlen: „Endstation Rechts und Storch Heinar waren schon immer Projekte, die über das Ehrenamt getragen wurden.“ Das solle so bleiben. Etwa 25 Personen seien hier aktiv. Allerdings räumt der Rostocker ein: Weniger hauptamtliche Mitarbeiter der SPD haben zusammen auch weniger ehrenamtliche Kapazitäten für die Demokratie-Projekte.

Dabei seien gerade in der aktuellen Zeit kritische Beobachter der rechten Szene besonders wichtig, so Brandstetter. Er denke da an die sogenannten Reichsbürger oder die Identitäre Bewegung, die auch in MV ihre Aktivitäten verstärkten. Auch die Satire-Figur Storch Heinar ist derzeit flügellahm. Regelmäßig zog Barlen bislang mit Megafon, Kult-Vogel und Kapelle durchs Land, um über NPD- und andere rechtsradikale Tendenzen aufzuklären. Dies sei zuletzt leider nicht möglich gewesen. Er habe sich beruflich umstellen müssen. „Storch Heinar hat aber ganz sicher noch nicht ausgeklappert“, versichert Barlen. Dazu sei er zu berühmt. Allein 110000 Fans verfolgen die Aktivitäten des Satire-Vogels bei Facebook.

Vor zehn Jahren seien die beiden Initiativen von SPD und Jusos ins Leben gerufen worden – „als Reaktion auf den drohenden Einzug der NPD in den Landtag“, so Barlen. Seither gab es viel Anerkennung:

etwa den Bundesengagement-Preis, kürzlich gar den Europäischen Bürgerpreis. Dazu sind Endstation Rechts und Storch Heinar Demokratie-Botschafter des Bundesinnenministeriums. Steffen Schoon von der Landeszentrale für politische Bildung unterstreicht die Bedeutung: „Beide Projekte wurden und werden bundesweit wahrgenommen.“

Dass die SPD Endstation Rechts einstellt, sei nicht zu erwarten. „Das Projekt ist vorwiegend spendenfinanziert betrieben worden“, erklärt SPD-Landesgeschäftsführer Marcus Unbenannt. „Ich gehe davon aus, dass das auch zukünftig so sein wird.“ Was er nicht sagt: Es könnten mehr Spender sein. Denn durch öffentliches Geld seien weder Satire-Storch noch Nachrichten-Portal förderbar, so Barlen.

Frank Pubantz

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