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Energiewende: Land setzt auf heißes Wasser aus der Tiefe

Rostock/Schwerin Energiewende: Land setzt auf heißes Wasser aus der Tiefe

Minister Pegel wirbt für Erdwärme als Alternative zu Atomkraft und Kohle

Rostock/Schwerin. Ein Land bohrt tief: Mecklenburg-Vorpommern entwickelt sich zum Vorreiter bei der Nutzung von Wärmeenergie aus der Erde. Wasserschichten mit hohen Temperaturen sollen angezapft, die Energie dann an der Oberfläche genutzt werden. Dazu hat Energieminister Christian Pegel (SPD) Vorranggebiete festlegen lassen – ähnlich wie bei der Windkraftnutzung. MV sei da erstes Bundesland überhaupt. Botschaft: Alternativen zu Atomkraft und Kohle liegen auch unter der Erde. Bei den Schweriner Stadtwerken startete ein Modellprojekt zur Nutzung geothermischer Energie. Wärme aus Hunderten Metern Tiefe können auch Kommunen und andere Unternehmen holen – mit Förderung.

 

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Geothermie ist eine unerschöpfliche Energiequelle. Doch die Bohrkosten sind hoch.“Johann-Georg Jaeger, Grüne

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„Die Energiegewinnung durch Geothermie kann eine stabile und sichere Grundversorgung an Wärme aus erneuerbarem Rohstoff bieten“, sagt Pegel. MV, gelegen im Norddeutschen Becken, sei dazu aufgrund „guter geologischer Verhältnisse“ prädestiniert. Viele Informationen zu Erdschichten liegen vor, da die DDR vor Jahrzehnten in der Tiefe nach Rohstoffen bohrte. Der Ausbau sei beschlossene Sache, so Pegel. Denn nahezu flächendeckend sei es im Nordosten möglich, in Tiefen von 1000 bis 2500 Metern Thermalwasser anzuzapfen, um Energie in Kraftwerken zu nutzen.

Dies haben bereits Unternehmen erkannt. Im Schweriner Stadtteil Lankow bereiten die örtlichen Stadtwerke eine Anlage vor. Zwei Bohrungen sollen 1300 Meter in die Tiefe führen, um 52,5 Grad Celsius heißes Wasser nach oben zu befördern und dann die Energie ins Fernwärmenetz einzuspeisen, so Sprecher Aurel Witt. Auf diese Weise wolle man unabhängiger vom Gasmarkt werden. Bei positiver Entwicklung sollen weitere Bohrungen folgen, um „das Wärmepotenzial zu verdoppeln“, so Witt.

Woanders wird schon gefördert. In Neustadt-Glewe wird 97 Grad heißes Wasser aus 2250 Metern Tiefe geholt, in Waren/Müritz hat es 63 Grad und stammt aus 1565 Metern Tiefe. Verwendung: jeweils Fernwärme. In Neubrandenburg reichte die Wassertemperatur allein nicht aus; nach Umbau werde die Energie nun im Winter zum Beheizen von Wohnungen genutzt.

„Geothermie ist eine unerschöpfliche Energiequelle“, sagt Johann-Georg Jaeger (Grüne). Nur das Bohren sei eben teuer. Die Stadtwerke Schwerin veranschlagen allein dafür sieben Millionen Euro in ihrem Projekt.

Die Nutzung von Geothermie hat sich die SPD-Fraktion im Landtag auf die Fahne geschrieben. „Aus den Erwägungen sind viele Projekte geworden“, so Rudolf Borchert. Beispiele gebe es in Greifswald und Rostock, wo Wohnungsunternehmen Häuser beheizen. Geologe Dr. Karsten Obst vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie wirbt seit Jahren für diese Form der Energiegewinnung. So war in Bad Doberan (Kreis Rostock) ein Thermalbad im Gespräch: Nutzung von Wasser aus 1400 Metern Tiefe. Für Eigenheime sei die Methode nur bedingt geeignet, da sich Nachbarn auch schnell Energie gegenseitig streitig machen könnten, so Jaeger. Klimaschutz-Fördermittel seien in MV möglich, heißt es aus dem Ministerium: für Unternehmen von 30 bis 50, für Kommunen von 50 bis 67,5 Prozent.

Frank Pubantz

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