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Er grünt so grün: Der Wald in MV steht gut da

Rostock Er grünt so grün: Der Wald in MV steht gut da

Das feucht-warme Frühjahr war gut für die Entwicklung. Aber die Sorge um die Alleen in MV nimmt zu.

Rostock. Leuchtendes Grün, rauschende Blätter, duftende Blüten und erste Früchte: Die Bäume in MV zeigen sich jetzt in ihrer vollen Pracht. Das feuchtwarme Frühjahr hat dem Wald gutgetan und den Stress des zu milden Winters überwinden lassen. „Jetzt ist die schönste Zeit im Wald“, meint Heiko Schulz, Sachbearbeiter Waldschutz bei der Landesforstverwaltung. Das findet auch die OZ und startet eine Leserfoto-Aktion.

 

OZ-Bild

Beliebt bei einheimischen Ausflüglern und bei Touristen – der lichte Gespensterwald entlang der Steilküste zwischen Börgerende und Nienhagen (Landkreis Rostock) ist ein typischer Buchenwald.

Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal

„Wir haben ein frisches Grün und es ist nicht so heiß, so dass die Bäume noch keinen Stress haben“, erklärt Schulz. Ganz anders als im Winter: „Der Winter war zu warm, so dass die Bäume nicht die Winterruhe bekommen hatten, die sie eigentlich brauchen.“ Zumal die Bäume durch den langen Sommer 2016 ohnehin schon belastet waren. Auch der frühe Wintereinbruch mit Schnee im November habe den Bäumen zugesetzt, sagt Schulz: „Es gab viel Schneebruch. Viele junge Bäume wurden durch die Schneelast verbogen und haben sich auch nicht mehr aufgerichtet. Das hatten wir in diesem Ausmaß lange nicht mehr.“

Da war das regenreiche Frühjahr ein wahrer Segen für den Wald: „Das war gut für das Anwachsen der Neupflanzungen“, erklärt der Experte. Auch der Borkenkäfer hätte sich bei Trockenheit wohl stärker ausgebreitet. „Und es gab kein trockenheitsbedingtes Triebsterben, wie wir es noch letztes Jahr bei jungen Kiefern beobachtet haben.“ Nicht zuletzt sei dank des Regens auch die Waldbrandgefahr derzeit gering.

Auch ein Wahrzeichen des Landes, die insgesamt 4000 Kilometer langen Alleen, tragen jetzt wieder ihr grünes Kleid. Doch sie machen Naturschützern Sorgen: Streusalz im Winter, Straßenbau und mangelnde Pflege gefährdeten so manchen Straßenbaum, sagt Katharina Brückmann, Alleenexpertin beim Umweltverband BUND in MV. „Beim Straßenbau werden oft Regeln nicht eingehalten“, klagt sie. So würden oft Wurzeln beim Ausbaggern verletzt, freigelegte Wurzeln nicht gleich wieder bedeckt, wie eigentlich vorgeschrieben.

Auch die Altholzpflege liege dem BUND schwer im Magen: „Eigentlich sollte dabei nur totes Holz entfernt werden, aber viel zu oft werden auch völlig gesunde Äste abgesägt“, kritisiert Brückmann.

Im vergangenen Winter sei ihr ein neues Phänomen beim Winterdienst aufgefallen: „Ich habe beobachtet, dass Radwege mit Salz gestreut werden. Wir freuen uns ja über jeden neuen Radweg, aber wenn dadurch die Bäume jetzt von beiden Seiten angegriffen werden, kann das für sie den Todestoß bedeuten.“ Die wenigen Radfahrer, die bei solchen Wetterbedingungen, der Streuen nötig mache, noch unterwegs seien, könnten doch auf öffentliche Verkehrsmittel oder auf die Straße ausweichen, meint Brückmann.

In den letzten Jahren seien zudem die Neupflanzungen von Alleebäumen zurückgegangen. „Es gibt zwar die Regelung, dass bei Bauarbeiten für jeden gefällten Baum drei neue gepflanzt werden müssen. Wegen der neuen Regelungen zum Abstand zwischen Straßen und Bäumen kann das aber oft nicht umgesetzt werden.“ Selbst manche Lücken in bestehenden Alleen würden mit dieser Begründung nicht wieder geschlossen. „So verschwinden immer mehr Alleen nach und nach“, klagt Brückmann.

Besonders schöne Bäume gibt es in den Parks und Gärten in MV zu sehen. Hier stehen teils jahrhundertealte Exemplare, die eigens angepflanzt oder von den Landschaftsgärtnern in die Parks integriert wurden. „Unsere Parks sind in einem sehr guten Zustand“, versichert Dietmar Braune, Verantwortlicher für die Parks bei der Verwaltung Schlösser und Gärten MV. Seit Gründung der Behörde 2003 sei viel investiert worden, um historische Einzelbäume wieder freizustellen oder neue Bäume zu pflanzen. „Wir haben in kurzer Zeit viel geschafft“, so Braune.

Allerdings macht sich der Experte auch Sorgen wegen des zunehmenden Befalls mit Schädlingen. „Eschentriebsterben schwächt gerade in den Parks einzeln stehende Bäume, bis sie irgendwann absterben.“

Die Miniermotte lasse die Blätter der Kastanien frühzeitig braun werden. „Das ist eher ein ästhetisches Problem, jüngste Forschungen besagen, dass der Baum nicht sehr geschädigt wird.“

Gravierender sei der Befall mit dem Pseudomonas-Bakterium, das vor allem junge Kastanien absterben lasse. Das führe dazu, dass Kastanien kaum noch neu gepflanzt werden. „Es wäre sehr schade, wenn die Kastanie aus unseren Parks verschwinden würde, denn es gibt für sie keinen richtigen Ersatz“, klagt Braune. „Außerdem wollen wir aus Sicht der Denkmalpflege die Bäume wieder nachpflanzen, die schon immer an dem jeweiligen Ort gestanden haben.“

Wo wächst der schönste Baum?

Wir suchen Ihr schönstes Baum-Foto: Wenn Sie in Ihrer Nachbarschaft oder auf Ihrem Spazierweg einen Baum besonders schön oder prächtig gewachsen finden, fotografieren Sie ihn doch. Oder Sie verbinden eine besondere Begebenheit mit einem Baum – ob Ihre Oma aus den Früchten Marmelade kochte, oder Sie den Baum vor Jahrzehnten selbst gepflanzt haben: schicken Sie uns ein Bild per E-Mail an leserreporter@ostsee-zeitung.de oder per Post an OZ, Redaktion MV, Richard-Wagner-Str. 1a, 18055 Rostock.

Axel Büssem

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