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MV aktuell Das Wintersemester beginnt – viele Erstsemester haben keine Wohnung
Nachrichten MV aktuell Das Wintersemester beginnt – viele Erstsemester haben keine Wohnung
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17:34 08.10.2018
Blick auf das Hauptgebäude der Universität Greifswald. Quelle: PETER BINDER
Rostock/Greifswald

Tausende Erstsemester beginnen in diesen Tagen ihr Studium an den beiden Universitäten des Landes. In Rostock beginnen mehr als 3000 Studierende ihr neues Studium, die Hochschule in Greifswald rechnet mit insgesamt rund 1900 Neuimmatrikulationen, teilten die Hochschulen mit.

In Rostock seien besonders die Lehramtsausbildung und die Bachelor-Studiengänge für Informatik und Wirtschaftswissenschaften stark frequentiert. Die zulassungsbeschränkten Studiengänge seien ausgelastet. Unter den Rostocker Erstis sind demnach auch 357 ausländische Studierende.

Ein großes Problem ist weiterhin der Wohnungsmangel für Studenten in der größten Stadt des Landes. „In Rostock haben wir eine akute Wohnungsnot, seit Jahren“, sagte der Geschäftsführer des Studierendenwerks (SW), Kai Hörig. Wie im Vorjahr habe das SW rund 1400 Zimmersuchende abweisen müssen und darin seien diejenigen, die sich gar nicht erst an die Wohnheimvermittlung wendeten, noch nicht enthalten.

Besonders ausländische Studierende seien betroffen. „Nicht jeder Wohnraum ist für alle Studierende geeignet“, sagte Hörig. Es gehe dabei neben dem Preis vor allem um Möblierung und die meist obligatorische Bonitätsprüfung, die für sie ein großes Problem sei. Auch deshalb steige der Anteil ausländischer Studenten in den Wohnheimen stetig an, mittlerweile auf 60 Prozent, sagte Hörig.

Doch das reicht nicht. Erstmals habe das SW deshalb ein leerstehendes Objekt als Notlösung angemietet, in dem bis zum Jahresende 40 Studierende übergangsweise unterkommen können, sagte Hörig. Zufriedenstellend sei diese Lösung aber nicht. „Uns ging es vor allem darum, nicht nichts zu tun.“ Das SW könne rund zehn Prozent der insgesamt 12 645 Rostocker Studenten mit Wohnraum versorgen, nötig sind Hörig zufolge aber mindestens 15 Prozent. Auch, um deutschen Studierenden eine faire Chance auf einen Wohnheimplatz zu geben. Die dafür nötigen 600 Wohnungen sollen in den kommenden Jahren gebaut werden.

Die Linksfraktion im Landtag kritisierte die Landesregierung. Diese habe ein ambitioniertes Programm gegen die studentische Wohnungsnot angekündigt, passiert sei jedoch nichts, monierte der hochschulpolitische Sprecher Karsten Kolbe. Landesweit würden für eine 15-prozentige Wohnraumversorgung mehr als 1000 Wohnheimplätze fehlen.

Wohnungsnot ist auch in Greifswald ein Thema: In der am Montag gestarteten Ersti-Woche können sich die Studienanfänger unter anderem in einer Notfall-Wohnraumbörse über freie WG-Zimmer informieren. In den Bibliotheken der Universität führen Mitarbeiter in die Nutzung ein, Studenten-Clubs laden zu Ersti-Partys. Die Fachschaften geben Tipps zum Studienablauf. In Rostock soll am Dienstagabend der Campustag mit Konzerten und Informationen rund um die Uni stattfinden.

Hannes Stepputat