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MV aktuell Ex-Minister will Reifen zu Öl machen
Nachrichten MV aktuell Ex-Minister will Reifen zu Öl machen
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07:07 25.08.2014
Günther Krause — als Unternehmer innovativ. Quelle: Jens Büttner/dpa

OSTSEE-ZEITUNG: Ihr Lebensmittelpunkt war jahrzehntelang in MV, doch inzwischen haben Sie hier alle Zelte abgebrochen. Weshalb?

Günther Krause: Der Hauptgrund besteht darin, dass ich den Sitz meiner Firma für Information, Beratung und Projektentwicklung — kurz IBP — von Roggentin bei Rostock nach Brandenburg-Kirchmöser verlegt habe. Das deshalb, weil das Land Brandenburg den Unternehmen bessere Standortbedingungen bietet. Kreative Firmen, zu denen die IBP unbedingt gehört, nimmt man dort mit offenen Armen auf. In Mecklenburg-Vorpommern hat die Landesregierung offenbar kein großes Interesse daran, unternehmerische Initiative zu fördern.

OZ: Die IBP unternahm schon vor Jahren den Versuch, aus Stroh Öl zu machen, was sich für viele märchenhaft anhört.

Krause: Das ist es aber nicht. Eigentlich sollte die Firma Bio Rohöl in Kirchmöser Reaktoren vorfertigen und endmontieren, um damit aus organischen und anorganischen kohlenstoffhaltigen Feststoffen wie Hausmüll, Klärschlamm oder Stroh das Rohöl zu gewinnen. Den geplanten Betrieb gibt es jedoch nicht, weil die damaligen Manager nur auf Vertrieb und Lizenzen setzten, damit scheiterten und dann in die Insolvenz gingen. Doch ein Probereaktor steht in Magdeburg. Wir haben mit der Firma Relux inzwischen die Rechte erworben und verfolgen das Projekt weiter.

OZ: Mit zwei neuen Vorhaben sorgen Sie erneut für Schlagzeilen. Worum geht es diesmal?

Krause: Ich nenne zunächst das Stichwort Gummirecycling. Durch die hohe Zahl an Kraftfahrzeugen hat allein Deutschland pro Jahr rund 420 000 Tonnen an Gummiabfällen beziehungsweise elastisch verformbaren Kunststoffen zu verkraften. Wohin damit? Bisher heißt die wenig kreative Lösung entweder Deponie oder Verbrennung.

OZ: Welchen Weg bietet IBP an?

Krause: Die Zerlegung dieser Abfälle in Granulate, die Gewinnung von Carbon, Ölsubstitut sowie von Gas. Wir haben die Anlagen, um das gewonnene Öl zu veredeln. Normales Pyrolyse-Öl wird im Öl-Markt als „Abfall“ gewertet. Aber die Bio-Rohöl-Anlage verfeinert solche Öle als Erdölsubstitut.

OZ: Ein ebenso interessantes Projekt ist die Speicherung von Wasserstoff. Wie lösen Sie das Problem?

Krause: Die Speicherung dieses Gases ist bislang ein großes Problem. Dazu kommt, dass Wasserstoff unter bestimmten Bedingungen sehr gefährlich ist. Unsere Lösung besteht darin, das Gas in Verbindung mit anderen Gasen zu verarbeiten, da es ähnliche Eigenschaften wie zum Beispiel Erd- oder Biogas hat. Technisch läuft der Prozess in Reaktoren ab, in denen etwa 70 Prozent Gas und 30 Prozent Wasser gemeinsam verarbeitet werden. Bei Propangas haben wir eine Lösung, bei der 25 Prozent Gas und 75 Prozent Wasser in Gas umgewandelt werden! Ziel ist eine 100-prozentige Gasausbeute in hoher Qualität. Die Vorteile bestehen unter anderem in vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, einer deutlichen Senkung des Gaspreises und der Möglichkeit, Wind- und Sonnenenergie in Gas zu speichern.

OZ: Wie reagiert die Fachwelt?

Krause: Wir haben unter anderem Partner in Russland, der Ukraine, der Türkei, Spanien, der Schweiz, Belgien, Italien, Griechenland und Indonesien. Von ihnen wird uns ein lebhaftes Interesse signalisiert.

OZ: Sie verfügen über gute wirtschaftliche Kontakte in die Ukraine und nach Russland, da kann Ihnen der Konflikt zwischen beiden Ländern nicht egal sein.

Krause: Unser Unternehmen lud kürzlich zu einem Fest ein. Dabei waren Gäste aus aller Welt, darunter auch aus diesen beiden Ländern. Ihre Flaggen wehten nebeneinander und ihre Wirtschaftsfachleute führten sachlich-freundschaftliche Gespräche. Für mich Beleg, dass es immer möglich ist, vernünftig miteinander umzugehen.

OZ: Welche Position beziehen Sie in der Ukraine-Frage?

Krause: Ich bin gegen Forderungen des Westens wie die, dass Russland seine Grenze zur Ukraine dicht machen soll. Das bedeutete ja, dass den Russen ein Mauerbau wie am 13. August 1961 in Berlin abverlangt würde. Wir Deutschen wissen doch genau, welch unmenschliche Härten das mit sich bringt. Zumal in der Ost-Ukraine hauptsächlich Russischstämmige leben, die Verwandte und Freunde im Nachbarland haben. Ich bin für eine Teilung der Ukraine — so wie in der Tschechoslowakei und Jugoslawien mit Erfolg praktiziert und vom Westen seinerzeit durchaus wohlwollend begleitet.

Politiker und Unternehmer
Günther Krause wurde am 13. September 1953 in Halle/Saale geboren. Er ist promovierter Ingenieur und ehemaliger deutscher Politiker (CDU). Er war 1990 Parlamentarischer Staatssekretär beim DDR-Ministerpräsidenten, von 1990 bis 1991 Bundesminister für besondere Aufgaben und von 1991 bis zu seinem Rücktritt 1993 Bundesminister für Verkehr. 2001 musste Krause als Geschäftsführer seiner Firma Aufbau Invest GmbH einen Offenbarungseid leisten. Vom Landgericht Rostock wurde er 2007 wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten auf Bewährung verurteilt. Bis 2013 lebte er unter anderem in Börgerende und Admannshagen bei Rostock. Er ist Geschäftsführer der Firma Information, Beratung, Projektentwicklung in Brandenburg- Kirchmöser, wo er mit seiner Frau wohnt.



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