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Exoten in der Ostsee: Delfine und Wale fühlen sich wohl

Stralsund/Rostock Exoten in der Ostsee: Delfine und Wale fühlen sich wohl

Vom Irrläufer zum Dauergast: Rippenqualle und Schwarzmundgrundel bereits heimisch

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Stralsund/Rostock. . Exotische Besucher an der Ostseeküste: Seit Juli sorgt zwischen Rügen und Usedom ein zehn Meter langer Buckelwal für Aufsehen (die OZ berichtete). Vor der Küste Schleswig-Holsteins, zwischen Kiel und Eckernförde, ist ein Delfin unterwegs, sagt Michael Dähne, Kurator für Meeressäuger am Deutschen Meeresmuseum Stralsund. Die Großen Tümmler „Selfie“ und „Delfie“ tummeln sich bereits seit einem Jahr in der Ostsee – derzeit vor der dänischen Küste vor Nyborg, erklärt der dänische Walforscher Carl Kinze. Und ein Schnabelwal vor MV sorgte im vergangenen Jahr für Schlagzeilen. Erobern sich fremde Arten neuen Lebensraum? Ist der Klimawandel schuld?

„Wir wissen es nicht“, sagt Harald Benke, Direktor des Meeresmuseums. Fakt ist: In den vergangenen Jahren gab es mehr Sichtungen von Großwalen und Delfinen in der Ostsee.

Dies könne mit den verbesserten Meldesystemen zusammenhängen. So hat das Meeresmuseum eine App entwickelt, mit der noch vom Boot aus jedes Tier gemeldet werden kann. Auch werden inzwischen Handyvideos auf Facebook schneller verbreitet als ein Wal wegschwimmen kann.

Auch andere fremde Arten sind in den letzten Jahren in der Ostsee heimisch geworden. So haben sich die Schwarzmundgrundel – ein Fisch – und die walnussgroße Rippenqualle als neue Arten angesiedelt. Die amerikanische Rippenqualle wurde 2006 erstmals in der Ostsee entdeckt und hat sich in diesem Sommer stark vermehrt. Die im Asowschen und Kaspischen Meer beheimatete Schwarzmundgrundel wurde 1990 erstmals in der Danziger Bucht vor Polen entdeckt, von wo sie sich nach Norden in Richtung Finnland und Schweden und nach Westen in Richtung Dänemark ausbreitete. Wie bei der Rippenqualle halten es die Forscher des Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei für wahrscheinlich, dass die etwas mehr als 20 Zentimeter große Schwarzmundgrundel über das Ballastwasser von Schiffen eingeschleppt wurde. „Die Schwarzmundgrundel ist tolerant und deshalb auch so erfolgreich“, sagt der Fischereibiologe Daniel Oester- wind.

Auch wenn der Klimawandel nicht Grund für ihr Auftauchen ist, könnte er die Fortpflanzung begünstigt haben. Laut Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) hat sich die Ostsee im letzten Jahrhundert leicht erwärmt. So ist die durchschnittliche Oberflächentemperatur bei der dänischen Insel Bornholm im Juli/August um 1,5 Grad gestiegen.

Dies sei ein robustes Signal, dass sich die Ostsee erwärmt“, sagt der IOW-Ozeanograf Markus Meier.

Szenarien zufolge könnte die Oberflächentemperatur in der Ostsee bis Ende des 21. Jahrhunderts um zwei bis vier Grad im Jahresmittel steigen. Welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Salzgehalt haben wird, sei nicht klar. Die Forscher gehen eher davon aus, dass aufgrund vermehrter Niederschläge mehr Süßwasser über die Flüsse in die Ostsee gelangt als verdunstet. Für den Großen Tümmler sehen Meeresbiologen durchaus Chancen, dass er die Ostsee als Lebensraum annehmen kann – auch weil anscheinend die Population in der Nordsee steigt. „Der Große Tümmler ist sehr standorttreu“, sagt Walforscher Benke. Mit Dorschen und Heringen gebe es ausreichend Nahrung. Voraussetzung für den dauerhaften Verbleib ist jedoch das Nachrücken von Weibchen. Bislang wurden in der Ostsee nur Männer beobachtet. Sie sind – bislang – Einzelgänger.

Zudem hat die Ostsee eine Besonderheit: In kalten Wintern friert sie zu großen Teilen zu. Meeressäuger müssen aber regelmäßig zum Atmen an die Oberfläche. Wie „

Selfie“ und „Delfie“ bewiesen haben, sind aber auch Delfine – ähnlich wie die heimischen Schweinswale – in der Lage, hier zu überwintern.

Die Buckelwale werden nach Einschätzung der Experten jedoch auch künftig Irrgäste bleiben. Sie benötigen fürs Überleben große Wanderungsstrecken vom Nordatlantik bis zu den subtropischen Bereichen.

„Die Ostsee liegt nicht auf der Wanderroute“, sagt Benke.

Martina Rathke und Thomas Luczak

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