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Experte: Auf Deutschland rollt ein Diabetes-Tsunami zu

Greifswald Experte: Auf Deutschland rollt ein Diabetes-Tsunami zu

Am Klinikum Karlsburg wollen Mediziner gegensteuern.

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Prof. Wolfgang Motz.

Greifswald. Die Zuckerkrankheit droht sich in Deutschland wie eine Epidemie auszubreiten. Jeden Tag erkranken daran 1000 Patienten neu, sagte Prof. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg bei Greifswald, gestern. „Der Diabetes mellitus ist eine große Volkskrankheit, die sich wie ein Tsunami ausbreitet.“ Die finanziellen Auswirkungen seien kaum abschätzbar, sagte Motz.

Mecklenburg-Vorpommern sei besonders betroffen. „Wir verzeichnen einen enormen Anstieg von Diabetes- und Herzpatienten“, so der Experte. Grund sei zum einen die demografische Entwicklung: Ältere Menschen leiden eher unter Diabetes vom Typ II, der meist erst bei Erwachsenen auftritt. Hinzu kommt, dass laut einer Studie in MV 53 Prozent aller Einwohner übergewichtig sind, das ist der höchste Prozentsatz in ganz Deutschland. Dicke Menschen haben ein weit höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken.

Die Folge: „In MV gibt es heute bereits etwa 160 000 Zuckerkranke“, zitierte Motz aktuelle Studien. Das bedeutet, dass fast zehn Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Im Vergleich der Regionen liegt der Nordosten deutschlandweit damit auf Platz zwei. Nur in Mitteldeutschland sind es mit knapp elf Prozent noch mehr.

Die Gesundheitsbranche versucht nun, gegenzusteuern. Im Karlsburger Klinikum wurde gestern der Grundstein für ein Diabetes-Innovationszentrum gelegt, in dem neue Methoden zur Vorbeugung und Behandlung der Stoffwechselkrankheit erforscht werden sollen. Dabei sollen in Kooperation mit dem Greifswalder Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie hochmoderne Verfahren wie die Wundheilung durch Plasma zum Einsatz kommen. Schlecht heilende Wunden sind ein großes Problem bei Diabetes. Daher soll auch der Schutz vor gefährlichen Krankenhauskeimen, die in offene Wunden eindringen können, in dem neuen Zentrum eine wichtige Rolle spielen.

Auch die größte Krankenkasse in MV, die AOK, unterstützt die Behandlung von Diabetes. In ihrem Programm Curaplan arbeite die Kasse eng mit Ärzten im Land zusammen, sagte Sprecher Markus Juhls. „Die Betreuung verläuft nach festgelegten Standards mit regelmäßigen Untersuchungen. So sollen Komplikationen möglichst früh erkannt werden.“ Oft droht Zuckerkranken etwa eine Amputation der Füße, weil eine schlechte Durchblutung zu spät erkannt wird. „55 000 Patienten nehmen bereits an dem Programm teil“, sagte Juhls. Zudem fördere die AOK die Vorbeugung schon im Kindesalter.

 

Axel Büssem

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