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Facebook-Streit um knifflige Mathe-Aufgabe endet blutig

Schwerin Facebook-Streit um knifflige Mathe-Aufgabe endet blutig

29-Jähriger aus Wismar wegen versuchten Totschlags angeklagt

Schwerin. Blutiges Ende eines Streits im Internet – um eine Mathe-Aufgabe: Beschuldigt wird Daniel F. (29) aus Wismar, der im April auf einen zehn Jahre Jüngeren mit einem Messer eingestochen hatte. Das Opfer, Robert D., verlor daraufhin eine Niere. Zwei Tage vor der Tat stritten sich die beiden bei Facebook um die richtige Lösung einer kniffligen Rechenaufgabe: „Die Hälfte meiner Zahl ist die Hälfte von 400“. Gestern begann der Prozess vor dem Landgericht Schwerin. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag. Sieben Verhandlungstage sind angesetzt.

Der Vorsitzende Richter Otmar Fandel steht vor einem Rätsel: Täter und Opfer kannten sich vor der Tat nicht und wussten nicht, dass sie in derselben Stadt wohnen. Fandel sagt:

„Ich erwarte vom Prozess neben der Klärung dessen, was passiert ist, auch eine nachvollziehbare Erklärung – warum.“ Gestern wurden lediglich die Personalien der Akteure aufgenommen und die Anklageschrift verlesen. Demnach wurde es in dem Chat schnell beleidigend, das spätere Opfer sei dabei besonders aufgefallen.

„Ich bedauere sehr, dass ich nicht sofort die Facebook-Gruppe verlassen habe“, sagt der 29-Jährige rückblickend. Stattdessen pöbelte er zurück, drohte auch. Und dann habe er Robert D.

im April zufällig in Wismar gesehen und ihn an seinem Facebook-Profilbild erkannt. Mit einem Messer, einer Art Taschenmesser, das er immer bei sich trage, habe er dem jungen Mann eine Lektion erteilen wollen. Er habe einmal zugestochen und nicht bemerkt, dass er sein Opfer dabei schwer verletzte.

Die Anklage spricht hingegen von zwei Stichen mit einer fünf bis zehn Zentimeter langen Klinge. Ein Stich sei in den Bauch gegangen, einer in den Rücken, als das Opfer habe fliehen wollen.

Der 19-Jährige ist als Nebenkläger zum Prozessauftakt erschienen. Die Erklärung – kein Geständnis – des Angeklagten Daniel F.: „Ich kann mir nicht erklären, wie und wann der zweite Messerstich erfolgt sein soll.“ Nach der Tat ließ er das blutende Opfer liegen und holte mit einem Freund dessen Kinder von der Kita ab. Ihm sei erst später klar geworden, was da passiert war. Er bedauere sein Verhalten: „Ich habe vorher noch nie Gewalt gegen einen Menschen ausgeübt.“

Jedoch: „Die Erklärung des Beschuldigten deckt sich nicht mit der Anklageschrift“, sagt Gerichtssprecher Detlef Baalcke gegenüber der OZ.

„Dass Streitigkeiten im Internet zu realer Gewalt führen, ist nach wie vor die Ausnahme“, sagt der Greifswalder Kriminologe Frieder Dünkel. „Das Internet kann im Einzelfall jedoch Hemmschwellen senken, etwa bei Hetzkampagnen gegen Politiker oder Privatleute, von denen sich Einzelne zu Taten hinreißen lassen.“ Opferschutzrechte im Internet müssten ausgeweitet werden, fordert der Wissenschaftler. „Möglicherweise brauchen wir auch einen Internet-Ombudsmann für Opfer.“

Übrigens: Die Lösung der Mathe-Aufgabe lautet „400“. Der nächste Verhandlungstag ist für den 20. Oktober angesetzt. Dann soll auch das Opfer aussagen.

Michaela Krohn und Iris Leithold

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