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Fachmangel in der Pflege: „Probieren Sie es mit Chinesen“

Rostock/Schwerin Fachmangel in der Pflege: „Probieren Sie es mit Chinesen“

In Mecklenburg-Vorpommern sind laut Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur aktuell 527 Stellen in der Pflege offen. Ein Grund für die Misere: die schlechte Bezahlung.

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In Mecklenburg-Vorpommern herrscht ein Fachkräftemangel in der Pflege.

Quelle: Jens Büttner/archiv

Rostock/Schwerin. Der Fachkräftemangel hat die Pflege fest im Griff. Jüngst wurde das Problem der Öffentlichkeit wieder bewusst, als in einer Wahlsendung ein junger Pfleger Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf die teils unhaltbaren Zustände in Pflegestationen ansprach. Er verband seine Frage, was die Kanzlerin gegen den Pflegenotstand machen wolle, mit dem Artikel 1 des Grundgesetzes, nach der die Würde des Menschen unantastbar ist.

Eine konkrete Antwort bekam der junge Mann nicht. Das liege daran, dass es keine griffigen Lösungen gibt, sagt die Geschäftsführerin der Volkssolidarität in Mecklenburg-Vorpommern, Kerstin Liebich. „Die Not ist groß und der Wettbewerb um Mitarbeiter ist hart.“

Die Volkssolidarität ist in 37 stationären und ambulanten Einrichtungen sowie in 14 Wohngemeinschaften und 74 Wohnanlagen für rund 6300 Betreute verantwortlich. Dafür stehen rund 700 Mitarbeiter zur Verfügung.

Im Nordosten sind laut Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur aktuell 527 Stellen in der Pflege offen, die Zahl steigt seit Jahren kontinuierlich. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten wächst und lag Ende 2016 bei knapp 14 000, 16,3 Prozent mehr als 2013.

„Der Bedarf an Fachkräften im gesamten Bereich der Gesundheitswirtschaft wird weiter steigen“, sagt Agenturchefin Margit Haupt-Koopmann. Dabei habe es der ländliche Raum immer schwerer, sich im Wettbewerb um Fachkräfte zu behaupten. Haupt-Koopmann hat Gruppen im Blick, die gezielt angesprochen werden müssten: Alleinerziehende, Berufsrückkehrerinnen und Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund - und Männer.

Für Liebich ist es das große Problem, dass die Arbeit in der Pflege - wie sie sagt „ein sauschwerer Job“ - schlecht bezahlt ist. Das liege nicht daran, dass die Volkssolidarität so knausrig wäre. „Wir können unseren Leuten nur dann mehr Geld geben, wenn die Kommunalen Sozialverbände, Kassen und Rentenversicherungsträger uns auch mehr geben“, erklärt Liebich. An dieser Front gebe es nach einschlägigen Gerichtsurteilen zwar etwas Bewegung, aber es sei ein zähes Ringen.

Auch Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) sieht die Misere der schlechten Bezahlung. „Viele Absolventen wandern nach erfolgreicher Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern deswegen in andere Bundesländer ab.“ Höhere Löhne für Pflegekräfte in MV seien geboten. „Unterschiede zwischen West und Ost etwa beim Pflegemindestlohn sind fast 30 Jahre nach der Wende nicht mehr hinnehmbar“, kritisiert Drese. Die Aufwertung der Sozialberufe sei generell überfällig.

Immer wieder sei der Vorschlag zu hören, dass die Pflegeeinrichtungen im Ausland nach Fachkräften suchen sollten, berichtet Liebich. Jüngst bekam sie sogar den Rat: „Probieren Sie es mit Chinesen.“ Und sie frage sich: „Was mache ich mit der Sprache? Wie können sie integriert werden? Kommt die Familie nach?“ Das seien die Fragen, die unbeantwortet bleiben. Die Träger könnten aber auch nicht so einfach nach Osteuropa gehen und die Pflegekräfte abjagen. „Die brauchen ihre Leute doch auch.“

„Es gelingt uns im Moment, alle Patienten zu versorgen, aber wir machen keine Akquise für neue Patienten“, erklärt der Sprecher des Roten Kreuzes Mecklenburg-Vorpommern, Lübbo Roewer. Es sei nicht zu garantieren, dass sie mit dem vorhandenen Personal neue Patienten versorgen können. „Damit ist klar, dass das an die wirtschaftliche Substanz geht.“

Das DRK betreibt im Land 47 stationäre und ambulante Stationen mit mehr als 2600 Patienten. „Früher haben wir Kundenakquise gemacht, heute Mitarbeiterakquise.“ Ein Weg aus der Krise könnte die eigene DRK-Alten- und Krankenpflegeschule in Teterow sein. „Wir versuchen damit, die Absolventen an unseren Einrichtungen zu halten“, sagt Roewer.

dpa/mv

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