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MV aktuell Angriff auf Busfahrer: Kein Einzelfall in MV
Nachrichten MV aktuell Angriff auf Busfahrer: Kein Einzelfall in MV
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17:30 05.12.2018
Busfahrer werden im Umgang mit gefährlichen Situationen geschult, aber nicht jedes Risiko kann ausgeschlossen werden (Symbolbild). Quelle: Fabian Sommer/dpa
Teterow

Ob Züge, Busse oder Straßenbahnen – immer wieder kommt es zu Angriffen auf das Personal. Jüngster Vorfall: In einem Linienbus hat ein 44-jähriger Mann auf den Busfahrer eingetreten. Die Tat ereignete sich am Montagnachmittag gegen 17.30 Uhr in einem Bus des Güstrower Unternehmens Rebus, der von Teterow nach Jördenstorf (Landkreis Rostock) unterwegs war. Der Angreifer sei laut Polizei „stark alkoholisiert“ (1,4 Promille) gewesen.

Der Fahrgast habe ganz regulär ein Ticket gelöst. Dann sei der Mann unvermittelt zum Busfahrer zurückgekehrt und habe ihm mehrfach von hinten gegen die Schulter getreten – wodurch der Bus ins Schlingern geriet. Als mehrere Fahrgäste den Mann zurückhielten, konnte der Fahrer den Bus anhalten. Die Beweggründe des Täters seien noch unklar.

Fahrgäste überwältigen Angreifer

„Wir sind sehr erleichtert, dass es unserem Kollegen wieder gut geht“, sagt Rebus-Geschäftsführerin Simone Zabel. Er habe den Vorfall ohne gesundheitliche Folgen überstanden. Die Fahrgäste hätten durch Zivilcourage und beherztes Eingreifen dafür gesorgt, dass „der Fahrer den Bus sicher anhalten und der Mann der Polizei übergeben werden konnte.“ Ein solcher Angriff sei bei Rebus „ganz klar ein Einzel- und Ausnahmefall“.

Kommentar zum Thema: Glück gehabt

Dennoch gibt es weitere Beispiele: Im April 2017 bedrohten zwei Männer eine Kundenbetreuerin in der S-Bahn von Güstrow nach Rostock. Im September 2016 griff ein alkoholisierter Fahrgast einen Bahnmitarbeiter bei der Fahrkartenkontrolle in der S-Bahn von Rostock nach Warnemünde an. Und im Juni 2015 verprügelte ein junger Mann einen Lokführer im Regional-Express von Wismar nach Tessin; der Täter hatte 1,48 Promille.

„Durch Alkohol sinkt die Hemmschwelle“, sagt der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Christian Schumacher. Generell sei alles, was der Sicherheit dient, zu befürworten, aber bei der Forderung um ein Alkoholverbot stelle sich die Frage: „Wer soll es durchsetzen?“

Fahrer werden regelmäßig geschult

Bei Rebus werde das Personal nach Angaben von Simone Zabel regelmäßig geschult, „insbesondere auch im Deeskalationsverhalten“. Der Fachbereichsleiter Verkehr bei der Gewerkschaft Verdi-Nord, Karl-Heinz Pliete, bestätigt: Durch Fahrerschulungen und Kameraüberwachung sei die Sicherheit des Personals und der Fahrgäste erhöht worden. Dennoch: „Ein Risiko bleibt, man kann nicht jede Situation vorhersehen“, sagt Pliete.

Die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) hat alle Busse und Bahnen mit Videotechnik ausgerüstet. Das Ergebnis: Seither seien „die Beschädigungen durch Vandalismus in den Fahrzeugen deutlich rückläufig“, erklärt Sprecherin Beate Langner. Die Deutsche Bahn AG investiert nach eigenen Angaben jährlich 170 Millionen Euro in die Sicherheit in Zügen und Bahnhöfen. Vandalismus, Graffiti und Taschendiebstähle seien rückläufig, die Zahl der Gewaltdelikte mit 330 in MV allerdings konstant. „Unsere Sicherheitskräfte sind verstärkt dort im Einsatz, wo viele Menschen aufeinandertreffen, also an den großen Bahnhöfen und bei Veranstaltungen“, sagt ein Bahnsprecher.

Kein Alkoholverbot in Zügen

Ein generelles Alkoholkonsumverbot in Zügen und Bahnhöfen der DB gibt es nicht. Nach Angaben eines Bahnsprechers hat das Unternehmen im Frühjahr 2018 versuchsweise in einigen Regionalzügen in Niedersachsen ein Alkoholkonsumverbot eingeführt. Ähnliche Reglungen gibt es bereits seit längerem in verschiedenen Verkehrsverbünden. Zudem gelten an einigen Bahnhöfen und in deren Umfeld Alkoholkonsumverbote.

338 Fälle von Vandalismus gab es im vergangenen Jahr in Zügen und auf Bahnhöfen der Deutschen Bahn AG in MV, im Vorjahr waren es 380 Fälle. Bei Graffiti ging die Zahl von 395 (2016) auf 250 zurück, bei Taschendiebstählen von 475 auf 300.

Täglich fahren rund 700 Fern-, Regional- und S-Bahnen der Deutschen Bahn AG (DB) durch Mecklenburg-Vorpommern. Pro Jahr befördert die DB Regio Nordost rund 17 Millionen Fahrgäste.

„Eine umfassende und intelligente Videoüberwachung“ helfe „insbesondere im Öffentlichen Nahverkehr Vorkommnisse zu vermeiden und der Kriminalpolizei bei den Ermittlungen von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten“, betont der Schweriner Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

„Überwachungskameras im öffentlichen Nahverkehr sind in zahlreichen Ermittlungsverfahren von Bedeutung.“, betont auch die Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock, Sophie Pawelke. Durch die Videoaufnahmen könnten häufig Tatverdächtige identifiziert werden oder Straftaten nachgewiesen werden. In anderen Fällen könnten weiterführende Ermittlungs- oder Fahndungsansätze gewonnen werden, etwa zu Personenbeschreibungen, Bekleidung, Begleitpersonen.

Axel Meyer