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Falsche Förderpolitik: Fischer fordert mehr Hilfe vom Land

Boltenhagen Falsche Förderpolitik: Fischer fordert mehr Hilfe vom Land

Boltenhagener prangert Subventionspolitik für Landwirtschaft an

Boltenhagen. „Man kann doch nicht einen Berufszweig opfern und weitermachen wie bisher.“ Der Boltenhagener Kai Dunkelmann ist verzweifelt. Die drastisch gekürzte Fangquote bringt den Fischer in vierter Generation in Existenznöte. Statt wie bisher acht Tonnen darf er im kommenden Jahr nur zwei Tonnen Dorsch fangen. Viele seiner Kollegen geben auf, Dunkelmann will „kämpfen bis zum Schluss“. Für gute Fänge, eine bessere Lobby und einen guten Ruf der Branche. „Nur so hat eines meiner vier Kinder noch die Chance, unsere Familientradition fortzusetzen“, sagt Dunkelmann. Mit einem offenen Brief hat er sich jetzt an Politiker und Forscher gewandt, darunter Agrarminister Till Backhaus (SPD). Dunkelmann hofft, langfristig etwas zu verändern. Auch indem die Landwirtschaft mehr in die Verantwortung genommen wird. Die würde mit Schadstoffen wie Gülle, Antibiotika und Hormonen Gewässer belasten und trotzdem viele Fördermittel kassieren, kritisiert Dunkelmann. Künftig sollte nur Bio-Landwirtschaft gefördert und ausgebaut werden.

Minister Backhaus betont, dass die Fischerei einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Land sei. Fördermittel von 235 Millionen Euro seien von 1991 bis 2014 in die Branche geflossen – vor allem in die Erneuerung von Häfen und Fahrzeugen. Außerdem habe er den Bund aufgefordert, ein langfristiges Konzept zum Erhalt der deutschen Kutter- und Küstenfischerei zu erarbeiten. Wie groß

die Unterschiede innerhalb der Europäischen Union sind, verdeutlicht der EU-Abgeordnete Werner Kuhn (CDU): 60 Milliarden Euro jährlich erhalten die 28 Mitgliedsstaaten für die Landwirtschaft, für die Fischerei 1,6 Milliarden Euro. Dass sich ein Fischer aus seiner Heimat MV ein Herz gefasst habe, mehr Unterstützung für das traditionelle Handwerk zu fordern, freue ihn.

Doch das müssten auch die großen Verbände wollen und das vor der EU vertreten.

Der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer MV sieht seine Zukunft in einer Kooperation mit dem Tourismus. Wie die aussehen könnte, dazu werde gerade ein Konzept erarbeitet, berichtet der Verbandsvorsitzende Günter Grothe. Er rechnet damit, dass die Zahl der Berufsfischer in MV weiter sinkt – bis 2020 auf 190 Betriebe. 1990 waren es 1380. Zurzeit gibt es 250. Junge Fischer gebe es kaum. Sie würden keine Perspektiven sehen.

Kai Dunkelmann ist seit mehr als 20 Jahren Fischer. Er hofft, dass Umweltsiegel künftig auch der traditionellen Fischerei verliehen werden. Dann könnte er mehr Geld für seine Fänge verlangen. Gespräche dazu laufen. Zudem sollten kleinere Betriebe als Kulturerbe gefördert, Laichgebiete für Schleppnetz-Fischer gesperrt werden. Quotenkürzungen – auch für Angler – und Schonzeiten findet er richtig. Wichtiger sei es aber, die Ursachen für die schlechten Fischbestände zu erforschen und die nachhaltig zu bekämpfen: „Ansonsten geht es den Fischen niemals besser.“

Laut Christopher Zimmermann vom Thünen-Institut für Ostseefischerei wirken sich auch Mikroplastik- und Nährstoff-Einträge auf die Ostsee aus. Der Dorsch-Jahrgang 2015 sei schwach gewesen.

Warum ist unklar. Doch die drastische Quoten-Kürzung (-56 Prozent) war unvermeidbar. Die Empfehlungen des Instituts für künftige Fangquoten verärgert viele Fischer. Etliche, die in der Vergangenheit mit der Rostocker Forschungseinrichtung kooperiert haben, wollen das künftig nicht mehr tun. Dunkelmann sucht eine gemeinsame Lösung: „Sonst muss ich irgendwann mit Mütze und Bart ins Heimatmuseum.“

Kerstin Schröder

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