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Falscher Aida-Arzt versetzte 41 Menschen in Vollnarkose

Rostock/Berlin Falscher Aida-Arzt versetzte 41 Menschen in Vollnarkose

Prozess steht kurz bevor / Mutmaßlicher Hochstapler hielt sogar Vorträge vor Fachleuten / 40-Jähriger ist eigentlich Pfleger

Rostock/Berlin. Dem falschen AidaSchiffsarzt Denny H. könnte schon bald der Prozess gemacht werden. Die Ermittlungen gegen den Krankenpfleger und mutmaßlichen Hochstapler seien abgeschlossen, teilt Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG mit. Jetzt müsse das zuständige Gericht entscheiden, wann das Hauptverfahren eröffnet wird. Steltner rechnet mit einer Rückmeldung in der kommenden Woche.

Indes werden weitere Details zu den dubiosen Doktorspielen von Denny H. bekannt. Der gebürtige Sachsen-Anhaltiner soll laut Berliner Staatsanwaltschaft 41 Menschen in Vollnarkose versetzt haben.

Eineinhalb Jahre lang hatte H. auf Kreuzfahrtschiffen der Rostocker Reederei Aida Cruises hunderte Passagiere behandelt. Während dieser Zeit habe er sich parallel auch als Anästhesist an der Berliner Charité verdingt und Patienten vor Operationen betäubt — ohne jemals Medizin studiert zu haben. Ernsthaft zu Schaden gekommen sei dabei zum Glück wohl niemand, sagt Staatsanwaltschaftssprecher Steltner. Weitere Details zur Anklageschrift und zu möglichen Haftstrafen, die H. bei einer Verurteilung drohen könnten, will Steltner erst nennen, wenn der Prozesstermin feststeht.

Denny H. sitzt in Berlin in Untersuchungshaft. Er war am 4. Dezember 2015 am Flughafen Berlin-Tegel verhaftet worden. Die Handschellen klickten, als der 40-Jährige aus einem Flieger aus Miami stieg.

Dort hatte er zuvor auf einem Aida-Schiff als Arzt gearbeitet. Ermittelt wurde gegen den falschen Mediziner, der als „Dr. Denny Cato H.“ Karriere machte, aber schon seit Juli 2015. Damals hatte die Berliner Ärztekammer Strafanzeige gestellt. Bei ihr hatte H. einen neuen Arztausweis beantragt. Er wollte seinen zweiten — offenbar falschen — Vornamen eintragen lassen: Cato. Bei der Bearbeitung stolperte die Ärztekammer über „Unstimmigkeiten“, der Schwindel flog auf.

Den Doktor mimte Denny H. nicht nur auf See und im Krankenhaus, sondern auch bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Von 2010 bis 2014 hatte die ihn als „erfahrenen ärztlichen Koordinator mit Facharztstandard“ beschäftigt. Als solcher war H. für die Region Nord-Ost — Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg — zuständig. Sein vorgetäuschtes Medizinerwissen gab er auch an andere weiter: An der Charité hatte H. Mitte Juni 2012 zum Thema Organtransplantationen referiert.

Schwere Vorwürfe hatte zuletzt ein früherer DSO-Kollege erhoben. Denny H. habe ihn 2013 mit Atropin vergiftet, wie er der Welt am Sonntag sagte. Die Ermittlungen waren damals jedoch eingestellt worden.

Ursprünglich hatte Denny H. in Stendal als Pfleger in einem Krankhaus gearbeitet. In Internet-Berufsportalen taucht er bis heute als Mediziner auf. Beim Fachkräfte-Netzwerk LinkedIn ist er noch als Mitarbeiter der Charité gelistet.

Von Antje Bernstein

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