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Fast allen Traditions-Schiffen droht nächstes Jahr das Aus

Rostock Fast allen Traditions-Schiffen droht nächstes Jahr das Aus

Das Bundesverkehrsministerium hat für 2017 eine neue Sicherheitsrichtlinie vorgelegt / Die gefährdet den Erhalt der meisten historischen Segel-, Dampf- und Motorschiffe

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Die alten Schiffe sind die Superstars der maritimen Szene, man darf sie der Öffent- lichkeit nicht entziehen.“Holger Bellgardt, Chef der Hanse Sail

Rostock. Viele Seeleute und Vereine im Norden bangen um ihre Traditionssegler. Treten die neuesten Sicherheitsvorschriften aus Berlin wie geplant am 1. Januar 2017 in Kraft, steht die Flotte der oft mehr als 100 Jahre alten Segel-, Dampf- und Motorschiffe vor dem Aus. „90 Prozent der historischen Flotte werden dann nicht mehr fahren“, warnt Nikolaus Kern von der Gemeinsamen Kommission für Historische Wasserfahrzeuge (GSHW).

Das Problem: Bislang durften die Traditionsschiffe mit einem Sonderstatus fahren. Doch jetzt werden weite Teile der Vorschriften an die Berufsschifffahrt angepasst. „Man kann uns aber nicht mit einem normalen Gewerbe vergleichen, viele Crews und Eigner engagieren sich in ihrer Freizeit für den Erhalt der Schiffe“, sagt Kern. Er sei von den Plänen völlig überrascht worden. Seit 2007 werde über eine neue Verordnung diskutiert. „Aber über schärfere Regeln für Sicherheit und Besatzung wurde nie gesprochen.“ Doch genau die seien im Entwurf des Bundesverkehrsministeriums festgehalten – inklusive Vorschriften, wie die alten Schiffe gebaut und ausgerüstet sein müssen. Zum Beispiel soll es eine Pflicht von Stahlunterkonstruktionen für Holztreppen geben. „Das baut sich doch keiner ein“, sagt Hans-Peter Wenzel, Vorsitzender des Museumshafens Rostock und Besitzer eines 96 Jahre alten Fischkutters. Das Geld reiche jetzt schon kaum, um die alten Boote zu erhalten.

Laut GSHW gibt es zurzeit noch 110 Traditionsschiffe in Norddeutschland, vor zehn Jahren waren es 170. Ihren Betreibern drohen neben neuen Bauvorschriften auch strengere Bestimmungen für die meist ehrenamtlichen Crews. Die müssen ab 2017 ähnlich gut geschult werden wie Berufsseeleute. „Doch sie haben in der Freizeit für ständige Lehrgänge gar keine Zeit“, sagt Nikolaus Kern. Die Folge:

Für Ausfahrten wird es nicht mehr genügend Besatzungen geben. Damit fällt die wichtigste Einnahmequelle weg. „Deshalb fordern wir das Ministerium auf, die Gespräche sofort wiederaufzunehmen“, ergänzt Kern.

Unterstützung bekommt er von Holger Bellgardt, Leiter des Hanse Sail Büros in Rostock: „Die alten Schiffe sind die Superstars der maritimen Szene, man darf sie der Öffentlichkeit nicht entziehen.“

Das würde auch die Wirtschaft schwächen. Allein die Hanse Sail sorge in der Region für einen Umsatz von etwa 50 Millionen Euro. Die Oldtimer auf dem Wasser schmückten zudem viele Städte – auch Rostock, Greifswald und Wismar. „Deshalb sollten lieber Konzepte erarbeitet werden, mit denen man die Eigner unterstützen kann“, schlägt Bellgardt vor. Zum Beispiel seien Steuererleichterungen denkbar oder eine Stiftung, an der sich Staat und Wirtschaft beteiligen. „Nordeuropa hat ein bedeutsames Kulturgut: die größte Flotte historischer Wasserfahrzeuge. Wir sollten froh sein, dass es Enthusiasten gibt, die sie erhalten“, betont Bellgardt.

Wie Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, erklärt, werde mit der Neuregelung dafür gesorgt, die Sicherheitsmaßnahmen an Bord zu stärken. Ob das Ministerium noch einmal zugunsten der Traditionssegler umsteuert, ist unklar. Die Frist für Stellungnahmen ist vor einigen Tagen abgelaufen, und sie war kurz: Ende August wurden die Pläne vorgelegt. Kritik gab es einige – etwa von zahlreichen Betreibervereinen in Norddeutschland und den Wirtschaftsministerien in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Kerstin Schröder

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