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Federau verliert sicheren Listenplatz

Binz Federau verliert sicheren Listenplatz

Nach Escort-Vorwürfen votiert AfD-Sonderparteitag in Binz gegen umstrittene Kommunalpolitikerin

Binz. Wer auf eine Erklärung, eine Entschuldigung oder gar einen freiwilligen Verzicht auf den aussichtsreichen Listenplatz 3 der AfD-Landesliste gehofft hatte, wurde enttäuscht. Stattdessen kämpfte Petra Federau, umstrittene Politikerin der Alternative für Deutschland, bis zum Schluss: Mit zitternder, tränenerstickter Stimme erklärte sie auf dem AfD-Sonderparteitag: „Mein Herz schlägt für dieses Land, diese Nation. Bis zu meinem letzten Atemzug werde ich mich für dieses Land, dieses Volk einsetzen.“ Sie habe gegen kein Gesetz verstoßen, nichts Strafbares getan. Und: Sie habe „der Partei keinen Schaden zugefügt“. Im Gegenteil: Von vielen Menschen hätte sie Zuspruch bekommen, sei „ein Fels in der Brandung“, habe „nicht einfach aufgegeben“, nicht einfach „den leichtesten Weg genommen“. Dennoch habe der AfD-Landesvorstand sie einfach fallen gelassen, nachdem sie „in der Öffentlichkeit mit Schmutz beworfen“ worden war.

Ursprünglich wollte die Schweriner Kommunalpolitikerin gar nicht öffentlich auf dem Parteitag am Sonnabend in Binz auf Rügen sprechen. Ihr Antrag: Die Pressevertreter, die sich vor wenigen Wochen „wie die Aasgeier auf sie gestürzt“ hätten, sollten zuvor den Saal verlassen. Dies wurde jedoch von einer klaren Mehrheit der Delegierten abgelehnt. Die Partei müsse sich „der Öffentlichkeit stellen“, plädierte Vize-Parteichef Matthias Manthei.

Und so trat die 46-Jährige schließlich doch ans Mikrofon: um nahezu nichts zu sagen zu den Vorwürfen, einen Escort-Service betrieben und junge deutsche Frauen in arabische Länder wie Abu Dhabi und Dubai vermittelt zu haben. Einziges indirektes Eingeständnis: Wohl „jeder Mensch, der nicht gerade aus dem Kloster kommt, hat Leichen im Keller“.

Landeschef und Spitzenkandidat Leif-Erik Holm betonte, er sei „persönlich sehr enttäuscht“. Federau habe die Partei mit dem Verschweigen dieses Teils ihrer Biografie getäuscht. „Es ist ein entscheidendes Kriterium im Leben, das erwähnt werden muss. Ansonsten macht man sich erpressbar.“ Er stellte klar, dass es nicht um die Tätigkeit Federaus gehe, sondern um das Verschweigen. Eine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ sei „unwiederbringlich zerstört“.

In einer leidenschaftlichen Aussprache sprangen Federau aber auch viele Unterstützer zur Seite: Ihr Anwalt Heinrich Berkel, AfD-Mitglied aus Rostock, unterstellte dem Parteivorstand, die Veröffentlichungen in der Presse befördert und „unprofessionell“ gehandelt zu haben. Der umstrittene Jura-Professor Ralph Weber, AfD-Direktkandidat in Greifswald, appellierte an die 137 anwesenden stimmberechtigten Mitglieder, Federau nicht von der Liste zu streichen. Schließlich sei sie „die einzige Frau auf der Landesliste mit einem sicheren Listenplatz“.

Doch das nutzte alles nichts: Am Ende plädierten 84 Mitglieder in geheimer Abstimmung für Federaus Streichung von der Landesliste. 47 votierten dagegen, sechs enthielten sich. Jedoch: Federau, die für den national-konservativen Flügel steht, bleibt Direktkandidatin im Wahlkreis in Schwerin und Geschäftsführerin der AfD-Stadtfraktion in Schwerin. Zugleich bestätigte die Partei die veränderte Kandidatenliste: Der Rostocker Holger Arppe – bislang auf Listenplatz vier – rückt wie alle nachfolgenden Bewerber um einen Platz nach oben. Zudem gelang es dem Landesvorstand, eine komplette Neuwahl der Landtags-Kandidaten zu verhindern. Mehrere derartige Anträge wurden mit großer Mehrheit der Stimmen abgeschmettert.

Der Parteitag fand unter Polizeischutz statt: Vor dem Tagungshotel hatten sich AfD-Gegner versammelt. Zudem waren zuvor Gebäude mit AfD-kritischen Parolen beschmiert worden.

Thomas Luczak

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